PORTRÄT
Romanshorner für die Schweiz in den USA ‒ Christoph Sommer ist Diplomat in Washington

Seit fast einem Jahr ist er nun stellvertretender Missionschef in Washington. In einem der mächtigsten Länder der Welt setzt sich der Romanshorner für die Interessen der Schweiz ein.

Saskia Ellinger
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Die Schweizer Botschaft in Washington D.C., USA – der Arbeitsplatz von Christoph Sommer.

Die Schweizer Botschaft in Washington D.C., USA – der Arbeitsplatz von Christoph Sommer.

Bild: Martin Ruetschi/ KEYSTONE

Christoph Sommer ist am Puls der Weltpolitik. Der Romanshorner ist seit einem Jahr stellvertretender Missionschef auf der Schweizer Botschaft in den Vereinigten Staaten. Seine Aufgabe ist es, die Interessen der Schweiz in den USA wahrzunehmen.

Im Vordergrund seines Tuns steht laut dem Diplomaten in den meisten Fällen die gute Zusammenarbeit, vor allem wenn es um Engagement für gemeinsame Grundwerte wie Frieden, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte geht. Aber auch ein intensiver und für beide Seiten gewinnbringender wirtschaftlicher oder wissenschaftlicher Austausch seien für ihn prioritär.

Christoph Sommer ist für die Schweiz in den USA ‒ er ist Diplomat in der Schweizer Botschaft in Washington.

Christoph Sommer ist für die Schweiz in den USA ‒ er ist Diplomat in der Schweizer Botschaft in Washington.

Bild: PD

Bezüglich dem neuen Präsidenten Biden steht Sommer quasi in der ersten Reihe und verfolgt die politischen Aktivitäten des mächtigsten Mannes der Welt aufmerksam:

«Es ist absolut faszinierend zu beobachten und zu analysieren, wie die Administration von Präsident Biden den Kurs der USA in vielen Bereichen neu ausrichtet, in mancher Hinsicht aber auch Kontinuität zeigt.»

Diplomaten sind wie Nomaden

Seit 2003 ist Sommer im diplomatischen Dienst im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Das Leben als Diplomat ähnelt laut Sommer dem eines Nomaden: Im Durchschnitt wechselt man alle paar Jahre den Einsatzort. Seit seinem Dienstantritt war er in Bern, in Taschkent in Usbekistan, in Brüssel bei der Mission der Schweiz bei der EU sowie zuletzt in Lima in Peru tätig.

Christoph Sommer vor einem Flugzeug der Rückkehraktion für gestrandete Schweizer Reisende im März 2020 in Lima (Peru).

Christoph Sommer vor einem Flugzeug der Rückkehraktion für gestrandete Schweizer Reisende im März 2020 in Lima (Peru).

Bild: PD

Jeweils rund ein Jahr vor einer Versetzungsrunde schreibt das EDA gemäss Sommer die freiwerdenden Stellen intern aus. Im zweiten Schritt können sich die Diplomatinnen und Diplomaten auf die verschiedenen Posten bewerben. Schliesslich entscheide das EDA über die Versetzung, wobei im Idealfall das eigene Profil und die eigenen Wünsche mit den Anforderungen des zugeteilten Postens im Einklang stehen.

«Wenn das gelingt, dann kann dieser Lebensstil eine grosse Bereicherung sein.»

Sommer zieht nicht allein von Arbeitsort zu Arbeitsort: Begleitet wird er von seiner Frau und seinen zwei Kindern, deren Bedürfnisse es ebenfalls zu berücksichtigen gilt.

Vieles funktioniert gut in der Schweiz

Die Verbindung zur Schweiz hält der Romanshorner nicht nur in den USA aufrecht. Unabhängig vom Einsatzort verbringt er jedes Jahr Zeit in der Schweiz. Neben beruflichen Sitzungen und Gesprächen in Bern würden dabei immer auch längere Aufenthalte am Bodensee mit der Familie auf dem Programm stehen. In Romanshorn habe er ein «pied-à-terre», und auch seine Eltern und Geschwister würden hier leben.

«Diese Verbindung ist mir und meiner Familie sehr wichtig, und wir pflegen sie bewusst.»

Und natürlich geniesst er dabei nicht nur das Familienleben. Die Schweiz wird von dem Diplomaten hinsichtlich vieler Faktoren als Lebensraum geschätzt, vor allem da er die Realitäten in anderen Ländern kennen lernen durfte. Trotz aller faszinierenden und schönen Erlebnisse sei ihm bewusst geworden, wie gut vieles in der Schweiz funktioniere.

Als Beispiel hierfür nennt Sommer die qualitativ hochstehenden öffentlichen Schulen einschliesslich eines Berufsbildungssystems, um das die Schweiz weltweit beneidet werde. Auch das dichte und leistungsfähige öffentliches Verkehrsnetz und – gerade in Pandemiezeiten – ein zuverlässiges Gesundheitswesen seien bei weitem keine Selbstverständlichkeiten. Doch es ist nicht nur die Infrastruktur, die der Diplomat an der Schweiz schätzt:

«Ganz persönlich vermisse ich zu dieser Jahreszeit die Oberthurgauer Landschaften mit ihren weiss erstrahlenden Obstbäumen vor dem tiefblauen Hintergrund des Bodensees.»

Zur Person

Christoph Sommer ist in Romanshorn geboren. Nach seinem Studienabschluss im Fach Physik war er rund vier Jahre als Delegierter für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz im Einsatz, unter anderem in Afghanistan, Kolumbien und im ehemaligen Jugoslawien. Dort sei zwar der humanitäre Leitgedanke im Zentrum gestanden, aber es gab viele Parallelen zur Diplomatie. Es galt ebenfalls, sich rasch in neuen Kontexten zu orientieren, zu verhandeln und Interessen – in diesem Fall jene der Konfliktopfer – zu vertreten. Damit war der Übertritt ins EDA schon etwas vorgezeichnet.

Seit 2003 steht er nun im Dienste des EDA. Mit einem Physikdiplom gehört er im Diplomatencorps zu einer Minderheit. Die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen würden über Ausbildungen in Recht, Politik, internationalen Beziehungen oder Wirtschaft verfügen. Das EDA pflege diese Vielfalt bewusst.