Pfarrer Lars Heynen verlässt Wigoltingen und sagt: «Die Kirche vermittelt Werte»

Nach zwölf Jahren als Pfarrer in Wigoltingen und Raperswilen wechselt Lars Heynen nach Niederuzwil. Ende Juli nimmt er Abschied.

Manuela Olgiati
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Pfarrer Lars Heynen am Haupteingang der evangelischen Kirche von Wigoltingen.

Pfarrer Lars Heynen am Haupteingang der evangelischen Kirche von Wigoltingen. 

(Bild: Manuela Olgiati)

An den Moment, als er mit 33 Jahren das erste Mal die evangelische Kirche in Wigoltingen betrat, erinnert sich Pfarrer Lars Heynen noch genau. Es war 2008, als er sich um die freie Pfarramtsstelle bewarb. Seine damalige Verlobte, Christiane Schild begleitete ihn. Sie hatten Hochzeitspläne. Beide waren vom Ort und den Menschen angetan, sie fühlten sich angenommen.

Lars und Christiane Heynen sind zu einer Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern herangewachsen. «Wir wollen nun Neues beginnen, bevor die Kinder an die Sekundarschule wechseln», sagt Heynen. Am 1. August tritt er seine neue Stelle als Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil an.

Von der Grossstadt aufs Dorf

Heynen ist in Deutschland aufgewachsen. Nach einem Studium als Sozialpädagoge und der Ausbildung als Grosshandelskaufmann schloss er ein Studium der Theologie ab. Er war Pfarrer in Waldbröl bei Köln, bevor er in die Schweiz kam. Nach seiner Wahl erst als Verweser, ging er in seiner ersten Predigt auf die Bibelfigur Abraham ein. Auch Abraham habe sich auf den Weg gemacht, denn der Glaube gab ihm den Mut, eine Reise ins Ungewisse anzutreten. «Das Ziel bestimmt auch heute unsere Wege.»

Doch der Abschied schmerzt. «Wir fühlen uns sehr wohl», sagt der 45-jährige Pfarrer. Lars Heynen war von Beginn an gut in die Dörfer von Raperswilen und Wigoltingen integriert. Im wöchentlichen Wechsel finden in den Kirchen beider Orte Gottesdienste statt. Mit seiner ruhigen und empathischen Art wird er bei den Kirchbürgern geschätzt. Kirche leben und Werte vermitteln, bedeuten dem evangelischen Pfarrer viel.

Ein roter Faden zieht sich durch die Bibel 

«Gesellschaftlich geschätzte Werte, auch von Menschen, die auf Distanz zur Kirche gehen, kommen nicht aus einem wertfreien Raum. Wir finden sie, wenn wir den roten Faden der Bibel suchen, der Leben fördern will und den Menschen eine unverlierbare Würde zuspricht», sagt Heynen. Deshalb brauche es engagierte und kritische Menschen in Kirchgemeinden. Ausserhalb der Kirche ist Heynen seit drei Jahren bei der Feuerwehr Märstetten-Wigoltingen aktiv im Atemschutztrupp.

Ein Pfarramt macht Veränderung möglich. Lars Heynen engagiert sich in der Jugendarbeit, führt Gruppen aller Generationen zusammen, leitet Gespräche, organisiert den Religionsunterricht an den Schulen. Ein Angebot hat er gerade in der Corona-Krise für die Senioren initiiert. Unter dem Motto «Zusammenhalten in verunsichernden Zeiten», unterstützt er ältere Menschen und koordiniert mit Helfern die Einkaufs- und Fahrdienste.

Angebote in der Kirche auch für Babys

Heynen begleitet die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger in allen Lebensbereichen. Zu Beginn waren es Beerdigungen von Persönlichkeiten aus der Kirchgemeinde, die ihm schnelle Kontakte brachten. Mittlerweile gibt es neue Teams und Angebote, wie den Krabbelgottesdienst, die offene Jugendgruppe und die «Initiative für moderne Gottesdienste». «Wenn ich nun Abschied nehme von Wigoltingen, behalte ich Erinnerungen an eine schöne Zeit mit vielen bereichernden Begegnungen.» 

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