Preisträger mit grossem Bauchgefühl: Florian Rexer erhält Amriswiler Kulturpreis

Schauspieler und Regisseur Florian Rexer durfte am Dienstag den Kulturpreis der Stadt Amriswil entgegennehmen. Nebst dem Initianten der Schlossfestspiele wurde im Kulturforum auch die Glöggli Clique mit dem Anerkennungspreis geehrt.

Manuel Nagel
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Begleitet von David Schmucki am Klavier singt Florian Rexer Louis Armstrongs Ballade «What a Wonderful World». (Bild: Manuel Nagel)

Begleitet von David Schmucki am Klavier singt Florian Rexer Louis Armstrongs Ballade «What a Wonderful World». (Bild: Manuel Nagel)

«Florian Rexer verlässt sich ausschliesslich auf sein Bauchgefühl, und das ist – unumstritten – ganz wunderbar gross», sagte Schauspielerin Bigna Körner mit einem Augenzwinkern. Ihr fiel die Aufgabe zu, die Laudatio zu Ehren ihres Kollegen zu halten, der am Dienstagabend den Amriswiler Kulturpreis überreicht bekam.

Schauspielerin Bigna Körner hält Florian Rexers Laudatio. (Bild: Manuel Nagel)

Schauspielerin Bigna Körner hält Florian Rexers Laudatio. (Bild: Manuel Nagel)

«Sie haben mit Florian Rexer eine exzellente Wahl getroffen», sprach Bigna Körner die Kulturkommission direkt an, denn er entspreche genau dem, was der Begriff Kultur vereine. «Er ist ein Lebemann und Stehaufmännchen», und er sei einer der ideenreichsten Menschen, die sie kenne», führte die Laudatorin weiter aus. Sie erzählte den Anwesenden, wie Florian Rexer einst seine sichere Anstellung am Stadttheater St. Gallen aufgab, um in die unsichere Selbständigkeit zu starten. «Jeder Mensch hat Träume und Wünsche. Doch wenn wir ganz ehrlich sind – wer von uns versucht, sie auch wirklich zu leben und umzusetzen und ist dazu bereit, alles aufs Spiel zu setzen?» fragte Körner ins Publikum.

Den Traum von der eigenen Inszenierung erfüllt

Die Antwort gab sie gleich selbst: «Verrückte tun dies – oder eben Künstler». Und mit dem Schlossfestspielen in Hagenwil habe sich Florian Rexer einen Traum erfüllt. Selber zu inszenieren, an einem Ort, wo er selber Herr und Meister sei. Diese Vision habe er umgesetzt. «Du bist ein Macher», sagte Körner zum Preisträger.

Dieser war anschliessend bei seiner Dankesrede sichtlich gerührt. Doch Rexer wäre nicht er selbst, hätte er seine Rede nicht mit einigen Pointen gespickt und dadurch viele Lacher provoziert. Doch dann wurde er auch ernst und sagte: «Es sind so viele Menschen, die mich begleitet haben in all den Jahren.» Und viele Menschen, die an diesem Abend hier im Raum seien, seien ihm verbunden. «Ich spüre das. Und dafür sage ich ‹Danke schön!›.» Die Schlossfestspiele und der Theaterberuf würden ihm sehr sehr nahe gehen. Da brauche es Verständnis und Hilfe – «und Menschen, die einen da mittragen», sagte der Kulturpreisträger.

Obwohl gesundheitlich und stimmlich etwas angeschlagen, sang Florian Rexer zum Schluss noch Louis Armstrongs Ballade «What a Wonderful World» und sorgte für einen Gänsehautmoment im Kulturforum.

Gradmesser für perfekte und disziplinierte Auftritte

Beim Auftritt der Glöggli Clique hält es auch Stadträte und geladene Gäste nicht mehr auf dem Stuhl. (Bild: Manuel Nagel)

Beim Auftritt der Glöggli Clique hält es auch Stadträte und geladene Gäste nicht mehr auf dem Stuhl. (Bild: Manuel Nagel)

Der Kontrast hätte nicht grösser sein können, denn nachdem Rexers letzte leise Töne verstummt waren, legte die Glöggli Clique los. Diese war der zweite Preisträger an diesem kurzweiligen Abend. Theo Grob, Ehrenglöggli und langjähriger Wegbegleiter der Guggenmusik, hielt in seiner Laudatio fest, dass die Glöggli Clique nicht mehr aus der hiesigen Fasnachtszene wegzudenken sei. Die Glögglis seien im In- und Ausland ein Gradmesser für perfekte und disziplinierte Auftritte mit einer tollen musikalischen Qualität. Und obwohl die Formation mit nun mehr als 60 Mitgliedern immer grösser wurde, seien diese nicht abgehoben.

Einen Lacher gab es, als Glöggli-Präsident Adrian Widmer von Stadträtin Madeleine Rickenbach und dem Kulturbeauftragten Andreas Müller den Preis in Form einer Wappenscheibe entgegennehmen durfte. «Ich hoffe, die Glögglis finden in ihrem Vereinslokal einen guten Platz dafür», sagte Müller, worauf ihm Widmer entgegnete, der Glöggli-Keller habe ja gar keine Fenster.

Stadträtin Madeleine Rickenbach, Glöggli-Präsident Adrian Widmer, Laudator Theo Grob und der Kulturbeauftragte Andreas Müller. (Bild: Manuel Nagel)

Stadträtin Madeleine Rickenbach, Glöggli-Präsident Adrian Widmer, Laudator Theo Grob und der Kulturbeauftragte Andreas Müller. (Bild: Manuel Nagel)