Rohe Kunst aus Amriswil – von der Fabrik in den Keller

Amriswils einzige Kunstgalerie ist umgezogen. Die «Arte Nuova» ist neu im Thurgi-Center.

Manuel Nagel
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Brigitta Fust und Erwin Faeh sind mit ihrer Galerie nun im Untergeschoss des Thurgi-Centers an der Weinfelderstrasse.

Brigitta Fust und Erwin Faeh sind mit ihrer Galerie nun im Untergeschoss des Thurgi-Centers an der Weinfelderstrasse.

Bild: Manuel Nagel

Der Unterschied zwischen den beiden Räumlichkeiten könnte nicht grösser sein. Früher war die Galerie Arte Nuova in einem alten Fabrikgebäude an der Weidwiesenstrasse untergebracht. Der Holzboden war abgelaufen und zeugte davon, dass da einst hart gearbeitet wurde. An den bemalten Stahlträgern des loftartigen hohen Raums blätterte die Farbe ab und hohe Fenster hellten die eher düstere Atmosphäre auf.

Doch Brigitta Fust und Erwin Faeh mussten wegen Eigenbedarf des Vermieters raus aus dem Fabrikgebäude, das mit seinem industriellen Charme sehr gut zu ihren Kunstgegenständen gepasst hat – denn die Galerie Arte Nuova hat sich spezialisiert auf «Art brut», was mit «rohe Kunst» übersetzt wird. Darunter versteht man eine Kunstrichtung, die von Kindern und Menschen mit einer geistigen Behinderung bestimmt wird, oder auch von Menschen, die in unserer Gesellschaft als Aussenseiter und unangepasst gelten.

Und nun stehen Fust und Faeh in einem fensterlosen, aber doch hellen, weissen Raum, der auf den ersten Blick fast klinisch wirkt. Die beiden haben im Kellergeschoss des Thurgi-Centers an der Weinfelderstrasse eine neue Bleibe für ihre Kunstwerke gefunden.

Und diese sollen natürlich auch irgendwann weiterziehen. Schliesslich sammeln Fust und Faeh keine Kunst, sie handeln damit. Es ist ihr Geschäft. Dieses lief im letzten halben Jahr gar nicht schlecht, wie Brigitta Fust verrät. Trotz Corona, trotz finanzieller Unsicherheit bei vielen Leuten. Fust erklärt sich das so: «Viele sind in dieser Zeit des Lockdowns vermehrt bei sich zu Hause gewesen. Da haben die eigenen vier Wände einen anderen Stellenwert bekommen.» Der Wunsch, sein Heim mit Kunst zu schmücken, habe in dieser Zeit zugenommen. «Und weil die meisten auch nicht in die Ferien fahren konnten, haben sie auch Geld für andere Sachen wie eben Kunstgegenstände zur Verfügung gehabt», vermutet die Galeristin. Doch man müsse vernünftige Preise verlangen, findet sie. «Kunst muss für jeden erschwinglich sein», sagt Fust. Gerade in dieser Zeit.

Dennoch befassen sich Brigitta Fust und ihr Partner Erwin Faeh, die beide schon das Pensionsalter erreicht haben, auch mit ihrer Nachfolge und sondieren bereits mögliche Käufer der Kunstgalerie Arte Nuova. Immer mehr Geschäfte werden online abgewickelt. Dennoch sei es auch wichtig, die Kunstwerke vor Ort anzusehen, findet Fust und sagt: «Bevor jemand ein Bild kauft, rate ich ihm, es zuerst eine Zeit bei sich aufzuhängen, um zu erfahren, ob es passt.»

Hinweis
Die Galerie ist ab Oktober jeden Samstag von 9 bis 16 Uhr offen. Individuelle Öffnungszeiten nach Voranmeldung möglich unter der Telefonnummer 071 393 55 45. www.artenuova.ch