Artenvielfalt
Pilotprojekt bei Gottlieben: Totholzburgen schützen gefährdete Fische vor Fressfeinden

Zur Förderung der Fischfauna wurde im Seerhein eine tolle Laichumgebung geschaffen. Vielleicht ist so die Äsche doch noch zu retten.

Martina Eggenberger Lenz
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Die Drohnenaufnahme der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung zeigt die Totholzburgen.

Die Drohnenaufnahme der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung zeigt die Totholzburgen.

Bild: PD/Hydra GmbH

Gute Nachrichten für die Fische im Seerhein: Bei Gottlieben ist ein Pilotprojekt zur Förderung kieslaichender Arten realisiert worden. Auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern wurde Ende November eine komplexe Habitatmatrix geschaffen, wie die kantonale Jagd- und Fischereiaufsicht mitteilt. 300 Quadratmeter Kies bieten verschiedenen Fischarten wie zum Beispiel der stark gefährdeten Äsche neue Fortpflanzungshabitate. Totholzburgen schützen sowohl ausgewachsene als auch junge Individuen vor Fressfeinden.

Tote Äschen aus dem Rhein im Hitzesommer 2018.

Tote Äschen aus dem Rhein im Hitzesommer 2018.

Bild: David Grob

Die Hitzesommer 2003 und 2018 hatten einen dramatischen Verlust der Äschenpopulation im Hochrhein zur Folge. Es wird von einem Rückgang von um die 90 Prozent des Bestandes ausgegangen. Umso dramatischer sind diese Zahlen, da die Hochrheinäschenpopulation in Europa als eine der wertvollsten Population überhaupt gilt.

Der Seerhein ist ein guter Lebensraum

Kiesbänke, unterschiedliche, nah beieinanderliegende Wassertiefen, klares Wasser und Futtereinträge durch den See repräsentieren den idealen Lebensraum. Historisch war neben dem Rhein oberhalb Schaffhausen auch der Seerhein zwischen Konstanz und Gottlieben ein geeigneter Lebensraum für diese Fischart. Da man jedoch auch hier über die letzten Jahrzehnte einen drastischen Rückgang des Äschenbestandes verzeichnete, wurde durch die Jagd- und Fischereiverwaltung ein mögliches Förderprogramm geprüft und diesen Spätherbst im Rahmen eines ersten Pilotprojekts umgesetzt. Die Gesamtkosten belaufen sich gemäss Daniel Moser, wissenschaftlichem Mitarbeiter, auf rund 100'000 Franken.

Das Projekt fokussiert auf der Äsche, stellt aber auch anderen Arten Laichhabitat und allgemein Lebensraum zur Verfügung. Die Äsche hat es nicht nur Klimawandel bedingt schwer in unseren Breitengraden. Auch das Verbot der Kormoranjagd komme ihr nicht gerade entgegen, wie Moser erklärt. Die ausgewählte Fläche liegt westlich von Gottlieben beim Chöpfli und weist ideale Strömungsverhältnisse, Untergrund und Wassertiefen auf. Auf einer Fläche von einem Quadratkilometer wurden mit einem Ponton und einem Schreitbagger etwa 300 Kubikmeter Kies verteilt und insgesamt fünf voluminöse Totholzburgen im Sediment verankert.

Bauarbeiten für die neuen Kinderstuben der Äschen vor Gottlieben.

Bauarbeiten für die neuen Kinderstuben der Äschen vor Gottlieben.

Bild: PD/Hydra GmbH

Erfolgskontrolle in zwei Jahren

Die Totholzburgen weisen bewusst unterschiedliche Grössen auf und wurden aus verschiedenartigen Holzmaterialien gebaut. Verwendet wurden Teile von Baumkronen sowie kleine und grosse Wurzelstöcke von verschiedenen Baum- und Straucharten, welche mit Holzpfählen tief in das Sediment verankert wurden.

Das Pilotprojekt wird durch ein Ökobüro mit einer Erfolgskontrolle begleitet. Der erfasste Vorzustand wird mit demjenigen in zwei Jahren verglichen. Man habe festgestellt, dass der Schilfgürtel aktuell relativ stark besiedelt ist. Nur von Jungfischen, aber immerhin in grosser Diversität. «Äschen haben wir allerdings keine gesehen», sagt Moser. Es wird beurteilt, ob die kieslaichenden Fischarten diese Kiesfläche für ihre Fortpflanzung annehmen und ob die Totholzstrukturen als Lebensraum und Versteckmöglichkeiten, insbesondere gegen Fressfeinde wie den Kormoran, Gänsesäger und andere, funktionieren. «Die Natur kann sich relativ rasch erholen, wenn nicht eine existenzielle Gefährdung im Spiel ist.» Bei Erfolg beabsichtigt die Jagd- und Fischereiverwaltung, die gewonnenen Erkenntnisse auf weitere, nahe gelegene Flächen im Seerhein auszuweiten.