Roggwil: Führung für Hörsehbehinderte durch die Bioforce AG

Kürzlich liessen sich Hörsehbehinderte in der Bioforce durch den Betrieb führen. Durch bildhafte Geschichten und geschmacksintensive Pflanzen bekamen sie einen Eindruck von den A. Vogel Produkten. 

Pascal Moser
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Die hörsehbehinderte Marianne Brandstetter hält bei der Führung durch die Bioforce eine Sonnenhut Pflanze in der Hand. (Bild: PD)

Die hörsehbehinderte Marianne Brandstetter hält bei der Führung durch die Bioforce eine Sonnenhut Pflanze in der Hand. (Bild: PD)

Für Führerin Seraina Greth ist es eine Premiere. Sie hat zum ersten Mal mit Hörsehbehinderten zu tun. «Mir wurde gesagt, ich solle versuchen, möglichst bildhafte Beschreibungen zu benutzen.» Die Wahrnehmung über das «Innere Auge» sei empfindlich und mit jedem Wort beeinflussbar. Der Gruppe von etwa 25 Leuten wird ein Film gezeigt, den Greth immer wieder unterbricht, um den Besuchern langsam, laut und deutlich zu beschreiben, was zu sehen ist. Wenig später gehen alle miteinander durch den Aussenbereich der Bioforce, wo in einem Garten verschiedene Pflanzen wachsen, deren Wirkstoffe sich die Bioforce zu Nutze macht.

Greth geht auf die Anwendungsbereiche ein. Die Männer und Frauen in der Gruppe können die Pflanzen berühren, an ihnen riechen oder auch deren Blätter kosten. Die Teilnehmer sind mit der Führung von Greth sehr zufrieden und loben ihre vielen bildhaften Beschreibungen.

Müh und Not im Alltag

Marianne Brandstetter leidet seit ihrem vierten Lebensjahr an einer degenerativen Augenkrankheit. Ausserdem ist sie seit ihrer Geburt auf einem Ohr taub. Auf  dem anderem Ohr hört sie nur dank eines Hörgeräts. Damit sind bei ihr zwei zentrale Sinne der Wahrnehmung beeinträchtigt. Trotzdem halten die Einschränkungen die 66-jährige Sarganserin nicht auf: «Ich habe alltägliche Situationen, etwa bei der Erkennung von Farben bei der Arbeit, mit Tricks zu meistern versucht und probiert, trotz der Schwierigkeiten ein normales Leben zu führen. »

Sie geht in langsamen Schritten, die Hand in der Hosentasche ihrer Begleitperson. Dank einer Ringleitung kann sie auch auf Entfernung hören, was die Führerin zu den Pflanzen zu sagen hat. Bei Rückfragen muss sie das Mikrofon einstellen. «Das ist sehr willkommen und ein guter Service. Aber es dauert eben ein bisschen länger. »

Den Ausflug findet sie interessant, spannend und lehrreich: «Ich schätze es, dass wir solche Veranstaltungen besuchen können. Der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen ermöglicht uns vieles, das wir sonst nie erleben könnten.» Von aussen gesehen scheint es, als wäre Hörsehbehinderten fast alles möglich, was hörende und sehende Menschen erleben können. Das sei zwar richtig, sagt Brandstetter. Sie bräuchten einfach für alles viel mehr Zeit, es sei mit zusätzlichen Anstrengungen verbunden, und sie seien auf Hilfe angewiesen.

Internationaler Tag der Taubblindheit

In der Schweiz leben insgesamt rund 50’000 Hörsehbehinderte. Die meisten davon sind bereits über 50 Jahre alt. Extrem selten ist es, dass Menschen bereits taubblind zur Welt kommen. Seit 1903 gibt es den Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen (SZB). Dieser unterstützt Menschen mit einer Beeinträchtigung der Seh- und der Hörfähigkeit. Ausserdem bringen Freiwillige den Angehörigen den Umgang mit Betroffenen bei. Dank dem SZB wird diesen Menschen weiterhin ermöglicht, an verschiedenen Kulturanlässen und Ausflügen teilzunehmen. Der Verein macht zum Internationalen Tag der Taubblindheit am 27. Juni aufmerksam auf die nur wenig bekannte Behinderungsform. (pas)