Glosse

Räbeblatt: Weinfelden schliesst aus

TZ-Redaktorin Sabrina Bächi blickt in ihrer Kolumne auf die kleine Ersatz-Wega und befürchtet, dass die Bewohner der Aussengemeinden nun Weinfelden den Rücken kehren.

Sabrina Bächi
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Für die ganze Schweiz und alle Weinfelder - aber nicht in diesem Jahr. Die Wega wird viel kleiner.

Für die ganze Schweiz und alle Weinfelder - aber nicht in diesem Jahr. Die Wega wird viel kleiner.

Bild: Mario Testa
(Weinfelden, 29. September 2018)

Stadt hat Land satt. Denn statt grosser Sause mit grossem Herz und grosser Party gibt’s Ende September nur ein gesittetes Kaffeekränzchen. Und selbst das nur für die Weinfelder unter sich.

Sabrina Bächi, Leiterin Redaktion Weinfelden.

Sabrina Bächi, Leiterin Redaktion Weinfelden.

Bild: Andrea Stalder

Absichtlich unattraktiv gestaltet sich das Programm: ohne Bauernhofzelt und Apfelköniginnenwahl, ohne Wega-Lauf und Marroni-Stand – damit die Niederen aus den Dörfern auch ja nicht die sonst so hochgelobten ÖV-Verbindungen nutzen, um ins Zentrum des Mittelthurgaus zu kommen. Nein, dieses Fest soll Weinfelden gehören. Basta.

Ein echter Bauernhof, statt einer im Messezelt

Im Gegenzug gibt es auf dem Land die grosse Mobilmachung. Allenthalben werden Ersatzfeten organisiert, ganz nach dem Motto: Was ihr Weinfelder könnt, das können wir Landeier schon lange, und erst noch besser. Baumschaukeln, ein echter Bauernhof statt nur eines Bauernhofzelts und Schlafen im Stroh, wenn man nach Konsum verschiedenster geistvoller Heilmittel den Heimweg nicht mehr findet, inklusive.

Und hier noch ein liebgemeinter Tipp am Rande: Obacht, liebes Weinfelden, passt auf, dass nicht plötzlich die Hauptstädter kommen und die Landeier mit Riesenrad und grossen Festhallen umgarnen. Bei so einer dreisten Verletzung des Gastrechts wäre es schon möglich, dass ein einig Volk von Wega-Sehnsüchtigen nach Frauenfeld schlendert, um die dort Ersatz-Wega zu feiern – und vielleicht nie mehr zurückkommt…