Roman Brülisauer: «Ich kann mich wirklich nicht beklagen»

Während zwölf Jahren leitete Roman Brülisauer die Politische Gemeinde Erlen. Seine Amtszeit war geprägt von einer soliden Finanzentwicklung, innovativen Projekten und einem bemerkenswerten Bevölkerungswachstum.

Hannelore Bruderer
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Roman Brülisauer blickt auf drei Amtsperioden als Erler Gemeindeoberhaupt zurück. (Bild: Hannelore Bruderer)

Roman Brülisauer blickt auf drei Amtsperioden als Erler Gemeindeoberhaupt zurück. (Bild: Hannelore Bruderer)

Roman Brülisauer, an Ihrer letzten Gemeindeversammlung bedankten Sie sich für den Rückhalt in der Bevölkerung. Gab es Situationen, in denen Ihnen dieser Rückhalt besonders wichtig war?

Brülisauer: Ja, bei den Abstimmungen zur Einführung des Geschäftsleitungsmodells und der familienergänzenden Betreuung. Beim Geschäftsleitungsmodell ging es nicht nur um die Einführung einer neuen Organisationsform, sondern auch um die Aufstockung der Stellenprozente. Soweit ich mich erinnere, lag die Zustimmung bei 120 Ja- zu fünf Gegenstimmen. Ähnlich hoch war die Zustimmung zur Einführung der familienergänzenden Betreuung. Dem Gemeinderat bestätigten diese Resultate, dass er mit seiner Einschätzung richtig lag, und dass diese Projekte zeitgemäss und nötig sind. Neue Wege einzuschlagen, dazu braucht es Mut – und den hat man in Erlen.

Was von alledem, das Sie sich vorgenommen hatten, konnten Sie verwirklichen?

Vieles! Einige Projekte haben sich aus den jeweiligen Situationen ergeben. Was ich aber besonders hervorheben kann, ist, dass die Verwaltung in Erlen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt wird und als kundenorientierter, effizienter Dienstleistungsbetrieb funktioniert.

Und was konnten Sie nicht realisieren?

Durch Verzögerungen beim Kanton ist die Ortsplanungsrevision nicht fertig geworden. Es wurmt mich schon, dass ich dieses für die Gemeinde enorm wichtige Projekt nicht zu Ende führen konnte. Sonst kann ich aber wirklich nicht klagen. Während meiner Amtszeit sind sämtliche Behördenanträge, wenn nicht beim ersten Mal, so doch beim zweiten Mal angenommen worden.

Was waren besonders schöne Aspekte Ihrer Tätigkeit?

Als Gemeindepräsident steht man im Kontakt mit vielen Leuten aus allen sozialen Schichten. Das Arbeitsfeld umfasst ein sehr breites Spektrum. Man muss nicht überall in die Tiefe sehen; dafür kann man Fachleute konsultieren. Aber man muss sich ein breitgefächertes Wissen aneignen. Für Personen, denen das gefällt, ist dieses Amt ideal.

Haben Sie sich manchmal auch geärgert?

Ja, bei Streitfällen unter Nachbarn. Oft geht es dabei um blossen Neid, der dann über so Nichtigkeiten wie eine Hecke ausgetragen wird. Ich verstehe nicht, wieso erwachsene Menschen in solchen Situationen nicht über ihren Schatten springen können, sondern lieber die Gemeindebehörden einschalten. Bei solchen Konflikten gibt es keine Gewinner. Dafür setzen sie immer viel negative Energie frei, die niemandem etwas bringt.

Sie sind dreimal zur Wahl angetreten, wobei Sie immer der einzige Kandidat waren. Verführt das nicht dazu, sich auf den eigenen Lorbeeren auszuruhen?

Überhaupt nicht! Seinen Job muss man die ganzen vier Jahre motiviert angehen – nicht nur unmittelbar vor Wahlen. Beim ersten Mal war es sicher Zufall, dass es keine Mitbewerber gab. Dass Gegenkandidaturen dann auch bei den beiden Erneuerungswahlen ausblieben, werte ich schon so, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe.

Anders als viele Thurgauer Gemeinden packen in Erlen die Behörden der Schule und der politischen Gemeinde viele Projekte gemeinsam an. Wo liegt hier der Ursprung und was bringt es der Erler Bevölkerung?

Dass eine Zusammenarbeit zwischen zwei Körperschaften klappt, ist eine reine Führungsfrage. Bereits in den ersten zwei Monaten nach meinem Amtsantritt habe ich mich mit Schulpräsident Heinz Leuenberger getroffen. Wir waren uns in vielem einig, und wenn das nicht der Fall war, dann waren wir immer bereit, nach bestmöglichen Lösungen für die Bevölkerung zu suchen. Die Steuerzahler sind bei der Schule und bei der Gemeinde die gleichen. Da kann es nicht sein, dass sich eine Organisation gegenüber einer anderen besonders hervorhebt. Bei uns gab es deshalb nur eines – und das hiess Erlen. Gute Beispiele sind die Aachtalhalle und die familienergänzende Betreuung.

Ihr Nachfolger, Thomas Bosshard, hat die anstehenden Herausforderungen als Gemeinderat kennen gelernt. Haben Sie dennoch Ratschläge für ihn?

Ratschläge erteile ich nicht. Antworten auf Fragen gebe ich gerne. Wir haben eine zehntägige Einarbeitung hinter uns mit den Schwerpunktthemen Verwaltung, Organisation, Netzwerk und pendente Projekte.

Sie arbeiten nun als Leiter des Amtes für Freizeitanlagen und Sport. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Auch die neue Stelle beinhaltet ein breites Arbeitsfeld mit Kontakten zur Bevölkerung und zu anderen Ämtern. Die zwölf Jahre Erfahrung als Gemeindepräsident von Erlen werde ich da gut einbringen können.

Sie wohnen weiterhin in der Gemeinde. Inwieweit werden Sie sich künftig in Erlen einbringen?

Öffentlich werde ich mich politisch sicher nicht mehr äussern. Wenn mich etwas stört, werde ich aber das machen, worauf ich die Bevölkerung immer wieder hingewiesen habe: Kommt ins Gemeindehaus und sprecht darüber! Sonst habe ich mir vorgenommen, dass ich mich auf meine neue Arbeit konzentrieren und mehr Zeit mit meiner Familie verbringen werde.

Meilensteine der Ära Brülisauer

«Wegweiser» heisst das Strategiepapier, das der Gemeinderat Erlen unter der Leitung von Roman Brülisauer erarbeitet hat. Neben der Einführung des Geschäftsleitungsmodells prägten weitere wegweisende Projekte und Beschlüsse die zwölfjährige Amtszeit des Erler Gemeindepräsidenten.

Dazu gehörten im Jahr 2007 der Start der Offenen Jugendarbeit (OJA) und zusammen mit der Volksschulgemeinde Erlen die Einweihung der Aachtalhalle (Dreifach-Turnhalle) sowie im letzten Jahr die Einführung der familienergänzenden Betreuung. Ebenfalls erwarb die Politische Gemeinde Erlen in den letzten acht Jahren Stockwerkeigentum und diverse Liegenschaften zur strategischen Sicherung von Grundstücken im Zentrum des Dorfes Erlen.

In drei Etappen – in den Jahren 2009, 2010 und 2012 – senkte die Politische Gemeinde Erlen zudem den Steuerfuss um 20 Prozentpunkte von 75 auf 55 Prozent. (hab)