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Renitenter Stalker soll in Haft

Das Bezirksgericht Weinfelden hat einen kurdischen Flüchtling zu einer Freiheitsstrafe von 60 Tagen verurteilt. Er drohte damit. seine grosse Liebe, ihren Mann und einen Begleiter zu töten.
Ida Sandl

Er hört nicht auf: Immer wieder ruft der Kurde aus der Türkei, die Frau an, die er zu lieben glaubt. Auf dem Handy und auf dem Festnetz. Zwischen März 2016 und März 2018 insgesamt 478mal. Dabei hat sie längst den Schlussstrich gezogen, unter eine Beziehung, die von Anfang an ein Missverständnis war. Sie, die Schweizerin, die helfen wollte, ein wenig zu idealistisch. Er, der traumatisierte Flüchtling, der nicht begreift, welche Freiheiten Frauen in diesem Land haben.

Mal Kusshände, mal Schläge

Das Ende will er nicht wahrhaben. Nachts randaliert er vor ihrem Haus. Er passt sie am Bahnhof ab, mal gibt es Kusshände, mal Schläge. Alles, trotz eines richterlichen Kontakt- und Rayonverbots. Jetzt stand der 47-Jährige zum zweiten Mal in Weinfelden vor Gericht. Er hat den Ehemann der Frau gedroht, er werde ihn umbringen, dann sie und schliesslich einen Mann, den er mit ihr am Bahnhof gesehen hat.

Das habe der Beschuldigte ganz ruhig gesagt, schildert der Ehemann: «In dem Moment habe ich begriffen, dass es ernst gemeint ist.» Ein solcher Satz von jemandem, der aus einem Bürgerkriegsgebiet kommt, habe eine andere Bedeutung als von einem Schweizer Buchhalter, doppelt der Anwalt des Ehepaares nach.

In ständiger Alarmstimmung

Der Ehemann ist ohne seine Frau zur Verhandlung erschienen. Er berichtet, wie sich das Leben verändert habe, seit seine Frau gestalkt werde. «Es herrscht permanente Alarmstimmung». Seine Frau verkleide sich aus Angst vor dem Beschuldigten, wenn sie das Haus verlasse. Öfter hätten sie die Polizei gerufen, wenn er vor dem Haus aufgetaucht sei. Es könne aber lange dauern, bis die Polizisten da seien. «Ich habe erkannt, wie schlecht wir geschützt sind», sagt der Ehemann.

Der Beschuldigte streitet alles ab. Er habe weder telefoniert, noch jemanden bedroht. Er ist ohne Anwalt da, ein hagerer Mann mit schwarzem Bart, durchmischt mit grauen Fäden. Seine Hände zittern, ihm haftet etwas Getriebenes an. Aus einem grossen Rollkoffer zieht er Plastiktüten voll mit Papieren, Fotos und durchsichtigen Mäppli. Ständig fällt er dem Dolmetscher ins Wort. Claudia Spring, die Vorsitzende Richterin, muss immer wieder mahnen: «Stopp, nur zuhören.»

Nicht auf dem selben Stuhl sitzen

Während der Befragung bleibt er stehen. Er will nicht auf dem Stuhl Platz nehmen, auf dem zuvor der Ehemann seines Opfer sass. Zwei Polizisten begleiten ihn, sie sollen verhindern, dass die Situation eskaliert. Ob er aggressiv werde, wenn er Alkohol getrunken habe, fragt die Richterin. Nein, sagt er. Bier mache ihn ruhig, er könne dann klar denken.

Der Strafbefehl spricht eine andere Sprache. Einmal soll er angetrunken einen Mann geschlagen und seine Brille zertreten haben. Ein anderes Mal habe er eine Frau auf einer Restaurant-Toilette an die Brust und zwischen die Beine gegriffen. Seine DNA wurde an ihren Kleidern gefunden. Doch er beteuert: «Ich bin unschuldig.»

Beim besten Willen keine günstige Prognose

Eine «unbedingte und ernstzunehmende Strafe», wünscht sich der Anwalt der gestalkten Frau und ihres Ehemannes. Dazu eine Genugtuung von 10000 Franken für die Frau und 5000 Franken für den Ehemann. Ausserdem soll der Beschuldigte die Aufwendungen des Paares für das Strafverfahren bezahlen.

Das Gericht verurteilte den Stalker schliesslich zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 60 Tagen. «Wir können ihnen beim besten Willen keine günstige Prognose ausstellen», begründet Richterin Spring das Urteil. Von allen Anklagepunkten lasse aber nur die mehrfache Drohung eine Freiheitsstrafe zu.

Eine Geldstrafe nützt nichts

Die Staatsanwältin hatte eine teilbedingte Geldstrafe beantragt. Doch eine Geldstrafe nütze nichts. Der Beschuldigte lebt von Sozialhilfe und wird sie nicht bezahlen können. Das gilt wohl auch für die Busse von 3500 Franken. Wenn er sie nicht zahlen kann, muss er für 117 Tage ins Gefängnis.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Beschuldigte kündigte bereits im Gerichtssaal an, er werde das Verdikt weiter ziehen: «Solange ich noch Energie habe.»

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