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Pro und Contra: Ist Heiraten noch zeitgemäss?

Die Zahl der Hochzeiten hat in den vergangenen 50 Jahren abgenommen. Ist Heiraten überhaupt noch in? Weshalb sollte man heiraten? Und weshalb nicht?
Laura Manser
Für die einen ist der Tag der Hochzeit der schönste im Leben, für andere schlichtweg ein Horrorgedanke. (Bild: Getty)

Für die einen ist der Tag der Hochzeit der schönste im Leben, für andere schlichtweg ein Horrorgedanke. (Bild: Getty)

Der Hochzeitstag ist für viele Paare der schönste im Leben. Doch im Vergleich zu vor 50 Jahren hat sich die Zahl der Eheschliessungen deutlich verkleinert. Früher war es vor allem für Frauen wichtig, unter die Haube zu kommen, um überhaupt einen rechtlichen Status zu haben. Heutzutage ist das nicht mehr nötig.

Trotzdem ist eine kirchliche oder zivilrechtliche Heirat für viele immer noch ein Liebesbeweis; einmal vollkommen im Mittelpunkt stehen und der ganzen Welt zeigen, dass man mit dem Partner sein ganzes Leben verbringen will. Andere Paare wiederum sehen keine Notwendigkeit darin, eine Hochzeit zu planen und sich vor dem Pfarrer und Standesbeamten das Ja-Wort zu geben.

Liebe oder nur Druck?

Ob man heiraten soll oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Für manche ist es der Druck in der Ehe, der sie vom Heiraten abhält. Er kann im Unterbewusstsein entstehen und dafür sorgen, dass sich Ehepaare scheiden lassen. Oder es ist die bekannte Heiratsstrafe, die finanzielle Nachteile in der Ehe mit sich bringt. Befürworter der Ehe setzen auf den Wunsch nach einem ewigen Bund und auf den gemeinsamen Nachnamen, der Paare noch mehr verbindet.

Hochzeitsfotos im Trend

Früher gab es für gewöhnlich nur ein Hochzeitsfoto: vom Brautpaar, zusammen mit ihren Gästen. Heute haben die Hochzeitsfotos an Wichtigkeit gewonnen. Gerne posten frisch Vermählte ihre gemeinsamen Hochzeitsfotos auf Instagram und Facebook. Auch der Trend zur Hochzeitsvideografie ist aufgekommen: Immer mehr Brautpaare wollen ihre Zeremonie und das Hochzeitsfest als Film festhalten. Das Streben nach solchen Erinnerungen könnte ein weiterer Grund sein, wieso Paare heiraten.

Am kommenden Wochenende findet im Schloss Wartensee, Rorschacherberg, eine Hochzeitsmesse statt. Für all jene, die ihren schönsten Tag im Leben planen, bietet das Schloss das passende Ambiente. Hochzeitsmessen, und somit Eheschliessungen, scheinen für manche also noch immer aktuell zu sein. (lam)


Pro

Der Traum in Weiss – ohne schwarzzusehen

Laura Manser, Praktikantin (Bild: mre)

Laura Manser, Praktikantin (Bild: mre)

Die Hochzeit, gerne auch betitelt als der schönste Tag im Leben, ist für viele noch immer ein traditionelles Fest, ein Liebesbeweis und der Bund fürs Leben. Das Ehepaar ist abgesichert, die Verbindung der beiden stark und auch finanziell gesehen ist eine Trauung lohnenswert.

Durch die Hochzeit gewinnt die Beziehung zweier Menschen an Stabilität, Sicherheit und Kontinuität. Es entsteht eine Verbindung, aus der man nicht so einfach wieder ausbrechen kann. Dadurch fühlt sich das Ehepaar verbundener und tritt fast nur noch im Doppelpack auf. Beispielsweise geben die Eheleute eine gemeinsame Steuererklärung ab, oder sie kümmern sich zusammen um die Hausarbeiten. Ein weiterer Vorteil der Ehe ist, dass bei binationalen Paaren eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wird. Ausserdem ist der Prozess einer Adoption in der Ehe einfacher als in einer Beziehung. Gemäss Studien leben verheiratete Menschen länger und zufriedener und leiden seltener an Depressionen oder Drogensucht.

Alternativen zu Ehemann oder Ehefrau wie «Lebenspartner», oder noch schlimmer «Lebensabschnittspartner», finde ich unschön. Dass man seinen Partner nur als «Abschnitt des Lebens» bezeichnet, schmeichelt der Beziehung nicht gerade. Die Heirat ist die Möglichkeit, um diese Begriffe zu vermeiden. Im Hafen der Ehe angelangt, trägt das Brautpaar meist einen gemeinsamen Nachnamen, der es noch mehr zusammenschweisst.

Die Ehe hat übrigens auch finanzielle Vorteile. Bei einem Todesfall bekommt die oder der Witwe(r) Anspruch auf die Hinterbliebenenrente und die Erbschaft. Ausserdem ist die Schenkungs- und Erbschaftssteuer bei Ehepaaren je nach Kanton entweder massiv gesenkt oder sogar ganz gestrichen. Beim Fest nach der Trauung wird das Ehepaar mit Hochzeitsgeschenken überhäuft. Die Eheschliessung zahlt sich also wortwörtlich aus.

Die Hochzeitstorte auswählen, Einladungen verschicken, den Ring an den Finger stecken und den Brautstrauss werfen: All diese Riten erlebt nur, wer sich für den Bund der Ehe entscheidet. Und das Schönste an der Hochzeit: Eheleute versprechen sich ewige Treue und stehen einander immer bei, in guten wie in schlechten Zeiten, bei Gesundheit und Krankheit.


Contra

Kirchenpomp, Kitsch und Kosten … das muss nicht sein

Martin Rechsteiner, Redaktor(Bild: Michel Canonica)

Martin Rechsteiner, Redaktor
(Bild: Michel Canonica)

Die Ehe als gesellschaftlich einzige akzeptierte Form für zwei Menschen, gemeinsam alt zu werden, schwankt ja schon länger. Heiraten ist nicht mehr ein Muss und schon gar nicht in traditioneller Form. Zum Glück!

Da wäre einmal der ganze Stress. Eine Heirat ist ein wahrer Grossanlass, dessen Planung für die werdenden Eheleute belastend sein kann. Lohnen sich dieser riesige Aufwand, die Organisierei und all die Termine, für diesen einen Tag, den man selbst auch nur bedingt geniessen kann, weil man ständig im Mittelpunkt steht und kaum zur Ruhe kommt? Dazu gesellen sich eine Reihe mühsamer Entscheidungen, die zu Streit und Diskussionen führen können: Wer nimmt wessen Name an? Wen lädt man ein? Wer kommt nur zum Apéro? Wer zum Fest? Wer sitzt neben wem? Und als wäre das nicht genug, droht auch noch Ärger mit Verwandten und Bekannten, die alle ihre Vorstellung von einer Hochzeitszeremonie haben und ihre Meinung einbringen wollen.

In Sachen Liebe das Thema Geld anzuschneiden mag zwar verpönt sein, ist jedoch, wenn es um Heiraten geht, unumgänglich. Wer im klassischen Sinne heiratet, also sich in der Kirche das Jawort gibt und mit Pomp und Gästen feiert, greift tief ins Portemonnaie. Eine solche Feier kostet schnell einmal über zehntausend Franken. Und nach dem Hochzeitsfest geht es erst richtig los. Sie existiert schliesslich immer noch, die Heiratsstrafe. Für gewisse Eheleute besteht nach wie vor eine steuerliche Benachteiligung. Das kann jedes Jahr mehrere tausend Franken kosten.

Ganz teuer und furchtbar kompliziert wird es, falls die Ehe, aus welchem Grund auch immer, einmal in die Brüche gehen sollte. In der Schweiz passiert das laut Statistik immerhin in jedem zweiten Fall (2010). Scheidungen sind nicht nur mühsam, sondern sie kosten auch, mindestens einen der Ehepartner, eine schöne Stange Geld. Kräftezehrender und noch viel teurer wird es, wenn das Ganze in einem Rechtsstreit endet.

Sind das ganze Geld und die viele Zeit nicht anderswo besser investiert, zum Beispiel in ein gemeinsames Hobby? Wer sich liebt, kann anstatt vor dem Standesbeamten, dem Pfarrer und dutzenden Zuschauern, auch ganz privat und ohne Formalitäten «Ja» zueinander sagen. Und zwar jeden Tag. Ein ganzes Leben lang. Ohne Ehe.

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