Petition wird nicht erhöhrt: Die Tägerwiler Asylcontainer sind «absolut zumutbar»

Der Gemeinderat sieht keinen Handlungsbedarf bei der Unterbringung von Asylsuchenden. Eine Petition hatte den Standort der Wohncontainer direkt neben der Kompostieranlage kritisiert.

Urs Brüschweiler
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Im Container neben der stillgelegten ARA und der Kompostieranlage leben derzeit fünf Asylsuchende, bis zu 15 hätten Platz. (Bild: Andrea Stalder)

Im Container neben der stillgelegten ARA und der Kompostieranlage leben derzeit fünf Asylsuchende, bis zu 15 hätten Platz. (Bild: Andrea Stalder)

«Wir sehen das Problem nicht so, wie die Petitionäre», sagt Markus Thalmann. Der Gemeindepräsident erzählt, dass gerade kürzlich ein Flüchtling auf der Gemeindeverwaltung erschienen sei, um sich zu verabschieden. «Er war drei Jahre in Tägerwilen untergebracht, hat nun eine Stelle gefunden und bedankte sich für die Unterstützung durch die Gemeinde». Man erhalte also auch positives Feedback, stellt Thalmann klar, um die Haltung des Gemeinderates zu untermauern.

Gar nicht zufrieden mit der Tägerwiler Asylunterkunft sind hingegen Simone und Andy Vogel aus Wäldi. Vor Weihnachten hatten sie eine Petition mit 217 Unterschriften eingereicht. Die Lösung mit den Wohncontainern unmittelbar bei der Kompostieranlage sei menschenunwürdig.

Aufrufe an die Bevölkerung blieben erfolglos

Nun liegt die ausführliche Antwort des Gemeinderates vor. Tägerwilen habe sich stets sehr engagiert bei der Aufnahme und der Betreuung von Flüchtlingen. Doch sei die Suche nach geeignetem Wohnraum schwierig. Aufrufe an die Bevölkerung, dass man Zimmer suche, waren ohne zählbaren Erfolg geblieben. Unter Druck und mangels Alternative nahm die Gemeinde 2013 eine Containersiedlung in Betrieb, auf eigenem Grund bei der Kläranlage. Seit 2015 betreut Tägerwilen überdies auch die Asylsuchenden, die Wäldi zugewiesen werden.

2013 wurden die ersten Container in Betrieb genommen, später folgte eine Erweiterung. (Bild: Andrea Stalder)

2013 wurden die ersten Container in Betrieb genommen, später folgte eine Erweiterung. (Bild: Andrea Stalder)

«Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass am aktuellen Standort zeitweise Geruchsimmissionen vorhanden sind; dies jedoch nicht permanent, sondern je nach Arbeit und Windverhältnissen», schreibt der Gemeinderat. Auch Mitarbeiter der Gemeinde, der nahen Mowag oder Anwohner müssten diese in Kauf nehmen. Die Kläranlage sei allerdings mittlerweile stillgelegt. In der Petitionsantwort heisst es:

«Die Unterkunft erfüllt ihren Zweck und gilt als absolut zumutbare Lösung.»

Man sehe vorerst keinen Anlass, etwas an der Situation zu ändern. Der Gemeinderat lässt aber auch durchblicken, dass eine Luxuslösung gar nicht angestrebt wird. «Unsere Erfahrung zeigt, dass Asylsuchende, die die Unterkunft schnell verlassen wollen, sich intensiv um ihre Integration und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit bemühen.»

Schlechter Ruf  bei den Flüchtenden

Simone Vogel stört sich an dieser Haltung, sie findet die Antwort der Gemeinde zynisch. Sie kennt von ihrer Mitarbeit im Kreuzlinger Flüchtlings-Café Agathu einige der betroffenen jungen Männer persönlich und steht auch noch mit ehemaligen Bewohnern in Kontakt.

«Sie nehmen die Container durch die Enge als feindlichen Ort war.»

Frauen oder Familien würde man dort nicht unterbringen. Tägerwilen habe bei Asylsuchenden einen extrem schlechten Ruf. Einer habe sogar eine Schule abgebrochen mit der Begründung, er müsse Geld verdienen, um ausziehen zu können. «Sie wollen so schnell, wie möglich weg. Aber das sind Leute, die traumatisiert sind, die schon mehrere Jahre auf der Flucht sind.» Nur wenn man sich um sie kümmert, haben sie eine Chance. Andy Vogel pflichtet ihr bei und ergänzt, dass für Kompostieranlagen eigentlich ein Mindestabstand von 300 Metern zu Wohnsiedlungen empfohlen wird.

Vogels haben Mühe, dass die Gemeinde nun einfach sagt, es sei okay so. Sie sind sich wohl bewusst, dass Tägerwilen auch viel leiste für die Flüchtlinge und ihre Integration. Auch dass es schwierig ist, eine geeignete Unterkunft zu finden ist ihnen klar. «Als es damals die Probleme gab in der letzten Unterkunft, ist in der Bevölkerung viel Goodwill verloren gegangen. Aber die heutigen Flüchtlinge haben mit denen von damals rein gar nichts zu tun.»

Offen für bessere Vorschläge

Eine Tür lässt der Gemeinderat in seiner Antwort noch offen: «Falls die Petitionäre eine umsetzbare und realistische Alternative aufzeigen können, ist der Gemeinderat bereit, das Thema nochmals zu diskutieren.» Andy und Simone Vogel wiederum sind sich sicher, dass der Gemeindepräsident in der Lage wäre, eine besser Lösung zu finden.

Umzugstermin für die Asylsuchenden

Die Gemeinde Tägerwilen hat vor einer Woche einen Container als Unterkunft für die ihr zugewiesenen Asylbewerber in Betrieb genommen. Der Standort scheint viele Probleme zu lösen.
Urs Brüschweiler