Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Ich muss Schweizer bleiben»: Rudolf Wyss aus Friltschen erzählt von seiner Arbeit als Generalkonsul in Brasilien

Rudolf Wyss ist Schweizer Generalkonsul in Brasilien. Der Weg dorthin war lang und geprägt vom Verzicht. Doch der Junge vom Land wollte andere Kontinente und Kulturen entdecken.
Janine Bollhalder
Rudolf Wyss erzählt von seinem Beruf. (Bilder: Andrea Stalder)

Rudolf Wyss erzählt von seinem Beruf. (Bilder: Andrea Stalder)

Rudolf Wyss ist keine Eiche. Er hat keine tiefen Wurzeln an nur einem Ort. Vielmehr ist er eine Thurgauer Erdbeere. Seine Wurzeln wachsen mit ihm. Immer wieder streckt sich ein neuer Arm aus und setzt an einem anderen Ort seine Wurzeln in die Erde. Den Geschmack der Heimat tragen die Früchte jedoch jederzeit mit sich. Das ist wichtig. Für ihn und seinen Beruf.

«Ich habe in vielen Städten gelebt.
Friltschen wäre mir nun zu klein.»

Rudolf Wyss ist Generalkonsul von Rio de Janeiro. Dort, wo andere Ferien machen, arbeitet er. Am Donnerstag war er für 48 Stunden in der Schweiz. Ein Zwischenstopp auf dem Weg von China nach Rio de Janeiro. Es ist ein glücklicher Zufall, dass er hier sitzt und erzählt.

Eigentlich ist er aber ein Junge vom Land. Aufgewachsen ist er in Istighofen und Friltschen. «Durch den Umzug fühle ich mich eigentlich an keinem Ort meiner Kindheit stark verwurzelt», erzählt er. Nach der Lehre auf dem kantonalen Finanzdepartement in Frauenfeld zog es ihn nach Zürich, wo er für die UBS arbeitete.

Bald war klar: Rudolf Wyss will weiter weg. Ins Ausland. Die Welt sehen, andere Kulturen erleben. «Die konsularische Laufbahn war der schnellste Weg ins Ausland», sagt er.

Erster Einsatz in Kamerun

Rudolf Wyss, Schweizer Generalkonsul von Rio de Janeiro

Rudolf Wyss, Schweizer Generalkonsul von Rio de Janeiro

Bereits nach drei Monaten theoretischer Ausbildung beim Eidgenössischen Departement des Äussern wurde er nach Yaoundé in Kamerun versetzt. «In diesem Beruf kann man sich nicht aussuchen, wohin man versetzt wird», sagt Wyss.

In Kamerun hatte er keine Freunde, kannte sich nicht aus, beherrschte die Sprache kaum. Die Entdeckung der Welt fand erst mal nur vom sicheren Balkon aus statt. Erst nach mehreren Wochen getraute er sich auf die Strasse, erzählt Wyss. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Denn mittlerweile fühlt er sich auf der ganzen Welt zu Hause.

Was bleibt, ist der Verzicht. Keine politische Meinung äussern, keine freie Wohnortswahl. Es ist auch mit dem Verzicht auf Familie verbunden, die Zuhause in der Schweiz lebt. Es ist der Verzicht auf tiefe Wurzeln. «Wichtig ist, dass man loslassen kann und lose Wurzeln hat.»

Eine Familie zu haben sei komplex. Vom Partner wird viel Verständnis abverlangt. Die ständigen Wohnortswechsel in allen Teilen der Welt bedürfen jedes Mal einer Neuorientierung – nicht nur beruflich. «Mich erwarten jeweils die Arbeit und die Mitarbeiter. Meine Partnerin muss sich jedes Mal mit der Situation neu arrangieren.»

«Es ging um Menschenleben»

Kamerun, Nizza, Bagdad, Belgrad, Jamaica, Thailand, Kairo, Toronto, Sao Paulo, Kuwait, Peking und nun Rio de Janeiro. Zehn Länder, elf Einsätze. Das ist die Bilanz des 56-Jährigen. Besonders geprägt hat ihn sein Einsatz in Bagdad, als er noch am Anfang seiner Karriere stand.

Es war die Zeit der Invasion Kuwaits durch das Regime von Saddam Hussein. «Man will eigentlich weg, aber man muss bleiben – denn es ging um Menschenleben», sagt er über diese Zeit. Die Ungewissheit war sein Begleiter. Das ist sie noch heute. Bedingt etwa durch die seit langem anhaltende schwierige Sicherheitslage in Brasilien.

Rudolf Wyss ist nur für 48 Stunden im Thurgau - dann geht es schon wieder weiter.

Rudolf Wyss ist nur für 48 Stunden im Thurgau - dann geht es schon wieder weiter.

Doch eine Erkenntnis nimmt er aus all seinen Erlebnissen mit: «Auch schwierige Länder geben einem Positives mit auf den Weg.» Derzeit ist er als Generalkonsul von Rio de Janeiro für 21 Provinzen zuständig. In diesen leben etwa 5200 Schweizer. Für sie und die Schweizer Touristen ist das Konsulat Notfallanlaufstelle. Die 15 Mitarbeiter von Rudolf Wyss kümmern sich um Todesfälle, Haftfälle oder um verloren gegangene Pässe.

Sein grösster Auftrag ist jedoch, die Schweiz und ihre Interessen im Gastland zu repräsentieren. Es sei ein bisschen vergleichbar mit der Arbeit eines Gemeindepräsidenten, meint Wyss schmunzelnd. Mit der Ausnahme, dass er die meiste Zeit im Ausland verbringt. «Es ist wichtig, dass ich Schweizer bleibe und das auch so gegen aussen zeige.»

Arbeit wird glamouröser dargestellt

Viele hätten jedoch eine falsche Vorstellung seiner Arbeit. Zu verschulden hätten dies auch die Medien, welche die Arbeit glamouröser darstellen, als sie sei. «Wir sind nicht immer an schicken Cocktailpartys mit reichen und wichtigen Leuten», sagt er.

Der Beruf verlangt viel Engagement, sagt Wyss. Dennoch sei er sehr spannend. «Ich fände es toll, wenn vermehrt junge Leute ein Praktikum machen würden. So erhalten sie einen Einblick in unsere vielfältige Tätigkeit.»

Von Friltschen in die Welt. Rudolf Wyss ist der Thurgau zu klein geworden. Nur hier zu wohnen, das könnte er sich nicht mehr vorstellen. «Ich denke, dass ich auch nach der Pensionierung weiterreise und meine Wurzeln nicht nur an einem Ort haben werde», sagt Rudolf Wyss.

Eben wie eine Thurgauer Erdbeere. Schliesslich hat ihm der Verzicht die Chance gebracht, in der Welt zu Hause zu sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.