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«Wir müssen uns noch beweisen»: Trainer Kürsat Ortancioglu reitet mit dem FC Kreuzlingen auf der Erfolgswelle

7 Spiele, 19 Punkte und ein Torverhältnis von 27:6. Selten ist eine Mannschaft der 2. Liga interregional so erfolgreich in die Saison gestartet wie der FC Kreuzlingen in diesem Jahr. Die Thurgauer gewinnen nicht nur, sie böllern ihre Gegner geradezu vom Feld. Das freut den Trainer und Sportchef Kürsat Ortancioglu. Allerdings bringt das auch neue Herausforderungen für den 38-jährigen Deutsch-Türken.

Matthias Hafen
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Stojan Miljic ist mit bislang neun Treffern nicht nur bester Torschütze des FC Kreuzlingen sondern der gesamten Gruppe 6.

Stojan Miljic ist mit bislang neun Treffern nicht nur bester Torschütze des FC Kreuzlingen sondern der gesamten Gruppe 6.

Mario Gaccioli

Kürsat Ortancioglu, spielt der FC Kreuzlingen schon wie ein Aufsteiger?

Kürsat Ortancioglu: Ja, sonst würden wir unsere Spiele nicht so souverän gewinnen, wie wir das momentan tun. Daraus nun aber abzuleiten, dass wir in dieser Saison bestimmt aufsteigen werden, wäre vermessen.

Kreuzlingens Trainer Kürsat Ortancioglu lässt sich vom momentanen Erfolg seiner Mannschaft nicht blenden.

Kreuzlingens Trainer Kürsat Ortancioglu lässt sich vom momentanen Erfolg seiner Mannschaft nicht blenden.

Mario Gaccioli

Weshalb?

Weil man in dieser Liga praktisch jedes Spiel gewinnen muss, um aufzusteigen. Schauen Sie, wir haben zu Hause nie weniger als vier Tore erzielt, dominierten unsere Gegner phasenweise, und dennoch haben wir nur zwei respektive drei Punkte Vorsprung auf unsere Verfolger Widnau und SV Schaffhausen.

Und der FC Kreuzlingen hat bislang primär gegen Kontrahenten aus der unteren Tabellenhälfte gespielt.

Das ist uns durchaus bewusst. Wir werden uns in den Spitzenspielen noch beweisen müssen. Gerade Ende Monat, wenn wir hintereinander gegen den aktuell Dritten (SV Schaffhausen, Red.), Fünften (Weesen, Red.) und Zweiten der Tabelle (Widnau, Red.) spielen. Das 1:1 gegen das viertplatzierte Amriswil war ein Vorgeschmack darauf. Andererseits waren für uns auch die Derbys gegen Frauenfeld und Calcio wegen der besonderen Motivation der Gegner eine grössere Herausforderung, als man aufgrund der Tabellensituation annehmen könnte.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Mannschaft?

Dass wir nach vorne sehr hungrig sind. Wir haben auch nach einer 2:0-Führung nie aufgehört zu spielen, uns damit nicht zufriedengegeben. Das ist eine gute Einstellung. Auch, dass wir am wenigsten Strafpunkte der gesamten Gruppe haben und vor allem viel weniger als unsere ersten Verfolger. Das spricht für den Charakter unseres Teams.

Was könnte noch besser laufen?

Auch wenn ich mit der Defensivleistung abgesehen vom Frauenfeld-Spiel (6:2-Sieg, Red.) mehrheitlich zufrieden bin, so müssen wir hinten mehr Konstanz und Konzentration reinbringen. Wir dürfen Tore nicht auf diese Art kassieren, wie wir das momentan tun.

Trotzdem hat kein Team weniger Tore erhalten als der FC Kreuzlingen, keines hat mehr erzielt. Die Stimmung in der Kabine muss euphorisch sein.

Nein, da kann ich gut auf die Bremse drücken. Die Spieler sollen Spass haben, sich nach jeder Partie über das Erreichte freuen, Siege auch feiern dürfen. Aber tags darauf geht es weiter. Es sieht so aus, als würden wir in unserer Gruppe locker durchmarschieren. Aber das ist das Resultat harter Teamarbeit.

Sie erspielen sich die Erfolge als Team, mit seinen neun Treffern ist Stojan Miljic aber der Torschützenkönig der Gruppe. Ist das 27-jährige Eigengewächs Ihre neue Wunderwaffe?

Man könnte meinen, wir hätten ihn aus Brasilien verpflichtet (lacht). Es freut mich natürlich sehr für ihn. Und ich hoffe, es geht so weiter. Es zahlt sich jetzt aus, dass wir ihn im September 2019 vom FC Amriswil zurückgeholt haben. Seither hat er sich bestens in die Mannschaft integriert. Seine zahlreichen Tore, wie auch jene von Darko Anic und Midhad Arifagic (je fünf, Red.) sind aber auch das Resultat unserer offensiven, attraktiven Spielweise.

Wie verhindern Sie, dass Miljic und Ihre anderen Spieler nicht plötzlich überheblich werden?

Meine grosse Herausforderung liegt jetzt darin, die richtigen Worte zu finden. Ihre Leistung hat Lob verdient. Und die Stimmung ist nach diesem Saisonstart natürlich gut. Andererseits darf jetzt keine Wohlfühloase entstehen beim FC Kreuzlingen. Es darf nicht sein, dass jetzt alles einschläft. Denn bis du wieder aufgewacht bist, ist der Zug in dieser Liga schon abgefahren. Deshalb liegt es nun an mir und meinem Trainerstab, die Spannung hochzuhalten.

Der FC Kreuzlingen versucht schon länger, in die 1. Liga aufzusteigen. Was spricht dagegen, dass es in diesem Jahr klappt?

Wir wissen, dass unsere Mannschaft gut genug ist, um viele Spiele in dieser Liga zu gewinnen. Aber ein Aufstieg ist im Fussball nicht planbar. Für so etwas muss am Ende alles zusammenpassen. Und wir haben erst sieben Spiele absolviert. Die harten Brocken liegen noch vor uns. Dabei denke ich noch gar nicht an die Rückrunde, vor der ich grossen Respekt habe, weil man dort fast keine Zeit mehr hat, Versäumtes gutzumachen.

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