Playoff-Start
Mehr als nur Aussenseiter: Die NLA-Handballerinnen des HSC Kreuzlingen wittern gegen Brühl ihre Chance

Die Favoritenrolle gebührt im Playoff-Halbfinal zwar Brühl St. Gallen, chancenlos sind die Kreuzlingerinnen gegen den Titelhalter aber nicht. Trainerin Kristina Ertl-Hug prophezeit gar, dass der HSCK in seinem ersten NLA-Playoff der Klubgeschichte überraschen wird. Die Best-of-3-Serie beginnt am Mittwoch um 20.15 Uhr in der St. Galler Kreuzbleiche.

Markus Rutishauser
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Petra Skoricova hat in der Finalrunde einen richtigen Leistungssprung gemacht und überzeugte nicht nur als Kreuzlingens beste Finalrunden-Torschützin mit hartem Wurf.

Petra Skoricova hat in der Finalrunde einen richtigen Leistungssprung gemacht und überzeugte nicht nur als Kreuzlingens beste Finalrunden-Torschützin mit hartem Wurf.

Felix Walker

Gesucht wird der Meister im Schweizer Frauenhandball. Vier Teams kämpfen ab Mittwoch im NLA-Playoff um den Titel. Als Sieger der Finalrunde trifft Brühl St. Gallen auf den Tabellenvierten HSC Kreuzlingen. Im zweiten Halbfinal messen sich Spono Nottwil (2. der Finalrunde) und Zug (3.).

Zuschauer müssen sich anmelden - oder am Bildschirm mitfiebern

(mru) Aufgrund der Coronabestimmungen sind an den Playoff-Spielen jeweils nur 50 Zuschauer zugelassen. Brühl St. Gallen hat sein gesamtes Kontingent an die eigenen Fans ausgegeben. Kreuzlingens Anhänger können die Playoff-Premiere ihrer Equipe am Mittwoch jedoch live auf handballtv.ch mitverfolgen. Ebenso lässt sich der Livestream direkt im Liveticker der Partie auf handball.ch abspielen. Das Rückspiel bestreiten die Kreuzlingerinnen am kommenden Samstag, 1. Mai, um 18.30 Uhr in der heimischen Egelseehalle. Einlass erhält nur, wer sich vorab über die Geschäftsstelle des HSCK registrieren lässt, sofern überhaupt noch freie Plätze vorhanden sind. Ein allfälliges Entscheidungsspiel fände am Dienstag, 4. Mai, um 19.30 Uhr in St. Gallen statt.

Die Kreuzlinger Frauen haben ihr Saisonziel mit der erstmaligen Playoff-Qualifikation bereits erreicht. Seit über 30 Jahren schaffte nie mehr ein Thurgauer Handballteam (Männer und Frauen) den Sprung unter die ersten vier einer NLA-Meisterschaft. Nur drei Jahre nach dem Abstieg aus der höchsten Spielklasse ist der HSC Kreuzlingen nun erstmals sogar ganz vorne dabei. Kaum ein Experte hatte dem Team der erst 34-jährigen Trainerin Kristina Ertl-Hug diesen Exploit zugetraut. Laut offiziellen Angaben kommt Kreuzlingen mit nicht einmal der Hälfte des Budgets der anderen Halbfinalisten aus.

«Spass haben und den Gegner fordern»

Wer bisher sämtliche elf Direktduelle gegen den LC Brühl verloren hat, der sieht sich logischerweise in der Rolle des Aussenseiters. Noch nie haben die Kreuzlingerinnen gegen den Rekordmeister (31 Titel) und Titelverteidiger aus St. Gallen einen Meisterschaftspunkt erobert. Auch in der laufenden Saison gingen alle vier Partien verloren. Und trotzdem: Der HSCK ist näher an Brühl herangerückt. Diese Einschätzung bestätigt das letzte Kräftemessen vom 13. März, als die Thurgauerinnen beim 20:21 das erste Erfolgserlebnis hauchdünn verpassten. An diese starke Leistung wollen Topskorerin Pashke Marku und ihre Teamkolleginnen im Playoff anknüpfen. «Wir möchten Spass haben, die Playoffspiele geniessen, dabei aber trotzdem unser bestes Niveau abrufen und den Gegner fordern», sagt Marku.

Kreuzlingens Trainerin Kristina Ertl-Hug will den grossen Favoriten Brühl mit taktischen Feinheiten zum Stolpern bringen.

Kreuzlingens Trainerin Kristina Ertl-Hug will den grossen Favoriten Brühl mit taktischen Feinheiten zum Stolpern bringen.

Mario Gaccioli

In den vergangen drei Wochen haben sich die Kreuzlingerinnen intensiv auf die Playoff-Halbfinalserie vorbereitet. Sowohl in athletischer als auch in taktischer Hinsicht wurde nochmals viel gearbeitet. «Wir sind bereit, wenn sich die Chance dazu bietet», sagt Trainerin Kristina Ertl-Hug. Sie kann für die erste Playoff-Partie am Mittwochabend auf alle Spielerinnen zurückgreifen. «Die vergangenen Spiele haben gezeigt, dass uns meist Schwächephasen um ein besseres Ergebnis gebracht haben. Daran haben wir gearbeitet.» Den favorisierten Gegner wolle man mit «taktischen Feinheiten» fordern, so Ertl-Hug. «Der HSC Kreuzlingen wird in diesem Playoff überraschen.»

Brühl erleidet Rückschlag just vor dem Playoff

Ein Blick auf das Kader des Gegners Brühl offenbart enorm viel Qualität und Breite bei den St. Gallerinnen. Mit der Linkshänderin Malin Altherr steht eines der grössten Schweizer Talente im Aufgebot des LCB. Die 18-Jährige hat bereits zwölf A-Länderspiele absolviert, zuletzt auch das WM-Playoff gegen Tschechien, und ist mit 106 Treffern die Topskorerin des Qualifikationssiegers. Ebenfalls erst 18 Jahre alt ist die grossgewachsene Kreisläuferin Tabea Schmid (4 A-Länderspiele). Und mit Torhüterin Sladana Dokovic (26/24 A-Länderspiele) weiss Trainer Nicolaj Anderssson eine dritte Schweizer Nationalspielerin in seinem Team.

Routinier Kathryn Fudge (mit Ball) ist eine Schlüsselspielerin im Kollektiv des LC Brühl.

Routinier Kathryn Fudge (mit Ball) ist eine Schlüsselspielerin im Kollektiv des LC Brühl.

Benjamin Manser

Vielleicht die Schlüsselfigur schlechthin in Brühls Spiel ist aber die 51-fache britische Internationale Kathryn Fudge. Die mit ihren 32 Jahren überaus routinierte Rückraumspielerin hat in bisher 223 NLA-Partien für Brühl 906 Treffer erzielt. Fudge ist zudem eine mindestens ebenso gute Vorbereiterin, wovon primär die starke kroatische Kreisläuferin Martina Pavic immer wieder profitiert.

Just vor dem Playoff-Start musste Brühl am vergangenen Samstag im Cup-Halbfinal einen empfindlichen Rückschlag einstecken. Die St. Gallerinnen unterlagen Zug in der eigenen Halle überraschend deutlich mit 24:33 und verpassen somit in dieser Saison mindestens zwei von drei Zielen (Supercup und Cup). Damit bleibt für den Titelanwärter nur noch die Meisterschaft, die Brühl zum 32. Mal nach St. Gallen holen möchte.