Interview

Raumfahrtexperte Men J. Schmidt: «Ich fieberte als Bub am Radio mit»

Im Bodensee Planetarium Kreuzlingen wird das 50-Jahr-Jubiläum der Mondlandung mit einem Referat gefeiert.

Martina Eggenberger Lenz
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Astronauten Edwin 'Buzz' Aldrin am 20. Juli 1969 auf dem Mond neben einem Experimentenaufbau zur Erforschung des Sonnenwinds. (Bild: Keystone/NASA)

Astronauten Edwin 'Buzz' Aldrin am 20. Juli 1969 auf dem Mond neben einem Experimentenaufbau zur Erforschung des Sonnenwinds. (Bild: Keystone/NASA)

Der ausgewiesene Raumfahrtexperte Men J. Schmidt aus Gossau ist am Donnerstag, 18. Juli, 19.30 Uhr, zu Gast im Planetarium. Er referiert zum Jubiläum der Mondlandung.

Am 21. Juli 1969 waren Sie elf Jahre alt. Erinnern Sie sich an den Tag der Mondlandung? Wie haben Sie die Meldung damals aufgenommen?

Men J. Schmidt: Ich habe die erste bemannte Mondlandung am Radio verfolgt, da wir damals keinen Fernseher hatten. Natürlich musste ich am Abend früh ins Bett, aber um drei Uhr in der Früh wurde ich geweckt und durfte am Radio mitfiebern, wie Neil Armstrong um 03.56 seinen Fuss auf die Mondoberfläche setzte. Am Nachmittag ging die Familie dann ins Restaurant, um am Fernseher die Mondlandung nochmals anzuschauen.

War die Mondlandung rückblickend ein so grosser Schritt für die Menschheit, wie es vor 50 Jahren hiess?

Men J. Schmidt. (Bild: mha)

Men J. Schmidt. (Bild: mha)

Das kommt immer darauf an, was man darunter versteht. Sicher in vieler Hinsicht schon, zum Beispiel die aus der Mondlandung hervorgegangenen Entwicklungen bei der Miniaturisierung von Geräten aller Art. Anderseits sind andere damals formulierte Ziele, wie eine bemannte Marslandung, noch in weiter Ferne. Die Erkenntnis, dass unser Planet Erde eigentlich ein riesiges Raumschiff mit fast 8 Milliarden Astronauten ist, mit beschränkten Ressourcen, ist noch nicht überall mit dem entsprechenden Nachdruck angekommen.

Welche Erkenntnisse hat man aus der Mondlandung gewonnen?

Erstens konnte man die genaue Zusammensetzung des Mondmaterials ermitteln und daraus ableiten, dass der Mond mehr ist als nur eine trockene Steinwüste. So weiss man heute, dass Sauerstoff im Mondgestein eingebunden ist. Zweitens konnten neue Erkenntnisse über die Entstehung des Mondes gewonnen werden. Die zurückgelassenen Instrumente auf dem Mond ermöglichen Distanzmessungen zwischen Erde und Mond bis im Millimeterbereich.

Nachdem es lange ruhig um ihn war, wollen plötzlich alle wieder auf den Mond. Warum eigentlich?

Wissenschaftlich wurde der Mond vor 50 Jahren praktisch nicht erforscht, es war vielmehr ein Wettrennen zwischen Ost und West. Heutzutage weiss man, dass es an den Mondpolen Wasser gibt und dass der Mond künftig auch als Rohstofflieferant genutzt werden könnte. Darum die Idee einer permanent besetzten Mondstation, wo Wissenschaft und Forschung sowie ein Aussenposten als Sprungbrett zu Flügen zu den anderen Planeten eingerichtet werden könnten.

Was wird der nächste wichtige Schritt in der Raumfahrt sein? Gibt es ein Ereignis, welches das Potenzial hat, einen ähnlichen Status wie die Mondlandung zu erreichen?

Sicher eine erneute bemannte Mission zum Mond, welche aber von privaten Raumfahrtorganisationen realisiert wird. Das wäre dann auch der erste Schritt zur Kommerzialisierung der bemannten Raumfahrt, sprich Weltraum-Tourismus.