Post möchte mehr Werbung in Arboner Briefkästen

Rund die Hälfte aller Schweizer will keine Werbung in ihren Briefkästen. Die Post versucht dies zu ändern und sendet bis Dezember einmal monatlich Warenmuster an interessierte Haushalte der Stadt. Kunden können ihre «Stopp Reklame»-Kleber mit einem «Werbung OK»-Etikett überdecken.

David Grob
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Mit dem mitgesandten Kleber können Kunden ihr Interesse bekunden. (Bild: David Grob)

Mit dem mitgesandten Kleber können Kunden ihr Interesse bekunden. (Bild: David Grob)

Er ist der omnipräsente Bewacher vieler Schweizer Briefkastenschlitze: Das Männchen, welches mit erhobener Hand Reklame abwehrt. «Stopp Reklame» prangt in roten Lettern über dem Männchen auf dem Kleber. Diesen Kleber sähe die Post gerne durch einen neuen überklebt: «Werbung OK!».

Eine Mitteilung der Post landete im September in den Arboner Briefkästen. Von Oktober bis Dezember verteile die Post jeden Monat ein Warenmuster: Süssgetränke und Nahrungsergänzungsmittel. Allerdings nur in jene Briefkästen, die nicht mit einem «Stopp Reklame-»Vermerk gekennzeichnet sind. 2017 prangte an 53 Prozent aller Schweizer Briefkästen ein solcher Kleber, den Kunden nun mit dem neuen überkleben können.

Die Post führt die Aktion nicht nur in Arbon durch, sondern momentan auch in zahlreichen anderen grösseren Gemeinden des Kantons durch. Markus Werner, Mediensprecher der Post, sagt:

«Dabei decken wir jeweils das gesamte Gemeindegebiet ab.»

Ausserdem laufe das Projekt der Post momentan auch in den Kantonen Bern, Zürich, Schwyz, Graubünden und Aargau.

Markus Werner, Mediensprecher der Post

Markus Werner, Mediensprecher der Post

«Die jetzige Verteilaktion ist die zweite Welle des Projekts», sagt Werner. Bereits im Frühjahr versandte die Post in verschiedenen Regionen Muster. «Wir möchten die Wirksamkeit einer solchen Aktion testen.» Nach Abschluss werde ausgewertet, ob sich der Versand der Warenmuster für die Firmen lohne. Ausserdem werde das Kunden-Feedback analysiert.

Doch was bezweckt die Post mit dieser Aktion? Zweifellos bedient sie damit einen Wunsch der Wirtschaft, die ein Interesse daran hat, ihre Werbung in möglichst vielen Briefkästen zu streuen. Und gleichzeitig verdient die Post über unadressierte Werbesendungen natürlich Geld. Promopost Sampling heisst das entsprechende Angebot zum zielgruppengerechten Werbeversand.

Bereits 2015 führte die Post ein ähnliches Projekt durch. Auch damals wurden Kleber versandt, mit denen Kunden ihre «Stopp Reklame»-Etiketten überkleben sollten. Ebenfalls 2015 wies die NZZ auf einen neuen Punkt im Pflichtenheft der Briefträger hin. Sie sollten Kunden über die Vorteile unadressierter Werbesendungen informieren.

Die Aktion scheint deshalb Teil einer längerfristigen Geschäftsstrategie zu sein, um die Anzahl an werbeskeptischen Kunden zu verkleinern. Markus Werner sagt:

«Unser Ziel ist es natürlich, dass sich die Leute bewusst für oder gegen Werbung entscheiden.»

Denn oftmals werde der «Stopp Reklame»-Kleber vom Vormieter übernommen. «Wir haben aber kein quantitatives Ziel formuliert, die «Stopp Reklame»-Schildern um eine bestimmte Zahl zu verringern», sagt er.

ARBON: Alte Post: Neubau mittelfristig eine Option

Nach 39 Jahren hatte sich im September 2016 die Post vom Standort an der Friedenstrasse verabschiedet. Seither befindet sich die Arboner Post-Filiale im Hamel-Markt. Das alte ockerfarbene Postgebäude befindet sich immer noch im Eigentum der Post.