Post überrascht Gemeinde: Filiale in Steinach bleibt vorerst erhalten

In einer Mitteilung hat die Post bekanntgegeben, die Filiale Steinach noch mindestens bis 2020 zu betreiben. Das kommt überraschend, denn bis vor kurzem hatte der Konzern noch andere Pläne.

Martin Rechsteiner
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Bis 2020 steht die Poststelle im Gemeindehaus den Steinacherinnen und Steinachern noch mindestens zur Verfügung (Bild: Rudolf Hirtl)

Bis 2020 steht die Poststelle im Gemeindehaus den Steinacherinnen und Steinachern noch mindestens zur Verfügung (Bild: Rudolf Hirtl)

«Freude herrscht», sagt Roland Brändli, Gemeindepräsident von Steinach. Denn gestern hat die Post bekanntgegeben, die Filiale in der Gemeinde vorerst weiterbetreiben zu wollen. Der Gemeinderat hat sich stets dafür eingesetzt, dass die Poststelle im Gemeindehaus erhalten bleibt.

In der Mitteilung des gelben Riesen heisst es: «Die Post hat eine vertiefte, kantonsübergreifende Analyse des Angebots in der östlichen Bodensee-Region durchgeführt. Jetzt hat sie aufgrund der Erkenntnisse und nach dem Gespräch mit der Gemeindebehörde entschieden, die Filiale Steinach unverändert bis mindestens Ende 2020 weiterzuführen.» In dieser Zeit werde der Konzern die wirtschaftliche Entwicklung der Filiale Steinach beobachten.

Details bleiben geheim

Was genau die Erkenntnisse aus der Analyse waren und welche davon zum Entscheid geführt haben, will Mirko Gentina, Verantwortlicher regionale Kommunikation Ostschweiz, nicht sagen. «Grundsätzlich gibt es bei der Überprüfung eines Standortes jedoch keine starren Kriterien.»

«Die Post betrachtet jeden Standort als Einzelfall und im eigenen regionalen Kontext.»

So würden bei der Ausgestaltung des Netzes zusätzlich zu den gesetzlichen Erreichbarkeitsvorgaben lokale Bedürfnisse wie zum Beispiel Verkehrsströme, Mobilität und Raumplanung berücksichtigt.

Es steht die Frage im Raum, was «Weiterbetrieb bis 2020» im Fall Steinach genau bedeutet. Bleiben Stellen, Dienstleistungen und Öffnungszeiten bis dann unverändert erhalten? Gentina sagt dazu: «Die Filiale Steinach wird bis Ende 2020 unverändert weiter betrieben. Erkennt die Post Veränderungsbedarf, nimmt sie mit den Steinacher Behörden und allfällig mitbetroffenen Gemeinden den Kontakt rechtzeitig wieder auf.»

Die Mitteilung der Post, die Poststelle nun doch erhalten zu wollen, kommt insofern überraschend, als der Konzern an einer Informationsveranstaltung im vergangenen Juni vor versammelter Gemeinde bekanntgab, die Steinacher Filiale aufheben zu wollen.

Damals schien klar: Die Poststelle in Steinach wird dasselbe Schicksal ereilen wie zum Beispiel jene in Thal, wo das Geschäft von einem Dorfladen übernommen wurde. Dementsprechend emotional ging es zu und her an dem Anlass. Doch es kam anders: Nach dem Informationsanlass führte die Post besagte Analyse durch und entschied, die Situation im ersten Quartal 2021 neu zu beurteilen. Gemeindepräsident Roland Brändli sagt:

«Wir haben stark für den Erhalt unserer Poststelle eingesetzt, haben alles für uns mögliche dafür getan.»

Er habe den Schliessungsentscheid der Post nie nachvollziehen können, zumal es der Konzern unterlassen habe, an der Veranstaltung im Juni die scheinbar mangelnde Wirtschaftlichkeit mit Zahlen zu belegen. «Aber wir haben uns, im Wissen, wie es mit den Schliessungen in anderen Gemeinden abgelaufen ist, nicht viel Hoffnung gemacht.» Jetzt seien die Überraschung und die Freude natürlich umso grösser. «Steinach braucht seine Poststelle.»

Unklar, was nach 2020 passiert

Mit ihrem Entscheid hat die Post allerdings bloss die Galgenfrist der Steinacher Filiale verlängert. Was nach 2020 passiert, ist nach wie vor offen. Sprecher Mirko Gentina sagt:

«Es ist nicht auszuschliessen, dass es nach 2020 zu Anpassungen beim Filialnetz kommt.»

Veränderungen im Netz geschehen weiterhin im engen Dialog mit den Behörden und der Bevölkerung. «Die Post strebt einen ausgewogenen Mix an Zugangspunkten an. Darin werden eigenbetriebene Filialen aber auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen.»

Für Gemeindepräsident Brändli ist klar, dass die Filiale nur vorübergehend gesichert ist und sie ab dem Jahr 2021 wieder auf der Kippe stehen könnte. «Den Blankoschein für einen Poststellenerhalt für die nächsten 50 Jahre gibt es nicht. Wir sind froh um unseren Etappensieg und werden bemüht bleiben, die Filiale auch über 2021 hinaus zu erhalten.»