Ralph Näf: «Wären sie nicht in Form, bekäme ich den Vorwurf»

Der Thurgauer Teamchef reiste mit seinem Mountainbike-Team für ein Trainingslager in ein als unbedenklich eingestuftes Gebiet in Italien und erntete dafür Kritik.

Urs Huwyler
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Ralph Näf sagt: «Wir halten uns an die Vorgaben des Bundes.»

Ralph Näf sagt: «Wir halten uns an die Vorgaben des Bundes.»

Bild: Donato Caspari (20. August 2018)

Home-Office heisst es auch für die Thurgauer Berufssportler. Langstreckenläufer Patrik Wägeli weiss nach dem weltweiten Sport-Stopp nicht, wie er sich für Olympia qualifizieren kann. Die OL-Brüder Daniel und Martin Hubmann rennen durch heimische Wälder. Nottwil statt Dubai heisst es für die Rollstuhl-Leichtathleten Marcel Hug und Catherine Debrunner.

Gleich und doch anders präsentiert sich die Ausgangslage für den früheren Mountainbike-Weltmeister und Olympiasechsten Ralph Näf. Als Sportlicher Leiter und Mitbesitzer des Teams Thömus RN befindet sich der Happerswiler auf einer Gratwanderung. Näf reiste mit der Mannschaft für ein Trainingslager in ein nicht betroffenes, von Fachleuten zu jenem Zeitpunkt als unbedenklich eingestuftes Gebiet in der italienischen Region Ligurien und erntete dafür Kritik. «Andere Biker waren fast keine dort. Wir lebten in unserem Haus wie in privater Quarantäne», sagt der dreifache Familienvater.

Abstecher nach Portugal erfüllte seinen Zweck

Der Ort wurde gewählt, weil rund 30 Minuten entfernt das erste internationale Rennen auf dem Terminkalender stand. Es wurde abgesagt. So flogen die Weltmeisterinnen Alessandra Keller und Kathrin Stirnemann weiter nach Portugal. «Die Grenzen waren da noch offen. Niemand hatte irgendwelche Symptome. Alessandra braucht nach der letztjährigen Verletzungsphase Punkte, damit sie weiter vorne starten kann. Wir mussten die Chance nützen», sagt Teamchef Näf. Keller rückte durch ihren Sieg im Ranking auf Position 54 vor.

«Wären sie nicht in Form, bekäme ich den Vorwurf»

Mindestens ein Diplom an den Olympischen Spielen lautet die Zielsetzung des Teams. Keller und Matthias Flückiger müssen wie alle bereit sein, um bei Wiederaufnahme der Wettkämpfe vorne dabei zu sein. «Wären sie nicht in Form, bekäme ich den Vorwurf, nicht alles für den Aufbau getan zu haben. Wir halten uns an die Vorgaben des Bundes, wollen jedoch die Auszeit nutzen.» Im Fokus stünden Abstimmungen beim Material und technische Trainings. «Es gilt auch bei Gegenwind, Ruhe zu bewahren», sagt Näf. Die Teampräsentation am Freitag in Disentis wurde abgesagt.