Petition will Flüchtlinge aus Tägerwiler Kompostsiedlung holen.

Viviane Vogel
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Die Petitionäre Andy und Simone Vogel-Kappeler mit den Gemeindepräsidenten Markus Thalmann und Adrian König. (Bild: Viviane Vogel)

Die Petitionäre Andy und Simone Vogel-Kappeler mit den Gemeindepräsidenten Markus Thalmann und Adrian König. (Bild: Viviane Vogel)

Adrian König und Markus Thalmann haben einen Kompost-Behälter gefüllt mit Unterschriften erhalten. Er ist symbolisch für das Anliegen der Petition, die den Gemeindepräsidenten von Wäldi und Tägerwilen kurz vor Weihnachten überreicht wurde.

Simone Vogel-Kappeler, Initiantin der Petition, erklärt: «Es geht uns um den Ort, an dem Flüchtlingsunterkünfte eingerichtet worden sind.» Die Flüchtlinge, die Tägerwilen und Wäldi zugewiesen worden sind, wohnen unmittelbar neben der Kompostieranlage, am nordöstlichen Rand von Tägerwilen. Die Petition fordert eine menschenwürdigere Unterbringung und hat für ihr Anliegen 217 Unterstützer gefunden.

Thalmann erwidert: «Es riecht schon ab und an etwas unangenehm. Aber es arbeiten auch Leute von uns dort. Ausserdem stand da früher einmal ein Wohnhaus.» Die Flüchtlinge seien gar nicht oft in diesen Containern, sie schlafen da eigentlich nur. Vogel-Kappeler antwortet:

«Das hat einen Grund. Ich spreche oft mit ihnen und sie haben mir bereits wiederholt erzählt, dass sie den Ort als feindlich empfinden. Ihnen geht es dort nicht gut.»

Sie arbeitet ehrenamtlich mit Flüchtlingen zusammen. Thalmann nimmt die Unterschriften entgegen. «Wir wollten die Container ursprünglich an einen anderen Ort stellen. Allerdings stiessen wir da auf starken Widerstand aus der Bevölkerung.»

Eine Lage, welche die Menschen verletzt

Die Petitionärin und ihr Mann, Andy Vogel, verstehen, dass es keine einfache Aufgabe ist. «Aber die Symbolik und die Implikationen der Lage können nicht ignoriert werden. Weder von uns noch von den Flüchtlingen. Sie fühlen sich als Abfall behandelt.» Dieses Gefühl scheint nicht zu heilen.

«Für Wäldi kommt es sehr gelegen, dass wir mit Tägerwilen zusammenarbeiten und den uns zugewiesenen Flüchtling hier unterbringen können», sagt Adrian König. Auch diesen Umstand wollen die Petitionäre nicht schlechtreden. Ziel der Petition ist nicht, die Integrationsarbeit anzugreifen. «Es geht uns primär um die Wohnsituation», erklärt Andy Vogel.

Der Ort hat eine grosse Symbolik

Vor gut einem Monat wurde die Petition lanciert. «Ich kenne seit drei Jahren viele der zugewiesenen Flüchtlinge persönlich», berichtet Simone Vogel-Kappeler. In dieser Zeit sei ihr mehr und mehr aufgefallen, wie schlecht es den Menschen in der Kompostsiedlung gehe – des Gestankes wegen, aber vor allem aufgrund der Symbolik. «Irgendwann habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten.»

Andy Vogel unterstützt die Petition: «Ich empfinde es als unwürdig, Menschen in einer solchen Weise unterzubringen. Wir erwarten von ihnen Integration, drängen sie aber de facto an den Rand der Gesellschaft.» Das Anliegen wird nun erst einmal im Gemeinderat diskutiert. Innert sechs Monaten dürfen die Petitionäre eine Rückmeldung erwarten.

Hinweis Die Autorin ist die Tochter der Petitionäre Andy und Simone Vogel.