Pro-Humanis-Förderpreis 2018 geht nach Weinfelden

Pro Humanis verleiht den Förderpreis 2018 der Weinfelder Selbsthilfegruppe für Hirnverletzte. Sie hat in den letzten Jahren über 150 Personen unterstützt. Die Ehrung erfolgte in der Rehaklinik Zihlschlacht.

Christof Lampart
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Ruedi Eberhard, Magdalena Eggenberger und Pius Böni dürfen aus den Händen von Peter Schumacher, Mitglied des Pro-Humanis-Vorstands, den diesjährigen Förderpreis entgegennehmen. (Bild: Christof Lampart)

Ruedi Eberhard, Magdalena Eggenberger und Pius Böni dürfen aus den Händen von Peter Schumacher, Mitglied des Pro-Humanis-Vorstands, den diesjährigen Förderpreis entgegennehmen. (Bild: Christof Lampart)

Der Präsident von Pro Humanis, Peter Grau, machte am Montagabend bei der feierlichen Preisübergabe in der Rehaklinik Zihlschlacht deutlich, dass man mit der diesjährigen Preisverleihung dem Grundgedanken der Stiftung Pro Humanis («Sensibilisieren und fördern») ganz nahekomme, und dass die Preisvergabe an die bedachte Gruppierung «mehr als nur gerechtfertigt» sei.

Tatsächlich führt Fragile Ostschweiz in Weinfelden seit 2004 eine sehr engagierte Selbsthilfegruppe für betroffene Hirnverletzte und deren Angehörige aus dem ganzen Thurgau. Die von Ruedi Eberhard geleitete Gruppe ermöglicht das mitfühlende Zusammensein und den Erfahrungsaustausch.Mit dem Preisgeld von 2000 Franken will die Selbsthilfegruppe diverse eigene Projekte und Anlässe fördern.

Mit der Verletzung beginnt ein neues Leben

Wie Pro-Humanis-Vorstandsmitglied Peter Schumacher erklärte, konnte die Fragile-Ostschweiz-Gruppe aus Weinfelden in den letzten Jahren 90 Hirnverletzten und 60 Angehörigen helfen, mit der neuen Lebenswirklichkeit ein Stück besser als bis anhin zurechtzukommen.

«Wir Fachleute reden manchmal von Dingen, von denen wir sagen müssten, dass andere, nämlich die Hirnverletzten, die eigentlichen Spezialisten sind. Ihr wisst, was es heisst, damit leben zu müssen und versteht einander. Hier trifft man sich in einer Gruppe, wo man sich nicht erklären muss.»

Ein neues Leben wird es für den Betroffenen und sein Umfeld nach der Hirnverletzung immer sein. Dies verdeutlichte Margarethe Venedey, Leiterin der Berufstherapie an der Rehaklinik Zihlschlacht.

Zwar seien in den letzten Jahrzehnten die Therapien besser und die Gesellschaft sensibler für die Problematik geworden, doch sei es oft auch so, dass Betroffene erst lernen müssen einzusehen, dass sie die vorherige Leistungsfähigkeit nicht mehr erreichen können, führte Venedey aus.

Wertvolles, ergänzendes Angebot

«Es gilt dann, Raum dafür zu bekommen, damit man psychisch verarbeiten kann, dass man nicht mehr alles machen kann. Und zwar sowohl was die eigene Rolle in der Familie, als auch die Arbeit und die zukünftige Lebensform betrifft», erläuterte Venedey.

Da gelte es dann, einen Fahrplan zu erstellen, der regle, welche Ressourcen genutzt werden sollen und wo man sinnvollerweise eine Grenze zieht. Darüber hinaus brauche es aber auch bei vielen Hirnverletzten «ein Angebot, das ambulante Behandler nicht im notwendigen Umfang leisten können». Eines davon sei die Selbsthilfegruppe.

Pius Böni, Gründer von Fragile Ostschweiz, und selbst Betroffener, betonte die Wichtigkeit von Selbsthilfegruppen. Er selbst habe nur durch die Gründung einer Selbsthilfegruppe aus dem Teufelskreis aus schweren Depressionen und Suizidversuchen herausgefunden, welche die Folgen eines Sportunfalls waren.

Hinweis: www.prohumanis.org