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Präsidentin der Thurgauer Lehrergewerkschaft äussert sich zum «Fall Wigoltingen»: «Lehrer sind nicht einfach so ersetzbar»

Anne Varenne, Präsidentin der Lehrergewerkschaft «Bildung Thurgau», nimmt Stellung zu den Vorkommnissen an der Wigoltinger Schule.
Sabrina Bächi
Anne Varenne, Präsdidentin der Lehrergewerkschaft «Bildung Thurgau». (Bild: PD)

Anne Varenne, Präsdidentin der Lehrergewerkschaft «Bildung Thurgau». (Bild: PD)

Was ist aus Sicht der Gewerkschaft das Hauptproblem an der Schule in Wigoltingen?

Anne Varenne: Die Art und Weise der Schulführung an der Sekundarschule ist bei den Lehrpersonen als nicht vertrauensfördernd angekommen. Lehrpersonen wollen als Experten des Lehrens und Lernen gehört werden. Ihre Ideen und Erfahrungen sollen in nächste Schritte einfliessen.

Die Schulpräsidentin hat gegenüber den Medien gesagt, dass die Lehrer keinen Maulkorb haben. Sie müssten sich aber an das Amtsgeheimnis halten und die Treuepflicht wahren. Darf man als Lehrer unter diesen Bedingungen seinen Kündigungsgrund nennen?

Dies hängt vom Kündigungsgrund ab. Wenn sich dieser auf Situationen oder Personen bezieht, in denen genaue Daten, Inhalte oder Prozesse zum Verständnis nötig sind, dürfen Lehrpersonen ihre Kündigungsgründe weiterhin nicht nennen. Sie würden dann das Amtsgeheimnis und ihre Treuepflicht verletzen und somit eine Abmahnung und Freistellung riskieren.

Gibt es also doch einen Maulkorb für die Lehrer?

Ja, in diesem konkreten Fall schon. Nur die Schulbehörde als Arbeitgeber kann den Lehrpersonen erlauben, über ihre Kündigungsgründe wirklich offen zu informieren.

Die Schulleitung und die Behörden wollten in Wigoltingen innerhalb eines halben Jahres das Schulsystem auf der Oberstufe ändern. Wie beurteilen Sie dieses Tempo?

Das Tempo ist sehr ehrgeizig. Andere vergleichbare Schulen hatten eine Vorbereitungsphase von bis zu drei Jahren. Wenn dieses Tempo aus strukturellen Gründen nötig wäre, müsste sich die Schulführung die Frage gefallen lassen, ob ihre Planung der Schulentwicklung genügend weitsichtig war.

Ist es nötig, um die kantonalen Forderungen zu erfüllen, das Schulsystem zu ändern?

Nein, überhaupt nicht.

Was für Konsequenzen hat diese Massenkündigung für eine Schule?

Neben den betroffenen Lehrpersonen, welche das Führungsklima nicht mehr ausgehalten haben und leiden, sind nun auch einige Schüler traurig oder fühlen sich unsicher, weil sie nicht wissen, wer sie nach den Sommerferien unterrichten wird.

Wie beurteilen Sie aus Sicht der Gewerkschaft das Verhalten der Schulpräsidentin, welche mehrmals öffentlich die Lehrer zur Kündigung auffordert und ihnen die Schuld an allem in die Schuhe schiebt?

Für mich ist dies ein Zeichen, dass die Schulführung die Arbeit dieser Lehrpersonen als ersetzbar beurteilt. Sie vergisst dabei, dass beim Lernen tragende Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern sowie im Team eine sehr wichtige Rolle spielen.

Was für Auswirkungen auf den Ruf der Schule hat die gesamte Geschichte?

Sicherlich keinen förderlichen, da die Lehrpersonen ihre wirklichen Kündigungsgründe nicht kommunizieren dürfen. Es fehlt daher an Transparenz und das hinterlässt immer ein ungutes Gefühl.

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