Pfarrer Karl F. Appl geht in Pension und erzählt, warum die Drei Könige ihn bewogen, Pfarrer zu werden

Nach 23 Jahren als Pfarrer in Märstetten geht Karl Friedrich Appl im Sommer in Pension. Ein Abschlussfest konnte wegen der Pandemie nicht stattfinden.

Werner Lenzin
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Karl F. Appl ist seit 1998 Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Märstetten. Nun wird er pensioniert.

Karl F. Appl ist seit 1998 Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Märstetten. Nun wird er pensioniert.

Bild: Reto Martin (Märstetten, 5. Juni 2020)

Leere Kirchen, aber keine gähnende Leere. Doch zu Coronazeiten musste auch der Märstetter Pfarrer Karl F. Appl im menschenleeren Gotteshaus predigen. Die Predigten – aufgenommen von seiner Frau Blanca – erfreuten sich im Netz jedoch grosser Beliebtheit.

Eigentlich wären die «Lange Nacht der Kirchen» von Anfang Juni und eine geplante Abschiedsfeier die abschliessenden Höhepunkte seiner Pfarrtätigkeit gewesen. Doch wegen Corona musste Karl F. Appl auf beides verzichten. Denn nach 23 Jahren als Pfarrer in Märstetten geht Appl diesen Sommer in Pension.

Der Weg auf die Kanzel um zu predigen, war für Appl kein einfacher und ein langer. Aufgewachsen in Hailer, 50 Kilometer östlich von Frankfurt, als Sohn eines Fliessbandarbeiters bei der Firma Dunlop und einer Verkäuferin, bezeichnet sich der heute 65-Jährige als Kind des Kalten Krieges. «Unser 3000-Seelen-Dorf stand auf der imaginären Frontlinie des Kalten Krieges und die Begegnung mit amerikanischen Soldaten war Alltag», erinnert er sich.

Die Drei Könige haben ihn fasziniert

Seit seinem sechsten Lebensjahr war für ihn klar: «Ich möchte einmal Pfarrer werden.» Dieser Entschluss geht zurück auf ein Krippenspiel, das er mit seiner Oma an Heilig Abend besuchen durfte. «Ich war fasziniert von den drei Königen in ihren bunten Gewändern.» In der Folge besuchte er Sonntag für Sonntag den Kindergottesdienst.

Kurz nach der Einschulung erlitt Appl eine unerklärliche Infektionskrankheit. Diese fesselte ihn während sieben Monaten ans Bett, zunächst zu Hause und dann im Spital. «Meine Mutter hat mir während ihren Besuchen hinter einer Scheibe die Buchstaben gelehrt und eine Nachtschwester las mir biblische Geschichten vor.» Für ihn ist rückblickend klar: «Meine religiöse Prägung entstand aus einer Notsituation heraus; mein Pfarrer und das Krippenspiel weckten in mir den Wunsch, selbst Pfarrer zu werden.»

Als Lehrer in Südamerika

Aus finanziellen Gründen wurde ihm der Besuch des Gymnasiums zunächst verwehrt. Aber er leitete zwischen dem 14. und 20. Lebensjahr selbstständig die Kindergottesdienste und erzählte den Kindern mit Begeisterung biblische Geschichten. Später studierte der junge Appl Theologie, Politik und Geschichte für das Lehramt. Die Zusammenarbeit mit einem – wie er sagt – jungen und offenen Pfarrer führte zum endgültigen Entschluss, an der Universität Marburg Theologie zu studieren.

Karl F. Appl in der Märstetter Kirche.

Karl F. Appl in der Märstetter Kirche.

Bild: Reto Martin

Durch ein Praktikum kam der junge Theologe nach Zürich-Wollishofen und erhielt 1986 seine erste Stelle in Nesslau im Toggenburg. Auf Anregung der sanktgaller Landeskirche besuchte er eine Weiterbildung in Basel, wo er sich später zum ökumenischen Mitarbeiter ausbilden liess. Den Ausschlag dafür gaben seine zahlreichen Reisen durch Südamerika. «Hier entstand meine Leidenschaft für Land und Leute und es reifte mein Entschluss, an der theologischen Hochschule von Santiago de Chile Kirchengeschichte zu dozieren.»

Eine Stelle in Märstetten nach der Rückkehr

Der Lehrauftrag endete nach sechs Jahren. Appl kehrte zurück in die Schweiz und so kam es zur Anstellung in Märstetten, wo er mit seiner Frau und den drei Kindern ins Pfarrhaus einzog. «Mit den Menschen leben, nicht nur in den Gottesdiensten, sondern auch im Alltag.» Das, sagt Appl, sei ihm immer wichtig gewesen.

So gelange es ihm und seiner zweiten Frau Blanca etwa, jeweils an Heilig Abend in der Kirche ein Krippenspiel zu realisieren und dabei die traditionelle Weihnachtsgeschichte so umzusetzen, dass die befreiende Botschaft des Evangeliums deutlich werden konnte. Institutionalisiert hat Appl das Projekt «Ferien ohne Koffer», eine Möglichkeit für Kinder zwischen Herumtollen und ruhigen Geschichten.