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Roger Martin kandidiert für das Stadtpräsidium in Romanshorn und sagt von sich: «Ich wäre von den drei Herausforderern am schnellsten im Saft»

Im Interview spricht der Salmsacher über unverhältnismässigen Planungsaufwand, fehlende Wertschätzung und Kommunikationsfehler.
Markus Schoch
Roger Martin tritt gegen Stadtpräsident David H. Bon an. (Bild: Andrea Stalder)

Roger Martin tritt gegen Stadtpräsident David H. Bon an. (Bild: Andrea Stalder)

Roger Martin, es ist Zeit für einen Wechsel, sagt Ihr Wahlkomitee. Was genau macht Stadtpräsident David H. Bon falsch?

Grundsätzlich ist es mir unangenehm, auf den Mann zu spielen. Und es ist mir auch unangenehm, jemandem Vorwürfe zu machen, der sich in guter Absicht und mit viel Engagement für Romanshorn einsetzt. Das muss man David H. Bon attestieren. Es läuft sehr vieles gut in Romanshorn. Es braucht deshalb auch keinen Neustark. Wir müssen auf dem Bestehenden aufbauen, eine neue Vertrauensbasis schaffen und bürgernäher vorgehen. Es gibt aber auch gewisse Sachen in der Vergangenheit, die nicht optimal gelaufen sind.

Was zum Beispiel?

Es ist viel Geld für Planung ausgegeben worden, obwohl von Anfang an klar war, dass die Finanzierung der daraus resultierenden Projekte eher schwierig wird.

Der Stadtrat konnte die Planungen nur vorantreiben, weil die Bevölkerung mitmachte.

Das ist so. Für mich stellt sich trotzdem die Frage, ob man so viel Geld investieren musste. Wir reden von einem Betrag in der Höhe von über einer Million Franken. War es beispielsweise wirklich nötig, einen Kees Christiaanse an Bord zu holen, der in der Top Liga spielt? Ich mache ein Fragezeichen dahinter. Vor allem wenn man sieht, dass für die Bevölkerung nichts Nutzbares hängen geblieben ist.

Ist es nicht noch ein bisschen früh, darüber ein Urteil zu fällen? Der Richtplan hat einen Horizont von 25 Jahren.

Das ist richtig. Die Bevölkerung sieht aber, dass viel Geld ausgegeben worden ist, ohne dass sie dafür einen unmittelbaren Gegenwert bekommen hat. Gleichzeitig sind Bedürfnisse auf dem Tisch. Eine neue Dreifachturnhalle ist schon lange ein Thema. Das Projekt könnte meiner Meinung nach relativ unabhängig von der Stadtentwicklung realisiert werden. Natürlich ist man jetzt dran im Zusammenhang mit den Diskussionen über den Campus. Möglicherweise geht es langfristig in die richtige Richtung. Nur: Wenn man sich die Finanzkennzahlen anschaut, stellt man fest, Romanshorn hat ein Problem, um Investitionen tätigen zu können. Wir haben einen Bruttoverschuldungsanteil von 140 Prozent, ab 150 Prozent gilt eine solche Rate als schlecht. Und der Selbstfinanzierungsanteil liegt bei 4,7 Prozent.

Der Stadtrat ist sich der Problematik bewusst. Er wollte deshalb die Steuern erhöhen und hat parallel dazu ein Sparprogramm aufgegleist. Geht es Ihnen zu wenig weit?

Nein, der Ansatz ist aber falsch. Vieles kann ich nicht beurteilen, weil ich die Details nicht kenne. Bei mir kommt das Sparprogramm aber wie eine Strafaktion an, weil sich die Bevölkerung gegen eine Steuererhöhung ausgesprochen hat. Wenn man etwa die letzten Goodies des Gemeindepersonals wie Reka-Checks oder den Pensioniertenanlass streicht, ist das für mich fast schon zynisch vor dem Hintergrund der ganzen Ausgaben für die Planung. Das Signal an die Mitarbeiter: Ihr verdient es nicht. Das finde ich extrem störend und ist auch nicht fair. Es gäbe meiner Meinung nach andere Möglichkeiten, Kosten zu senken, beispielsweise über eine engere Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Wie ich höre, war die diese zuletzt nicht sehr konstruktiv. Da liegt Potenzial. Wir müssen aufhören, einander das Bauchweh zu vergönnen.

Die Überlegung des Stadtrates beim Sparprogramm war: Alle müssen einen Beitrag zur Gesundung der Finanzen leisten. Warum das Gemeindepersonal ausnehmen?

Wenn ich motiviertes Personal habe, dann hole ich über dessen Leistung mehr heraus, als wenn ich den Rotstift ansetze und den Angestellten damit die Motivation nehme. Die vielen Wechsel in den letzten Jahren sind viel teurer als das, was man vermeintlich einspart.

Sind die Mitarbeiter gegangen, weil sie schlecht behandelt wurden?

Da müssen Sie sie selber fragen. Ich gehe aber sehr stark davon aus. Ein Indikator für unzufriedene Mitarbeiter ist eine hohe Fluktuation. Und die haben wir zweifellos. Ich unterrichte Personalmanagement und predige meinen Studenten, die Mitarbeiter seien das wertvollste Gut. Entsprechend muss man ihnen Wertschätzung entgegen bringen. Ich höre aber von verschiedener Seite, in Romanshorn sei das zuletzt nicht der Fall gewesen.

Roger Martin am Hafen. (Andrea Stalder)

Roger Martin am Hafen. (Andrea Stalder)

Sie versprechen der Bevölkerung, die Verwaltung effizient und bürgernah zu führen. Stadtpräsident David H. Bon behauptet, die Verwaltung arbeite bereits heute äusserst kostenbewusst.

Ich komme nochmals zurück auf das, was ich gesagt habe: Motivierte Mitarbeiter bringen viel mehr Output, sind glücklicher und auch gesünder und behandeln die Bürger besser. Darstellen und schönreden kann man alles. Ich denke dabei etwas an die Digitalisierung in der Verwaltung. Von den Betroffenen hört man nicht nur Positives.

Und was ist mit der Bürgernähe?

Die grosse Kritik, die man in diesem Zusammenhang immer wieder hört, betrifft die Stadtführung. Es geht um den persönlichen Kontakt. Um das Miteinander, die Freundlichkeit, den anständigen Umgang. Das ist ganz, ganz wichtig für die Romanshorner. Sie bekommen all das aber im Moment zu wenig.

Sie fordern eine wertorientierte Dialogkultur. Es gibt heute Behördenstämme, Stadtgespräche und Workshops. Ist das zu wenig?

Ich finde das alles grundsätzlich lobenswert. Zum Teil ist man aber zu wenig auf die Emotionen und Bedürfnisse eingegangen.

Inwiefern?

Ich war als Vereinsvertreter vor vier Jahren an einem Workshop dabei. Man hatte am Schluss so etwas wie eine Wunschliste. Und alle dachten, jetzt machen wir das. Es gab zwar eine Priorisierung, aber sie wurde zu wenig kommuniziert. Da hat man falsche Erwartungen geweckt.

Im Richtplan findet man diese Wunschliste zum Teil wieder. Und dort steht auch, was wann in welcher Dringlichkeit gemacht werden soll.

Man kann vieles irgendwo nachlesen. Aber wir wissen auch, dass der Bürger grundsätzlich bequem ist. Man hätte besser kommunizieren und die Anspruchsgruppen weiter ins Boot holen sollen. Den Dialog offen zu halten, ist wichtig. Es gäbe durchaus interessante Möglichkeiten in dieser Beziehung.

Welche?

Mit modernen Technologien. Warum nicht den Innovationsprozess, wie ihn die Wirtschaft kennt, auf Gemeindeebene übertragen? Wir haben so viele clevere und kreative Bürger mit guten Ideen, die man enger in die Stadtentwicklung einbeziehen könnte im Rahmen eines definierten Prozesses auf der Basis eines Kriterienkatalogs. Für ganz alltägliche Sachen könnte man eine App anbieten. In St. Gallen beispielsweise kennt man den Stadtmelder. Es gibt ganz viele Chancen, die Bürgerpartizipation in alltäglichen Situationen zu erhöhen.

Auf die Fahne geschrieben haben Sie sich eine finanzierbare und klimafreundliche Stadtentwicklung. Was meinen Sie damit?

Eine der grössten Herausforderungen ist der Klimawandel. Wenn wir ihn nicht schnell in den Griff bekommen, fällt uns die Decke auf den Kopf. Wir müssen da unbedingt etwas machen. Die Stadt muss als gutes Vorbild vorangehen.

Das tut sie doch bereits: Romanshorn ist seit vielen Jahren Energiestadt.

Das ist super und ein Schritt in die richtige Richtung.

Ihr Wahlkampfleiter ist SVP-Vorstandsmitglied Urs Köppel. Ist Ihre Parteilosigkeit nur ein Deckmäntelchen?

Überhaupt nicht. Es gibt bei jeder Partei Sachen, die ich gut finde. Es gibt aber keine, mit der ich völlig deckungsgleich bin. Dass ich später einmal einer Partei beitrete, will ich nicht ausschliessen. Aber im Moment bin ich mit ein paar wenigen Ausnahmen froh, parteilos zu sein. So bin ich völlig frei und kann authentisch sein.

Zumindest die FDP dürfte keine Option sein, falls sie David H. Bon aus dem Amt drängen sollten. Es ist seine Partei.

Kann sein, aber auch nicht. Die meisten meiner Bekannten sind in der FDP. Es gibt sehr vieles, das ich mit ihnen teile. Ich habe keine Probleme.

Aber umgekehrt vielleicht schon. Die CVP machte David H. Bon lange das Leben schwer, weil er Norbert Senn aus dem Amt gedrängt hatte. Haben Sie keine Angst, Ihnen könnte das Gleiche passieren?

Nein.

Sie verfügen über wenig politische Erfahrung. Mit dem Wechsel würde Zeit verloren gehen, die Sie brauchen, um sich einzuarbeiten. Hat Romanshorn diese Zeit?

Bei einem Wechsel trifft das auf jeden Kandidaten zu. Ich kann von mir sagen, dass ich aus der Region komme und weiss, wie Romanshorn tickt. Zudem habe ich auf der Gemeindeverwaltung gearbeitet und verfüge ich über die höchste Verwaltungsausbildung, die man im Thurgau haben kann. Ich würde darum der Schnellste sein, der im Saft ist und die Dossiers kennt.

Was sagt Roger Martin zu...

  • Stadtplatz: «Ort der Begegnung und des Miteinanders.»
  • Passerelle: «Darüber wurde schon so viel geschrieben, zu teuer für den Nutzen, sodass sich das Thema aus meiner Sicht zwangsläufig erübrigt hat.»
  • David H. Bon: «Mit viel Herzblut viel angerissen, aber den vertrauensvollen Kontakt zu den Bürgern und Mitarbeitenden verloren.»
  • Campus: «Grosse Chance, wenn wir finanziell realistisch bleiben.»
  • Badestrand für Hunde: «Ich selber als Hundebesitzer sehe dies als absolutes Muss an.»

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