Rheintal
Jugendliche stecken sich absichtlich mit Corona an – weil sie nicht impfen wollen

Jugendliche stecken sich gegenseitig absichtlich mit Corona an, um das Zertifikat ohne Impfung zu erhalten. Dies beobachtet ein Rheintaler Gastrounternehmer. Das Kantonsspital St.Gallen rät von diesem Vorgehen ab: «Die Impfung ist sicherer als die Infektion.»

FM1Today
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Das Misstrauen gegenüber der Corona-Impfung ist in Teilen der Bevölkerung gross – so gross, dass einige sich lieber mit dem Virus infizieren, anstatt sich impfen zu lassen.

Das Misstrauen gegenüber der Corona-Impfung ist in Teilen der Bevölkerung gross – so gross, dass einige sich lieber mit dem Virus infizieren, anstatt sich impfen zu lassen.

Bild: Michael Buholzer / KEYSTONE

Sich lieber mit dem Coronavirus anstecken, als sich impfen zu lassen? Klingt absurd, aber scheint tatsächlich Realität zu sein. So erzählte der Rheintaler Gastrounternehmer Silvio Baumgartner gegenüber FM1Today er habe schon öfter mitangehört, wie einige seiner jugendlichen Gäste darüber sprachen.

Mittlerweile jedes Wochenende ein Thema

«Besonders seit das Zertifikat für Genesene gleich lang gilt wie das für Geimpfte, ist es ein Thema, das unter jugendlichen Gästen immer wieder diskutiert wird», sagt Baumgartner. Die Ansicht sei, dass man sich nun erst recht nicht mehr impfen lassen müsse, wenn man das gleichwertige Zertifikat auch durch eine normale Infektion erhalten könne. Der Bundesrat hat in der Sitzung vom 3. November entschieden, dass das Genesenen-Zertifikat gleich lang gilt wie jenes ungeimpfter Personen.

Baumgartner sagt, er tausche sich häufig mit seinen Gästen aus, beispielsweise, wenn diese vor dem Lokal auf den Einlass warten und höre dann in Gesprächen eben solche Aussagen. Mittlerweile sei das jedes Wochenende ein Thema.

Misstrauen gegenüber der Impfung bei einigen gross

Er selbst kann das Vorgehen nicht nachvollziehen. «Es ist erschreckend und sollte nicht sein.» Er weise die Jugendlichen jeweils darauf hin, dass sie ein grosses Risiko eingehen würden. Dann würde häufig auf Kollegen verwiesen, die sich infiziert hätten, aber mit verhältnismässig leichten Symptomen durch die Erkrankung gekommen seien.

Das Misstrauen gegenüber der Impfung scheint bei einigen tatsächlich so gross zu sein, dass sie sich lieber das Virus holen, als sich den Piks in den Oberarm verpassen zu lassen.

Kein unbekanntes Phänomen

«Dass einige Menschen sich lieber bewusst anstecken, als sich impfen zu lassen, ist kein unbekanntes Phänomen», sagt Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspitals St.Gallen, gegenüber FM1Today.

Eine gute Idee ist es aber keinesfalls. Zwar mag es, gerade für junge Menschen, die nur in wenigen Fällen eine schlimme Corona-Erkrankung durchmachen, auf den ersten Blick verlockend sein, ohne Impfung an das Genesenen-Zertifikat zu kommen. Allerdings handelt es sich um eine unverantwortliche Vorgehensweise, Lutz erklärt:

«Wer sich vorsätzlich mit Corona ansteckt, nimmt in Kauf, das Virus leicht auf andere Menschen zu übertragen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben»

Natürlich kann es sein, dass gerade bei jungen Menschen eine gehörige Prise Naivität mitspielt und sie sich den Konsequenzen, die ihr Handeln verursachen kann, gar nicht bewusst sind.

Impfung ist sicherer als Infektion

Darum umso wichtiger: «Die Impfung ist sicherer als die Infektion, sowohl für das Individuum, als auch für die Gesellschaft», erklärt Lutz. Und weiter: «Von solchen Covid-Partys ist in der aktuellen Situation abzuraten.»

Für Gastrounternehmer Baumgartner ist indes klar, wie man solche Ideen hätte verhindern können: «Ich denke, es war ein Fehler des Bundesrats, das Genesenen-Zertifikat zu verlängern.» Für ihn ist das unverständlich, denn: «Mit dem Virus ist nicht zu spassen – ich finde es Wahnsinn, sich freiwillig damit anzustecken.»

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