Der Bischofszeller Kunstmaler Aurelio Wettstein stellt in der Bruggmühle aus

Es ist das erste Mal, dass Aurelio Wettstein seine Bilder in Bischofszell zeigt. Dafür hat er sich einen ganz speziellen Ort ausgesucht: die alte Bruggmühle am rechten Ufer der Sitter.

Georg Stelzner
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Aurelio Wettstein gestaltet seine Ausstellungen selber; hier bringt er zwei Bilder in die Bruggmühle.

Aurelio Wettstein gestaltet seine Ausstellungen selber; hier bringt er zwei Bilder in die Bruggmühle.

Bild: Reto Martin (Bischofszell, 27. Mai 2020)

Was Ausstellungen anbelangt, ist Aurelio Wettstein ein alter Hase. Seit 2003 stellt er seine Werke regelmässig im Zweijahresturnus der Öffentlichkeit vor. Dennoch dürfte Wettsteins Pulsfrequenz beim Gedanken an den 14. August ansteigen.

An diesem Tag stellt der Bischofszeller nämlich erstmals an seinem Wohnort aus. Warum es so lange gedauert hat? «Ich wollte zuerst schauen, wie die Reaktionen dort ausfallen, wo man mich weniger kennt», sagt Wettstein.

Reizvoller Kontrast lockt

Als sich die Möglichkeit bot, in der alten Bruggmühle aus- zustellen, konnte er nicht Nein sagen. «Zeitgenössische Kunst in alten Hallen, das ist ein Kontrast, der mich fasziniert.» Diese Faszination übt auch ein Projekt der Häberlin AG aus.

Das Müllheimer Unternehmen hat sich nicht weniger zum Ziel gesetzt, als am Ufer der Sitter ein neues Wohnquartier zu realisieren. Und so werden die Besucher ab nächsten Freitag nicht nur in die Welten des Bischofszeller Kunstmalers eintauchen, sondern sich auch über ein städtebaulich hochinteressantes Vorhaben informieren können.

Philosoph, Poet und Maler

In der Bruggmühle werden 44 Bilder zu sehen sein, die in den letzten zweieinhalb Jahren entstanden sind. Wettstein arrangiert in seinem Werken Farben und Formen zu einem stimmigen Ganzen. Das Besondere: Alle Werke sind Visualisierungen von Texten, die Wettstein verfasst hat und die der Ausstellungsbesucher an Ort und Stelle nachlesen kann.

Es sind viele Themen, über die sich der Kunstmaler zuletzt Gedanken gemacht hat. «Die Leute sollen nachvollziehen können, was mich angetrieben hat, ein bestimmtes Bild zu malen. Sie haben ein Recht, das zu wissen.»

Recht auf eigene Meinung

Der abstrakte Stil von Wettsteins Bildern ermöglicht naturgemäss einen recht grossen Interpretationsspielraum. Wenn nun jemand ein Bild ganz anders versteht als er selbst oder sich negativ äussert, stört das Wettstein nicht.

Aurelio Wettstein im Garten seines Wohnhauses in Bischofszell.

Aurelio Wettstein im Garten seines Wohnhauses in Bischofszell.

Bild: Thi My Lien Nguyen (Bischofszell, 8. August 2017)

Als Künstler müsse man mit Kritik umgehen können, sei sie doch eine Chance, sich neuen Gedanken zu öffnen und zu lernen. Wettstein geht sogar noch weiter. Er stellt fest: «Die Meinung des Betrachters ist die einzig richtige. Was andere sagen, zählt nicht.»

Parallelen zur Architektur

Für Wettstein ist die intellektuelle und emotionale Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk das Entscheidende. Kunst solle, ja müsse polarisieren, denn nur so könne sie einer ihrer wichtigsten Funktionen, der Förderung der Kommunikation, gerecht werden. Es sei natürlich, dass sich gegensätzliche Meinungen bilden und dieselben unter Menschen dann diskutiert werden.

Im Bereich der Architektur verhalte es sich ähnlich. «Der Umbau der Bruggmühle hat viel mit Kreativität und Fantasie zu tun. Es entsteht hier ein wunderbarer Ort, an dem sich die Menschen wohlfühlen werden.»

Die Kraft des positiven Denkens

Die Coronapandemie meistert Aurelio Wettstein mit der ihm eigenen Gelassenheit. «Das positive Denken verleiht mir Kraft. Die vergangenen Monate haben mir bestätigt, dass das eine ganz wertvolle Gabe ist», betont er.

Aurelio Wettstein bereitet seine Ausstellung in den verlassenen Räumlichkeiten der alten Bruggmühle vor.

Aurelio Wettstein bereitet seine Ausstellung in den verlassenen Räumlichkeiten der alten Bruggmühle vor.

Bild: Reto Martin (Bischofszell, 27. Mai 2020)

In seinem Kunstschaffen habe ihn die Krise weder behindert noch inspiriert. Ihm sei aber klar geworden, «dass wir im Überfluss leben und dankbar sein sollten für das, was wir haben». Während des Lockdowns sei vielen bewusst geworden, was alles nicht mehr möglich war. Nicht zuletzt die Kulturszene habe darunter gelitten.

Bilder müssen am richtigen Ort hängen

Umso mehr freut sich Aurelio Wettstein nun auf die Eröffnung seiner ersten Ausstellung in der Rosenstadt. Wie immer legt er bei der Gestaltung selber Hand an. Das gehört für ihn dazu.

Mit Gattin Johanna inspiziert er die beiden Etagen der Bruggmühle und lässt sich dabei auch gerne beraten, wo ein Bild am besten zur Geltung kommt und welche Beleuchtung den gewünschten Effekt erzielt.

Weitere Informationen über Aurelio Wettstein im Internet: www.artepositiv.ch

Im dritten Anlauf erfolgreich

Die erste Ausstellung mit Bildern Aurelio Wettsteins in Bischofszell hätte ursprünglich im Mai stattfinden sollen. Die Coronapandemie verhinderte dieses Vorhaben aber und führte auch dazu, dass ein zweiter Termin im Juni nicht wahrgenommen werden konnte. Unter Beachtung der vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften kann die Ausstellung jetzt stattfinden.  Vernissage: Freitag, 14. August, 18 Uhr; Öffnungszeiten: Samstag, 15. August; Sonntag, 16. August; und Samstag, 22. August; jeweils 10 bis 18 Uhr. Vom 17. bis 21. August nach Vereinbarung. (st)