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Peter Stamm füllt Ermatingen mit Geschichten und heiteren Diskussionen

Das Festival «Literatur am Untersee» hat am Sonntagvormittag zahlreiche Leseratten ins Alte Debrunner-Haus gelockt, die den Thurgauer Autor lesen hören wollten.
Viviane Vogel
Der Thurgauer Autor Peter Stamm während seiner Lesung im alten Debrunner-Haus. (Bild: Reto Martin)

Der Thurgauer Autor Peter Stamm während seiner Lesung im alten Debrunner-Haus. (Bild: Reto Martin)

«Die weiblichen Figuren im eigenen Roman einfach nur ausziehen, das geht natürlich nicht», sagt Autor Peter Stamm. «Wenn man jedoch Menschen beobachtet und sich wirklich in sie hineinfühlt, dann kann man als älterer Mann auch die Sicht einer 21-Jährigen wiedergeben. Das ist nicht so schwierig.» Der Unterschied zwischen Mann und Frau sei nicht so gross.

Damit bringt Stamm seine anwesenden Zuhörer zum Johlen und Lachen. Er schaut verdattert auf und bekräftigt noch einmal seine Aussage, was jedoch in reger Diskussion untergeht. Andere, weniger philosophische Fragen werden in der Diskussionsrunde munter gestellt. Das Publikum saugt Stamms Antworten neugierig auf.

Einer der Zuhörer fragt, ob Schreiben so wie Radfahren sei, nämlich, dass man es nie verlernt. «Ich glaube, es ist eher so, dass man es nie lernt», sagt Stamm bescheiden. «Bei jedem Anfang einer neuen Geschichte denke ich mir erst mal: ‹Mein Gott, wie habe ich das denn letztes Mal geschafft?›»

Japaner lesen über das Steckborner Bahnhofrestaurant

Eine der Kurzgeschichten, die der Autor vorliest, findet in Steckborn im Bahnhofrestaurant statt. Sie heisst Sweet Dreams und wurde schon auf Englisch und sogar Japanisch übersetzt. Das ist für Stamm eine schräge Vorstellung: «Ich würde gerne herausfinden, wie sich mein Buch von einem New Yorker oder Tokioter liest, der keine Ahnung von Steckborn und dem Bahnhofrestaurant hat.»

Das Ende von Sweet Dreams überrascht das Publikum und entlockt ihm heiteres Gelächter. Eine Zuhörerin will wissen, ob Stamm die Enden seiner Erzählungen zuerst schreibt, oder erst am Schluss. «Ich weiss anfangs einer Geschichte nie, wohin sie führen wird», antwortet der Autor. «Sie entwickelt sich von selbst.»

Wo Autoren Texte lebendig werden lassen

Die heitere Diskussionsrunde am Sonntagvormittag zeigt, dass das Literaturfestival, welches 2007 von Margit und Adolf Jens Koemeda initiiert wurde, die Führungsübergabe gut überstanden hat. Die neue Leitung besteht nun aus dem Ehepaar Müller, Gastgeber im Alten Debrunner-Haus, sowie Irene von Ballmoos. «Bisher empfinden wir das Unterfangen als sehr gelungen. Gestern haben buchstäblich alle mitdiskutiert».

Für die Koemedas ist es eine Herzensangelegenheit, möglichst viele Menschen von ihren elektronischen Geräten weg, hinein in die Bücherwelt, zu führen. «Menschen sollen sich in Bücher verlieben, mit Freunden darüber diskutieren und sich streiten! Fernab von den störenden Kurznachrichten auf dem Smartphone.»

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