Psychiatriezentrum in Romanshorn mit neuer Tagesklinik bietet Kranken individuelle und umfassende Hilfe

Diese Woche hat das Psychiatriezentrum der Spital Thurgau im «Romishof »den Betrieb aufgenommen. Für die neue Tagesklinik liegen bereits über Erwarten viele Anmeldungen vor.

Markus Schoch
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Freuen sich auf die Zusammenarbeit im «Romishof»: Andreas Jäkel, Leiter ambulante Erwachsenenpsychiatrie, Kristjana Rustemi, Stationsleitung der Tagesklinik, und Marko Hurst, interimistischer Leiter der Tagesklinik. (Bild: Markus Schoch)

Freuen sich auf die Zusammenarbeit im «Romishof»: Andreas Jäkel, Leiter ambulante Erwachsenenpsychiatrie, Kristjana Rustemi, Stationsleitung der Tagesklinik, und Marko Hurst, interimistischer Leiter der Tagesklinik. (Bild: Markus Schoch)

Noch gibt es Türen, die klemmen. Und Rollläden, die sich nicht öffnen lassen. Trotzdem ist Ralf Gebhardt guter Dinge. Denn abgesehen von diesen kleinen baulichen Problemen stehe einem erfolgreichen Start des Psychiatriezentrums in der neuen Überbauung neben dem Einkaufszentrum Hubzelg und der evangelischen Kirche mit insgesamt 30 Angestellten nichts mehr im Weg, sagt der Leiter der ambulanten Erwachsenenpsychiatrie der Spital Thurgau.

In den letzten Tagen haben die örtlichen Mitarbeiter der ambulanten Erwachsenenpsychiatrie (EPD) sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJPD) in Romanshorn ihre Büros im Konsumhof geräumt und die Räumlichkeiten im «Romishof »bezogen. Ihr Arbeitsplatz befindet sich jetzt im ersten Obergeschoss des Gebäudes im Romishof direkt an der Bahnhofstrasse.

Es eröffnen sich neue Möglichkeiten

Das Erdgeschoss ist Teil der neuen Einrichtung. Dort eröffnet die Spital Thurgau Anfang Dezember eine psychiatrische Tagesklinik, wie es sie in allen anderen Regionen des Kantons bereits gibt. Dass die letzte Lücke geschlossen wird, freut nicht zuletzt Andreas Jäkel, den Leiter des EPD in Romanshorn mit jährlich rund 1000 Klienten.

Mit der Tagesklinik würden sich für ihn und sein Team neue Möglichkeiten in der täglichen Arbeit eröffnen. «Diese Vernetzung ist das eigentlich Tolle.» Bis jetzt mussten Jäkel und seine Mitarbeiter Patienten für eine tagesklinische Behandlung auswärts einweisen, was für einige ein grosser Schritt gewesen sei. Nun werde es einfacher, da die Wege kurz seien und die Umgebung vertraut.

Das Angebot in der Tagesklinik richtet sich an Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren mit einer Depression, Ängsten, einem Suchtproblem oder einer Persönlichkeitsstörung, um vier Beispiele zu nennen. Es sind alles Menschen, die mehr brauchen als gelegentliche Gespräche mit einem Therapeuten, aber weniger als eine Rundumbetreuung in einer psychiatrischen Klinik mit fast doppelt so hohen Kosten.

«Wir verfolgen einen interdisziplinären Ansatz»

Ralf Gebhardt, Leiter der ambulanten Erwachsenenpsychiatrie der Spital Thurgau. (Bild: PD)

Ralf Gebhardt, Leiter der ambulanten Erwachsenenpsychiatrie der Spital Thurgau. (Bild: PD)

Um diese spezielle Klientel wird sich in Romanshorn von Montag bis Freitag jeweils zwischen 8.30 und 16.30 Uhr ein zwölfköpfiges Team (800 Stellenprozente) kümmern, dem Fach- und Assistenzärzte, eine Fachpsychologin, Pflegefachpersonen, Sozialarbeiter sowie Ergo- und Sporttherapeuten angehören.

«Wir verfolgen einen interdisziplinären und umfassenden Ansatz, der das berufliche und familiäre Umfeld einbezieht», sagt Marko Hurst, der die Tagesklinik in den Anfängen leiten wird, bis Antje Kemter im Januar die Arbeit aufnimmt. Die Stationsleitung hat Kristjana Rustemi.

Bestechend am Konzept findet der leitende Arzt der ambulanten Erwachsenenpsychiatrie der Spital Thurgau die tägliche Erfolgskontrolle, da die Patienten den Abend und die Nacht bei sich zu Hause verbringen.

«Sie können so sofort überprüfen, ob ihnen hilft, was wir mit ihnen besprochen beziehungsweise als Strategien zur Bewältigung des Alltags mit auf den Weg gegeben haben.»

Fitnessraum im Keller

Das Programm ist individuell auf die speziellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten und unterschiedlich aufwendig. Es gibt aber auch Zeitfenster für gemeinsame Aktivitäten wie Backen und Kochen sowie Gruppensitzungen. «Es ist wichtig, miteinander im Gespräch zu sein, da die Patienten voneinander lernen können», sagt Hurst. Bewegung ist ebenfalls Teil der Therapie. Im Keller wird Fitnessraum für die Patienten eingerichtet.

Die Tagesklinik bietet Platz für 16 Patienten, die dort gemäss den Erfahrungen an anderen Orten durchschnittlich acht Wochen intensive Hilfe in Anspruch nehmen werden. Bereits 14 Personen haben sich für den Eintritt angemeldet. «Wir hätten nicht erwartet, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits so viele sind, und sind sehr zufrieden», sagt Gebhardt.

390 Franken pro Tag

Der Aufenthalt in der psychiatrischen Tagesklinik ist nicht ganz billig, aber mit 390 Franken pro Tag deutlich günstiger als eine stationäre Behandlung. Je zur Hälfte kommen die Krankenkassen und der Kanton dafür auf. Den Patienten werden unter anderem für die Verpflegung 10 Franken pro Tag in Rechnung gestellt. (mso)