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Poulet für die ganze Schweiz kommt aus Märwil

Sommerserie: Die Frifag ist der drittgrösste Produzent von Geflügelfleisch in der Schweiz. 130 Bauernhöfe beliefern den Betrieb.

Mario Testa
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Mitarbeiter schneiden in den kühlen Räumen der Produktionshalle der Frifag Poulet-Brüstli zu. Aus Hygienegründen tragen alle Mundschutz, Haube und Handschuhe. (Bild: Mario Testa)

Mitarbeiter schneiden in den kühlen Räumen der Produktionshalle der Frifag Poulet-Brüstli zu. Aus Hygienegründen tragen alle Mundschutz, Haube und Handschuhe. (Bild: Mario Testa)

Die Frifag in Märwil wächst und wächst. Kaum ein Jahr, in dem der Geflügelverarbeitungsbetrieb nicht auch eine Baustelle ist. Derzeit steht der grösste Ausbau der vergangenen Jahrzehnte an. «Wir erweitern unsere Produktion, damit können wir unsere Kapazität fast verdoppeln», sagt Andi Schmal, Geschäftsleiter der Frifag Märwil AG.

«Besonders stolz bin ich darauf, dass praktisch alle am Bau beteiligten Unternehmen aus der Region kommen. Wir haben auch Glück, so viele gute Firmen in der Nähe zu haben.» In den neuen Hallen werden die Zerlegung, die Würzerei und die Logistik des Unternehmens einquartiert. All diese Bereiche gibt es heute schon im drittgrössten Geflügelverarbeitungsbetrieb der Schweiz, nur sind sie zu klein geworden.

«In den vergangenen zehn Jahren haben wir unsere Jahresproduktion verdoppelt», sagt Schmal. «Im Bereich des Trutenfleischs haben wir fast 90 Prozent Marktanteil.»

Die Frifag in Zahlen

Die Frifag Märwil AG wurde im Jahr 1987 gegründet. Mittlerweile produziert der Betrieb 13 Millionen Kilo Pouletfleisch und 1,8 Millionen Kilo Trutenfleisch pro Jahr. Eine Tochterfirma der Frifag ist «Natura Güggeli» mit 30 Franchisenehmern in ihren Grillwagen und 160 Standorten. Den neusten Erweiterungsbau lässt sich das Unternehmen 35 Millionen Franken kosten.

Die Automatisierung wird vorangetrieben

270 Personen sind bei der Frifag angestellt, ebenfalls fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Die meisten kennt Andi Schmal beim Namen – beim Vornamen. Beim Rundgang durch den Betrieb wird er gegrüsst und er grüsst zurück. «Das Dutzis habe ich eingeführt, es ist gut fürs Teamgefüge», sagt Schmal. Mehr Namen wird er sich trotz der Erweiterung auch künftig kaum merken müssen.

«Überall wo es um grosse Stückzahlen geht, ist Effizienz wichtig. Deshalb nimmt auch bei uns die Automatisierung zu», sagt Schmal. «Das ist ein Muss, um bei den Kosten mithalten zu können. Trotzdem sind wir noch immer eine Manufaktur, haben einen grossen Anteil Handarbeit. Gerade im Bereich des Trutenfleisches ist fast alles Handarbeit bei uns.»

Andi Schmal, Geschäftsleiter Frifag Märwil AG. Im Hintergrund entsteht der Erweiterungsbau. (Bild: Mario Testa)

Andi Schmal, Geschäftsleiter Frifag Märwil AG. Im Hintergrund entsteht der Erweiterungsbau. (Bild: Mario Testa)

130 Bauernhöfe beliefern die Frifag exklusiv mit Hühnern und Truthähnen. Die meisten Höfe arbeiten nach BTS-Standard, die Tiere leben in Bodenhaltung, haben Tageslicht und erhöhte Sitzgelegenheiten.

Andi Schmal ist stolz darauf, dass er zudem für den Tiertransport das Container-System einführen konnte. «Die Tiere werden auf den Höfen in die blauen Container gesetzt, danach werden sie nicht mehr umgeladen oder über irgendwelche Fliessbänder geschleust. Sie werden in den Kisten betäubt und erst dann geht es in die Schlachterei. Das ist die schonendste Methode auf dem Markt.»

Vierstündige Fahrt durch den Kühlraum

Bei der Frifag herrscht fast rund um die Uhr Betrieb. Angeliefert werden die Tiere kurz nach Mitternacht, die Mitarbeiter der Schlachterei beginnen um 01.30 Uhr. Die betäubten und dann geschlachteten Hühner gelangen auf einer vierstündigen Fahrt über 2,5 Kilometer durch den Kühlraum zur Zerlegung. Danach folgt die Veredelung, je nach Produkt die Würzung und schliesslich die Verpackung und Auslieferung des Fleisches.

Schmal rechnet weiterhin mit einer grossen Nachfrage nach Geflügel. «Gerade bei Sportlern ist das Fleisch wegen des geringen Fettgehalts und hohen Eiweissanteils beliebt. Der Trend zeigt weiter aufwärts», sagt er.

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