Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Revolution: Fabian Bächi macht Instrumente in 3D

Blech ist seine Leidenschaft. Fabian Bächi baut Posaunen, Trompeten und Hörner. Jetzt experimentiert er mit einem 3D-Drucker. Und revolutioniert damit als einziger Instrumentenbauer in der Schweiz seine Arbeit.
Maria Keller
Fabian Bächi experimentiert mit einem 3D-Drucker, um Schablonen für den Instrumentenbau herzustellen. (Bild: Reto Martin)

Fabian Bächi experimentiert mit einem 3D-Drucker, um Schablonen für den Instrumentenbau herzustellen. (Bild: Reto Martin)

Begonnen hat eigentlich alles mit einem Jux. Als Fabian Bächi 16 Jahre alt war, war es an der Zeit, sich für eine Lehre zu entscheiden. «Ich ging bei der Firma Stadler schnuppern, habe mich aber so blöd angestellt, dass daraus nichts geworden ist. Meine Mutter sagte damals aus Spass, ich solle doch Musikinstrumentenbauer werden.» Ohne es ihr zu sagen, ging Bächi bei Musik Haag – damals noch in Kreuzlingen – schnuppern und entschied sich auf gut Glück für die Lehre als Instrumentenbauer. «Meine Mutter hatte erst einmal überhaupt keine Freude», sagt Bächi und lacht.

Eine gläserne Werkstatt

Aus dem Spass wurden Ernst und grosse Leidenschaft. Heute sitzt Bächi in der gläsernen Werkstatt «Blaswerk Haag» und baut Blechblasinstrumente, hauptsächlich Posaunen, Trompeten und Hörner. Die Werkstatt, die seit fünf Jahren an der Gaswerkstrasse in Weinfelden stationiert ist, wurde absichtlich mit einer Fensterfront ausgestattet. «Meist wird aus diesem Beruf ein Geheimnis gemacht, der Grund dazu ist mir fremd. Wir wollen bewusst zeigen, welch enorme Arbeit hinter einem fertigen Instrument im Musikgeschäft steckt.»

Zu diesem Zweck bietet «Blaswerk Haag» auch regelmässig Betriebsführungen an. Elf Personen arbeiten gesamt in der Werkstatt, bauen oder reparieren, verkaufen und organisieren. Bekannte Musiker aus aller Welt sind im Besitz der Instrumente aus Weinfelden, hauptsächlich die Haag-Posaunen weisen weltweit einen hohen Bekanntheitsgrad auf.

Fokus auf Meisterprüfung unberechtigt

Vor zwei Jahren hat Bächi seine Ausbildung zum Blechblasinstrumentenbauer abgeschlossen. Das Aussergewöhnliche an seiner bisherigen Laufbahn: Als einziger Schweizer absolvierte er die Meisterprüfung in Deutschland. Die höchste Auszeichnung, die ein Instrumentenbauer erlangen kann. Er wolle aber kein Tamtam daraus machen, sagt Bächi. Diese Meisterprüfung sei keine Hexerei und der Fokus darauf seiner Meinung nach unberechtigt. Bächi scheint das Gespräch weg von sich selbst und auf die Instrumente lenken zu wollen. Sehr nüchtern und unaufgeregt, aber mit einer spürbaren Begeisterung spricht er von seiner jetzigen Leidenschaft für die Arbeit mit Blechmaterialien. Blech deshalb, weil er mit Holz habe nie umgehen können. «Im Werkunterricht früher habe ich immer alles kaputt gemacht.»

Das schwarze Rohr kommt aus dem 3D-Drucker. Es ist Vorlage für das entsprechende Rohr an der Posaune. (Bild: Reto Martin)

Das schwarze Rohr kommt aus dem 3D-Drucker. Es ist Vorlage für das entsprechende Rohr an der Posaune. (Bild: Reto Martin)

Auch wenn er selbst kein Blechblasinstrument spiele, sei das Verständnis für dieses Material da. «Ich musste mich zwar richtig reinknien, aber es hat sich gelohnt.» Ein weiteres Debüt in der Schweiz gibt Bächi mit einer Idee, die ihm vor eineinhalb Jahren gekommen ist. Damals kaufte er sich privat einen günstigen 3D-Drucker und begann, damit zu experimentieren. Ursprünglich plante er, sein Meisterstück – eine selbst gebaute Helikon – vollständig damit zu drucken.

Experimente mit dem 3D-Drucker

«Von Kollegen erntete ich blöde Sprüche. Mein innerer Ehrgeiz war übermütig und ich versicherte ihnen, dass ich meine Arbeit noch drucken würde.» Das Instrument hat Bächi bis heute nicht gedruckt, der 3D-Drucker ist aber ein wichtiger Bestandteil der Werkstatt geworden. «Wenn ich etwas will, dann mache ich es auch.» Ganze Instrumente könne man nicht aus dem Drucker lassen.

«Das würde meinem Instrumentenbauerherz auch wehtun. Qualitativ wäre das nicht vergleichbar mit einem handgefertigten Instrument.»

Besonders hilfreich sei der Drucker aber für die Anfertigung von Schablonen, mit denen sich die Blechrohre exakter biegen liessen. «Somit sparen wir eine Menge Geld und Zeit.» Mittlerweile werde der Drucker für etliche Formen verwendet, auch für den privaten Gebrauch in der Werkstatt. «Etwas vom ersten was ich gedruckt habe, waren kleine Tubenpressen, um Senftuben besser ausdrücken zu können», sagt Bächi.

Eine fertig gedruckte Schablone. Hier kommt das Rohr rein und erhält so die passende Form. (Bild: Reto Martin)

Eine fertig gedruckte Schablone. Hier kommt das Rohr rein und erhält so die passende Form. (Bild: Reto Martin)

«Ich bin ein Küchengeräte-Fanatiker»

Bächis Beruf begleitet ihn auch in seiner Freizeit. Hobby vermische sich mit Beruf. Privat baut er etwa Skulpturen, Esstischlampen oder Küchengeräte. Aus einem Horn und einer Trompete wurde ein kleiner Springbrunnen zu einem Geschenk. Ausserdem sei er ein Küchengeräte-Fanatiker. «Meine Freundin und ich haben unzählige Pfannen. Ich habe Haken geschmiedet und jetzt hängen bei uns Zuhause überall Pfannen an der Wand.» Man spürt es schon und Bächi bestätigt es. «Ich habe meinen Beruf gefunden und hier bleibe ich vorerst auch einmal.»

Reisefüdli und Fussballfan

Fabian Bächi ist am 27. Juli 1990 geboren und in Bussnang aufgewachsen. Nach der Primarschule in Bussnang und der Sekundarschule in Weinfelden machte er eine vierjährige Lehre als Blechblasinstrumentenbauer bei Musik Haag in Kreuzlingen. Da diese Ausbildung damals in der Schweiz nicht angeboten wurde, ging er im deutschen Ludwigsburg in die Berufsschule. Dort schloss er 2016 auch seine Meister-Ausbildung ab. Bächi spielt Bassklarinette und ist Mitglied des Symphonischen Blasorchester des Schweizer Armeespiels. Nach der RS zog es ihn zum Arbeiten nach Ostdeutschland und Paris. Für das Projekt «Musik übers Meer» zeigte er Strassenkindern in der Dominikanischen Republik, wie man Instrumente repariert. Nebst seinem Beruf reist er leidenschaftlich gerne. Am liebsten ohne grosse Vorbereitungen, damit er sieht, was das Leben ihm bringt. Seit seiner Kindheit ist er Fan von Zinedine Zidane und Real Madrid. Heute wohnt er in Weinfelden. (red)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.