Bottighofer Gemeinderat will das Präsidium übernehmen und pokert beim Pensum

Beat Müller kandidiert als Gemeindepräsident von Bottighofen. Sollte er gewählt werden, will er das Amt jedoch nur mit einem Pensum von 70 bis 80 Prozent anstelle der angedachten 40 bis 60 Prozent antreten.

Nicole D’Orazio
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Beat Müller hat sich entschieden, als Gemeindepräsident von Bottighofen zu kandidieren. (Bild: Andrea Stalder)

Beat Müller hat sich entschieden, als Gemeindepräsident von Bottighofen zu kandidieren. (Bild: Andrea Stalder)

Er macht’s. Gemeinderat Beat Müller hat sich entschieden, seine Kandidatur für das Gemeindepräsidium von Bottighofen offiziell einzureichen. Er will Urs Siegfried beerben, der auf Ende der Legislatur zurücktritt. Nach der Teilnahme am Podium von letzter Woche wollte er zuerst die Reaktionen abwarten (unsere Zeitung berichtete). «Ich kandidiere für das Amt des Gemeindepräsidenten mit einem 70- bis 80-Prozentpensum», teilt Müller mit. «Dafür habe ich im Dorf vielseitige und wohlwollende Unterstützung erfahren.» Nach Rücksprache mit dem Gemeinderat sei er überzeugt, das Präsidium zum Wohle des Dorfes ausführen zu können.

Seinen heutigen Job würde Müller aufgeben

«Dies hat für mich die Konsequenz, dass ich meine heutige Anstellung bei einer Wahl aufgeben würde, damit ich mich vollumfänglich in die neuen Aufgaben einbringen kann.» Sein Arbeitgeber würde ihn bei diesem Schritt unterstützen. Müller arbeitet in einem Pharmagrosshandel im Projektmanagement.

«Ich habe mit dem Gemeinderat gesprochen und dieser hat mir signalisiert, dass auch ein höheres Pensum für den Gemeindepräsidenten passen würde. Es geht für mich nicht anders», sagt der 48-Jährige. Zudem hätte er von vielen Bottighofern positive Rückmeldungen erhalten.

Für die anderen würden die 50 Prozent passen

Müller sieht kein Problem darin, bei einer Wahl ein höheres Pensum zu fordern. In der Ausschreibung wurde von einem Pensum zwischen 40 und 60 Prozent ausgegangen. «Die anderen Kandidaten haben sich am Podium klar geäussert, dass für sie die 50 Prozent passend wären. Für mich wäre das aber zu wenig.»

Müller möchte das Leitbild der Gemeinde überarbeiten. «Wir müssen schauen, wie wir uns strategisch noch mehr ausrichten können», sagt er. Eine klare Linie und Transparenz seien wichtig. «Zudem ist es mir wichtig, das Dorfleben aktiv und die gute Stimmung aufrecht zu halten.»

Seit letztem Jahr gehört Müller dem Bottighofer Gemeinderat an und leitet das Ressort Umwelt und Entsorgung. Er ist parteilos und sieht sich von der politischen Gesinnung her in der Mitte. Der 48-Jährige ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Der neu gewählte Gemeinderat wird über das Pensum des Präsidenten entscheiden

Urs Siegfried, aktueller Gemeindepräsident von Bottighofen, sagt, dass es keinen Gesamtbeschluss des Gemeinderats gibt, der die 70 bis 80 Stellenprozent für den künftigen Gemeindepräsidenten bestätigt. «Am Samstag hat Beat Müller mich und die anderen Mitglieder des Gemeinderates angerufen. Ob er alle erreicht hat, kann ich nicht sagen.» Müller hätte ihn gefragt, ob es für ihn ein Problem sei, wenn er als sein Nachfolger kandidiere. «Ich habe gesagt, dass das seine Sache sei.» Über das Pensum hätten sie nicht gesprochen.
«Ob das Pensum für Beat Müller bei einer Wahl tatsächlich von 50 auf 70 bis 80 Prozent erhöht wird, muss der neu gewählte Gemeinderat entscheiden», sagt Siegfried. «Das Risiko ist für Müller meiner Meinung nach komplett offen. Es wäre dann auch eine neue Ausgangslage.» Man müsste dann neu schauen, mit welchen Aufgaben und Ressorts der neue Gemeindepräsident betraut werde. Er gehe nach wie vor von einem Arbeitspensum von rund 50 Prozent für seinen Nachfolger aus, meint Siegfried. Daran habe sich nichts geändert.
Raphael Lüscher von der Bürgerlichen Vereinigung Bottighofen ist der Meinung, dass der Gemeinderat im Vorfeld der Ausschreibung die Vorstellungen für das Pensum des neuen Gemeindepräsidenten klar kommuniziert habe. «Die Vorgabe von 40 bis 60 Prozent wurde von den politischen Vereinigungen unterstützt.» Für ihn sei es okay, wenn sich Kandidaten zur Wahl stellten und Bedingungen hätten. Der Souverän müsse schliesslich entscheiden.
Sollte das Pensum tatsächlich erhöht werden, müsse klar aufgezeigt werden, welche Aufgaben der neue Amtsinhaber zusätzlich übernehmen würde, um für die Gemeinde einen Mehrwert zu schaffen. «Zum Beispiel mit Kompetenzen im Bauwesen oder den Finanzen. Da muss man überzeugen können», meint Lüscher. Auch müsse transparent gemacht werden, ob dafür in der Verwaltung eingespart werden soll.
Peter Huber von der Arbeitnehmervereinigung stimmt mit Lüscher überein. «Es müsste wirklich klar argumentiert werden, warum das Pensum für den neuen Gemeindepräsidenten erhöht werden müsste.»

Müller kandidiert auch für den Gemeinderat

Auf der offiziellen Namensliste für die Gesamterneuerungswahlen der Gemeinde Bottighofen am 25. November figurieren neben Beat Müller folgende, bereits bekannte, Kandidaten für das Amt des Gemeindepräsidenten: Michael Thurau, Bottighofen; Matthias Hofmann, Bottighofen, sowie Lukas Hoffmann, Balterswil. Für einen Sitz im Gemeinderat stellen sich die Bisherigen Christina Bührer-Keller, Patrick Hugelshofer wie auch Beat Müller erneut zur Verfügung. Neu kandidiert Peter Huber.