Interview

Rindstatar zum Mitnehmen, Wäsche- und Einkaufsservice: Wie der Landgasthof Wartegg versucht, die Corona-Krise zu überstehen

Die Gastronomie leidet angesichts der Corona-Pandemie unter Umsatzeinbussen. Der Landgasthof Wartegg in Wigoltingen hat nun einen Abhol- und Lieferservice lanciert. So erhofft sich Geschäftsführer Christoph Frei, Entlassungen abwenden zu können.

Marco Cappellari
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Der Landgasthof Wartegg in Wigoltingen.

Der Landgasthof Wartegg in Wigoltingen.

Bild: PD

Seit Dienstag vor einer Woche dürfen Restaurants in der Schweiz keine Gäste mehr empfangen, hat der Bund entschieden. Gastronomen müssen deshalb nun kreativ werden, wenn sie den Betrieb nicht komplett einstellen wollen. Der Landgasthof Wartegg in Wigoltingen bietet nebst dem neuen Abhol- und Lieferservice auch einen Wäsche- und Einkaufsdienst an.

Christoph Frei, wie sehr belastet die Corona-Krise den Landgasthof Wartegg?

Christoph Frei, Geschäftsführer und Inhaber des Landgasthofs Wartegg

Christoph Frei, Geschäftsführer und Inhaber des Landgasthofs Wartegg

Bild: PD

Wir beschäftigen zehn Festangestellte sowie 15 bis 20 Personen im Stundenlohn. Letztere kommen momentan natürlich gar nicht mehr zum Einsatz. Eine vor zwei Wochen geplante Einstellung eines neuen Mitarbeiters musste ich leider absagen. Nun geht es darum, zu verhindern, dass ich feste Mitarbeiter entlassen muss. Wir haben die neuen Angebote deshalb bereits am Dienstag lanciert, als die Einschränkungen des Bundes in Kraft getreten sind.

Wie sehr kann der Abhol- und Lieferservice den Umsatzrückgang auffangen?

Ich bin positiv überrascht, wie gut das Angebot in der ersten Woche bereits genutzt wird. Trotzdem entspricht das nur einem Bruchteil des üblichen Umsatzes. Damit ich alle zehn Mitarbeiter weiterbeschäftigen kann, müssten wir noch ein gutes Stück mehr einnehmen. Der Wäsche- und Einkaufservice wurde dagegen noch kaum genutzt.

Wer bestellt sein Essen im Landgasthof?

Das ist ziemlich durchmischt: Darunter sind viele Kunden die normalerweise regelmässig vorbeikommen, Berufstätige, Geschäftsleute, aber auch einige Neukunden. Dazu gehören auch Betagte, die nun zuhause sitzen. Wir hatten aber auch bereits Bestellungen für Leute, die einen Jahrestag oder Geburtstag feiern und nicht auf ein gutes Essen verzichten wollen. Ein Gast hat zum Beispiel ein Menü und eine Flasche Wein für den Geburtstag seiner Frau bestellt, den sie zuhause mit ihren Kindern feiern.

Können Sie sich vorstellen, den Service nach der Corona-Pandemie weiterzuführen?

Das ist momentan noch Kaffeesatzlesen. Die Situation kann sich täglich ändern. Ich gehe davon aus, dass die Einschränkungen für Gastronomie-Betriebe noch mindestens bis Mai gelten. Eine erste Evaluation des neuen Angebots werden wir erst in drei, vier Wochen vornehmen. Wie es nach der Pandemie weitergeht, steht sowieso in den Sternen. Vielleicht läuft der Lieferservice so gut, dass wir uns dereinst darauf fokussieren.

Das klingt optimistisch.

Angesichts der Pandemie in Panik zu verfallen, liegt mir fern. Mir gefällt auch das Wort «Krise» nicht. Klar, es sind schwierige Zeiten. Aber so eine Situation kann immer auch eine Chance für etwas Neues sein. Und am Sonntagabend habe ich zu meiner Freundin gesagt, dass es schon lange nicht mehr vorgekommen ist, dass wir in einer Woche jeden Abend Zeit haben, zusammen zu essen. Jede Situation hat also auch ihre schöne Seiten.

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