Pilz rafft in Kreuzlingen 130 Bäume dahin

Die Stadt Kreuzlingen muss im Chogenbachtobel zahlreiche kranke Eschen fällen. Sie machen dort die Hälfte aller Bäume aus.

Rahel Haag
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Die Kronen kranker Eschen lichten aus, die neuen Triebe verbuschen – wie hier im Bisenwäldli zwischen Altenrhein und Rheineck.

Die Kronen kranker Eschen lichten aus, die neuen Triebe verbuschen – wie hier im Bisenwäldli zwischen Altenrhein und Rheineck.

(Bild: Hanspeter Schiess)

Die Situation erfordert drastische Massnahmen. Im Chogenbachtobel in Kreuzlingen leiden zahlreiche der 40- bis 70-jährigen Eschen unter der Eschenwelke. Innert weniger Jahre lässt ein Pilz die Bäume welken und absterben. Dann werden sie zum Sicherheitsrisiko für die darunterliegenden Siedlungen. Denn: Bei Sturm und Starkregen können herunterfallende Äste und umgekippte Stämme vom Chogenbach mitgerissen werden, die Eindolung unter der Romanshornerstrasse verstopfen und den Bach überlaufen lassen.

Die Eschenwelke

Die Ursache für die Eschenwelke, auch Eschensterben oder Eschentriebsterben genannt, ist ein in den 1990er-Jahren aus Asien eingeschleppter Pilz. Er befällt ausschliesslich Eschen. Die Folgen eines Befalls sind welkende Blätter im Frühsommer sowie abgestorbene Triebspitzen und Zweige an jungen Eschen. Der Pilz wandert von den Blättern Richtung Blattstiel und schliesslich ins Holz. Dort verursacht er braun bis orange verfärbte, abgestorbene Rindenregionen, sogenannte Nekrosen. Pflanzenteile oberhalb dieser Nekrosen werden nicht mehr mit Wasser versorgt und sterben anschliessend ab. Bis heute sind keine wirksamen Massnahmen zur Bekämpfung des Pilzes bekannt. (rha)

Vom 24. Februar bis Ende März plant die Stadt deshalb, die kranken Eschen zu fällen. «Es handelt sich um einen massiven Eingriff», sagt Stefan Braun, Umweltbeauftragter der Stadt.

Stefan Braun, Umweltbeauftragter der Stadt Kreuzlingen.

Stefan Braun, Umweltbeauftragter der Stadt Kreuzlingen.

(Bild: Donato Caspari)
«Etwa 70 bis 80 Prozent der Eschen oder die Hälfte aller Bäume im Tobel müssen gefällt werden.»

Insgesamt sind 130 Bäume betroffen. Bereits vor rund sechs Jahren mussten im Tobel kranke Eschen gefällt werden. «Damals haben wir einzelne Eschen, die noch gut aussahen, stehen lassen», sagt Braun, «in der Hoffnung, dass sie eine Resistenz gegen den Pilz entwickeln.» Diese Hoffnung hat sich zerschlagen. «Nun müssen auch diese Bäume gefällt werden.»

Eichen, Ahorne oder Linden statt Eschen

Im Anschluss an die sogenannte Sicherheitsholzung werden im Chogenbachtobel neue Bäume gepflanzt. «Sicher keine Eschen mehr», sagt Braun. Stattdessen werde man auf einheimische, standortgerechte Waldbäume – wie zum Beispiel Eichen, Ahorne oder Linden – setzen.

«Wir werden uns die Situation vorab anschauen und mit einem Förster besprechen.»

Während der Arbeiten müssen die Steig-, die Käsbach- und ein Teil der Besmerstrasse punktuell gesperrt werden, um ein Teil der Bäume mit einem Kran abtransportieren zu können. «Die Zufahrten zu den Liegenschaften bleiben gewährleistet», sagt Braun. Der Spazierweg entlang des Chogenbachs bleibt in diesem Zeitraum dagegen gesperrt.

Hinweis: Am Freitag, 7. Februar, um 18 Uhr, führt die Stadt vor Ort einen Infoanlass durch. Treffpunkt ist an der Ecke Steigstrasse/Romanshornerstrasse.