Romanshorn
Ein Meilenstein für die Stadt und die Schifffahrt: Jetzt liegen die Pläne für die Entwicklung der Hafenpromenade auf dem Tisch

Im Studienwettbewerb machen ein dreigliedriger Hotelkomplex und ein durchlässiger Flachbau für gastronomische Angebote und anderes mehr das Rennen. Bei der Präsentation des Siegerkonzeptes am Montagabend kam es zum Eklat.

Markus Schoch
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Diskutieren am Modell: Stadtrat Philipp Gemperle, Benno Gmür und Andrea Ruf von der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt AG sowie Stadtpräsident Roger Martin.

Diskutieren am Modell: Stadtrat Philipp Gemperle, Benno Gmür und Andrea Ruf von der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt AG sowie Stadtpräsident Roger Martin.

Bild: Reto Martin

Es hat lange gedauert, aber jetzt soll es vorwärts gehen. «Wenn alles optimal läuft, ist der Baustart von Hafenhotel und Hafenpromenade ab Mitte 2023 möglich», sagt Stadtpräsident Roger Martin. Zuletzt ging es allerdings nur schleppend voran. Vor vier Jahren verkauften die Romanshorner der Hess Immobilien AG 3'900 Quadratmeter Land auf der Hafenpromenade, damit diese dort ein Hotel bauen kann. Mittlerweile ist die Schweizerische Bodensee Schifffahrt AG (SBS) als Investor und Betreiber der Anlage an Bord.

Im Vertrag zwischen der Stadt und der Amriswiler Immobilienfirma ist ausdrücklich festgehalten, dass die Öffentlichkeit «in adäquater Form» eingebunden werden muss, wenn es darum geht, die baulichen Rahmenbedingungen im Gestaltungsplan festzulegen. Vorgeschrieben ist ein Workshop oder etwas Ähnliches.

Seit bald zehn Jahren ist die Hafenpromenade ein Provisorium

Diskussion der Spurgruppe.

Diskussion der Spurgruppe.

Bild: PD

Im letzten Jahr nahm eine breit zusammengesetzte Spurgruppe die Arbeit auf, um den Prozess vorzubereiten. Sie kam zum Schluss: Es braucht eine Gesamtkonzeption für die über 9'000 Quadratmeter grosse Hafenpromenade. Der Grund nach Angaben von Stadtpräsident Martin:

«Es gibt keinen anderen Ort am Bodensee mit diesem Panorama.»

Dieser Ort atme aber «den Mief des Unvollendeten». Denn seit bald zehn Jahren ist das Filetstück der Stadt ein Provisorium mit Zwischennutzungen. Die Stadt und die SBS entschieden deshalb im letzten Dezember, drei Landschaftsarchitekten einzuladen, zusammen mit Architekten Vorschläge zur Gestaltung des gesamten Geländes mit Hotel und anderen Angeboten auszuarbeiten. Eine Jury hat mittlerweile entschieden, welche der Ideen es verdient, weiterverfolgt zu werden.

Das Siegerteam: Architekt Tom Munz sowie Rita Mettler und Marek Langner von der Mettler Landschaftsarchitektur AG.

Das Siegerteam: Architekt Tom Munz sowie Rita Mettler und Marek Langner von der Mettler Landschaftsarchitektur AG.

Bild: Reto Martin

Sie stammt von der Mettler Landschaftsarchitektur AG aus Gossau und dem Architekten Tom Munz aus St.Gallen. Ihre Pläne und die der beiden Mitbewerber sind noch bis am Donnerstag im Kornhaus ausgestellt. Am Montagabend war Vernissage. «Dieser Moment ist ein Meilenstein», sagte der zuständige Stadtrat Philipp Gemperle.

Hotel fügt sich gut in die Umgebung ein

«Gebäude und Vegetation fügen sich sehr zurückhaltend und selbstverständlich in die Gesamtsituation ein», heisst es im Bericht der Jury zum Sieger des Studienwettbewerbs. Der dreigliedrige, zur Bahnlinie hin höher gestaffelte Baukörper des Hotels bilde zusammen mit dem Restaurant Schiff ein Tor zum Hafenboulevard.

«Er ist strategisch und städtebaulich geschickt als eine Art Gelenk gesetzt und vermittelt nach allen Richtungen.»

Die mehrflügelige Anlage weise grosses Entwicklungspotenzial auf. «Interessant scheint der zurückhaltende, aber trotzdem identitätsstiftende Gebäudeausdruck.» Der helle, leichte und luftige Charakter erinnere mit seinem industriellen Touch an die Bodenseeschiffe. Funktional sei das Gebäude als Hotel jedoch «ineffizient organisiert», heisst es im Schlussbericht. Diese und andere Schwachstellen im Siegerprojekt wollen die Beteiligten bis Ende Jahr ausbessern, damit die Arbeiten am Gestaltungsplan nächstes Jahr weiter gehen können. «Die Wirtschaftlichkeit muss gegeben sein», sagte SBS-Verwaltungsrat Benno Gmür am Montagabend.

Modell der Wettbewerb-Sieger: Rechts das alte Zollhaus, links das neue Hotel und dazwischen der Längsbau für die Gastroangebote.

Modell der Wettbewerb-Sieger: Rechts das alte Zollhaus, links das neue Hotel und dazwischen der Längsbau für die Gastroangebote.

Bild: Reto Martin

Gut gelöst ist nach Meinung der Jury auch die Aufgabe, Raum für einen grösseren und zwei kleinere Gastrobetriebe sowie WC-Anlagen und Diestleisterflächen auf der Hafenpromenade zu schaffen. Die drei dafür nötigen Gebäude stehen mit einem gewissen Abstand nebeneinander, parallel zur Hafenmauer, verbunden durch ein gemeinsames Dach. Die optische Durchlässigkeit sei so gegeben, und der grosse Platz mit den vielen Bäumen bleibe bis an die Fassaden der Hafenstrasse als eine Art Stadtgarten lesbar. Diese «kleine grüne Oase» ist jedoch nicht nur zum Verweilen gedacht, sondern soll auch ein Ort für Märkte, Feste oder Konzerte sein. Der Standort des Längsbaus sei ideal. Es sei so möglich, die Parkgarage zu erweitern, ohne etwas abbrechen zu müssen.

Auf der heutigen Hafenpromenade standen einst Güterschuppen der SBB. Sie brannten im Jahr 2000 nieder.

Auf der heutigen Hafenpromenade standen einst Güterschuppen der SBB. Sie brannten im Jahr 2000 nieder.

Bild: PD

Kritik von Konkurrentin

Für Irritation sorgte Architektin Susanne Fritz, deren Konzept die Jury nicht zur Weiterbearbeitung empfahl. Die Zürcherin stellte am Montagabend vor versammeltem Publikum die Bewilligungsfähigkeit der Ideen der Wettbewerbssieger in Frage und kritisierte, dass weniger Parkplätze als gefordert gebaut werden sollen. Beide Vorwürfe wiesen Jury-Vertreter auf Anfrage zurück. Fritz ist so etwas wie die Haus-Architektin der SBS. Bis jetzt ist sie fast immer zum Zug gekommen: Sie war für das Innendesign des Restaurant Hafen sowie der modernisierten Schiffe Säntis und St.Gallen verantwortlich und hat auch die Pläne für den Abenteuerspielplatz Robins Horn gezeichnet. Die erste Studie für das Hafenhotel stammt ebenfalls aus ihrer Feder.

Die Ausstellung im Kornhaus (Raum Nord, Friedrichshafenstrasse 54) ist vom 6. bis 8. Juli zwischen 17.00 und 19.00 Uhr geöffnet. Gleichzeitig hat die Bevölkerung auf dem digitalen Marktplatz Crossiety die Möglichkeit, das ausgewählte Konzept zu kommentieren und Inputs für die Realisierung zu geben.

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