Premiere vor maskiertem Publikum: Das Glauser Quintett hat in Weinfelden Texte von Peter Stamm mit Musik kombiniert

Am Wochenende ging im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden die Premiere des literarischen Konzerts «In fremden Gärten» über die Bühne.

Natalie Osterwalder
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Das Glauser Quintett bei seinem Auftritt im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden: Sibylle Bremi (Violoncello), Daniel R. Schneider (Klavier), Sprecher Markus Keller und Martin Schumacher (Klarinette).

Das Glauser Quintett bei seinem Auftritt im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden: Sibylle Bremi (Violoncello), Daniel R. Schneider (Klavier), Sprecher Markus Keller und Martin Schumacher (Klarinette).

Bild: Reto Martin

Es war ein ungewöhnliches Bild im Theaterhaus Thurgau: Die rund zwanzig maskierten Zuschauer füllten mit mindestens einem leeren Sitz zwischen einander den Saal. Erst kurz vor Beginn durften die Plätze eingenommen werden. Darüber hinab wurde langsam das Licht gedimmt, bis es schliesslich erlosch und die Künstler des Glauser Quintetts die Bühne betraten.

Mit «In fremden Gärten» und «Im Alter» wurden an diesem Abend gleich zwei Geschichten vom regionalen Autor Peter Stamm aufgeführt. Die beiden Erzählungen konfrontierten das Publikum mit Gefühlen, die jeder nachempfinden kann. So wurden Themen wie Verlust, Einsamkeit, Einfühlungsvermögen, der Umgang mit Schicksalsschlägen, Erinnerungen an die Vergangenheit sowie Heimatgefühle angesprochen.

Beide Geschichten wurden durch viele kleine Details geschmückt. Das machte es dem Zuhörer enorm einfach, sich genau in die Umgebung der Erzählungen hineinzuversetzen.


«In Peter Stamms Geschichten erkenne ich immer wieder ein Stück Weinfelden.»
Simone Debrunner, Besucherin aus Weinfelden.

Simone Debrunner, Besucherin aus Weinfelden.

Bild: Natalie Osterwalder

Vielfältige Musik von dramatisch bis emotional

Die Geschichten wurden als literarisches Konzert aufgeführt. Dafür wurde eine kammermusikalische Landschaft für Klarinette, Violoncello, Gitarre und Klavier angelegt, die von Daniel R. Schneider komponiert worden war. Mysteriös, dramatisch, geheimnisvoll oder aufgeheitert: Die Musik war sehr vielfältig und stets auf das Erzählte abgestimmt.

Der Sprecher Markus Keller wechselte in einem angenehmen Abstand zwischen den beiden Geschichten hin und her. Raffiniert tat er dies immer an besonders aufregenden Stellen, wodurch der Spannungsbogen über die gesamte Aufführung aufrechterhalten blieb.


«Die Kombination aus Musik und Text war einfach grandios.»
Stefan Bünter, Besucher aus Frauenfeld.

Stefan Bünter, Besucher aus Frauenfeld.

Bild: Natalie Osterwalder

Vor allem die Geschichte «In fremden Gärten» bestand aus vielen Ebenen, unterschiedlichen Facetten und Nebengeschichten. Der Zuhörer musste stets konzentriert dabei bleiben, um nicht den Faden zu verlieren.

Durch die musikalisch passende Untermalung der Erzählungen wurde das Publikum jedoch von Anfang an in den Bann der Künstler gezogen. Die musikalische Begleitung trug ausserdem dazu bei, dass die Zuhörer bei besonders emotionalen Stellen der Geschichten einen Gänsehautmoment verspürten.

Nachdem die beiden Geschichten zu Ende erzählt worden waren, ging wiederum langsam das Licht aus. Unter lang anhaltendem Applaus wurde das Glauser Quintett für seinen Auftritt belohnt. Die einzige Freude am Ende der Vorstellung war, dass man sich endlich der Maske entledigen konnte.

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