Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Plötzlich einen Fuss im Genick

Eine spezielle Betriebsbesichtigung führte der Gewerbeverein Amriswil am Montag durch: Nicht die Firma eines Mitglieds besuchten die Gewerbler, sondern das Feuerwehrzentrum, das auch die Rettungsdienste beherbergt.
Manuel Nagel
Der Amriswiler Feuerwehr-Kommandant Andreas Bösch zeigt Mitgliedern des Gewerbevereins die Umkleidekabine der Männer. (Bilder: Manuel Nagel)

Der Amriswiler Feuerwehr-Kommandant Andreas Bösch zeigt Mitgliedern des Gewerbevereins die Umkleidekabine der Männer. (Bilder: Manuel Nagel)

Nach dem Umzug mit viel «Tatütata» vor bald zwei Jahren trat für die Amriswiler Feuerwehrmannen und -frauen auch eine neue Sprachregelung in Kraft: «André Schlatter hat uns verboten, das neue Gebäude ‹Feuerwehrdepot› zu nennen», verriet Kommandant Andreas Bösch den rund 50 anwesenden Gewerblern mit einem Lächeln. In einem Depot würden Flaschen gelagert, was hier natürlich nicht zutreffe. Es war nicht die letzte Anekdote, welche die Mitglieder des Gewerbevereins zu hören bekamen. Meistens wird der Betrieb eines Mitgliedes besichtigt, doch diesmal lud Präsident Christoph Roth ins neue Feuerwehrzentrum an der Kreuzlingerstrasse.

Amriswiler Feuerwehr bildet Schauspieler aus

Keine Bierzapfhähne seien das, meint Kommandant Andreas Bösch im roten Shirt, sondern die Auffüllstation für die Atemluftflaschen.

Keine Bierzapfhähne seien das, meint Kommandant Andreas Bösch im roten Shirt, sondern die Auffüllstation für die Atemluftflaschen.

Selbst wer den Neubau schon bei der Eröffnung besichtigt hatte, lernte am Montag etwas Neues hinzu, Zum Beispiel, dass nach dem Grossbrand in Egnach rund 300 Schläuche in Amriswil gewaschen wurden. «Und obwohl unsere Materialwarte für einen Schlauch nur sieben Minuten benötigen, hat man es nach dem hundertsten Schlauch dann schon mal gesehen», sagte Andreas Bösch. Mehr als einmal lobte der Kommandant die neuen Bedingungen. Er erwähnte etwa die Zeitersparnis, die man jetzt bei der Retablierung des Materials habe. «Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hätte man viel früher ein neues Zentrum erstellen sollen», sagte Bösch auf dem Rundgang. Ebenso sei er froh, dass ein grosser Teil der Arbeiten an diesem Bau an lokale Betriebe habe vergeben werden können. «Diese stehen auch schnell hier, wenn mal etwas nicht funktioniert», sagte Andreas Bösch zu den Gewerblern, von denen sich der eine oder andere dabei angesprochen gefühlt haben dürfte. Doch die Amriswiler Feuerwehr unterstützt nicht nur das heimische Gewerbe, sondern sie leistet auch einen Beitrag an die heimische Kultur. Bösch wies auf ein älteres Feuerwehrfahrzeug hin, welches diesen Sommer beim See-Burgtheater in Kreuzlingen zum Einsatz komme – bei Max Frischs «Biedermann und die Brandstifter». Man bilde auch die Schauspieler aus, verriet Bösch.

Immer mehr Gewalt gegen Rettungsdienste

Jürgen Häberli, Leiter des Rettungsdienstes Münsterlingen und Amriswil, erzählt den Gewerblern aus seinem Berufsalltag.

Jürgen Häberli, Leiter des Rettungsdienstes Münsterlingen und Amriswil, erzählt den Gewerblern aus seinem Berufsalltag.

Im zweiten Teil der Führung berichtete Jürgen Häberli, Standortleiter des Rettungsdienstes Münsterlingen und Amriswil aus seinem Arbeitsalltag. Und er erntete ungläubiges Kopfschütteln und Empörung, als er von einem Einsatz in Romanshorn erzählte. Die Ambulanz sei zum Bahnhof gerufen worden, da eine Frau ohnmächtig auf dem Perron lag. Er sei dann zu dieser Person hingekniet, um ihr den Puls zu fühlen, «da habe ich plötzlich einen Fuss im Genick gespürt», erzählte Häberli. Und er sei vom Täter, der von einer Bank auf ihn heruntergesprungen sei, beschimpft worden, weshalb er sich da überhaupt einmische. «Gewalt gegen Rettungsdienste beschäftigen uns je länger je mehr», sagte er. Doch er liesse sich die Freude an seinem Beruf nicht von solchen Leuten kaputtmachen. Seit 25 Jahren sei er nun Rettungssanitäter – und somit ein Dinosaurier. Die durchschnittliche Verweildauer eines seiner Mitarbeiter liege bei sieben Jahren. Für die nächsten rund zwei Jahre geniessen Häberli und sein 31-köpfiges Team nun Gastrecht bei den Kollegen der Feuerwehr, bis ihr eigenes Zentrum beim Stadthaus fertiggestellt sein wird. Eigentlich hätte just an diesem Montag der temporäre Umzug über die Bühne gehen sollen, doch es gab noch leichte Verzögerungen. Nächsten Mittwoch soll es dann aber so weit sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.