Peter Stamm wird in Weinfelden geehrt – ein Weg trägt nun seinen Namen

Die Stadt ehrt den in Weinfelden aufgewachsenen Autor Peter Stamm. Der Weg entlang des Giessens trägt seit Samstag seinen Namen.

Viviane Vogel
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Autor Peter Stamm nimmt bei der Enthüllung der Weg-Tafel die Glückwünsche des Weinfelder Stadtpräsidenten Max Vögeli entgegen. (Bild: Reto Martin)

Autor Peter Stamm nimmt bei der Enthüllung der Weg-Tafel die Glückwünsche des Weinfelder Stadtpräsidenten Max Vögeli entgegen. (Bild: Reto Martin)

Ein kleiner Junge, der lieber Buchstaben aneinanderreihte und seiner Mutter Briefchen schrieb – wenn auch nicht in besonders schöner Schrift – statt mit Kollegen auf dem Schulweg zu plaudern. So beschreibt Stadtpräsident Max Vögeli die Kindheit des Buchautors Peter Stamm. Vögeli sagt:

«Als ich ihn fragte, welche seiner zahlreichen Auszeichnungen ich erwähnen soll, winkte Stamm ab»

«Er erwiderte, dass ja eigentlich nur der Nobelpreis erwähnenswert sei.» Verschmitzt fügt der Stadtpräsident an: «Wir werden Deine Ehrentafel entsprechend anpassen, wenn’s so weit ist.»

Es geht um zwei Weinfelder Schätze

Entlang des Giessens von der Rathausstrasse bis zur Storchenstrasse gibt es ab jetzt einen «Peter-Stamm-Weg». Die feierliche Einweihung fand am Samstagvormittag statt, wobei sowohl der Dorfbach als auch der Autor geehrt wurden. Vor Übergabe des Wegschildes zeigt Dorfhistoriker Martin Sax Bilder und präsentiert einen geschichtlichen Abriss. «Isch scho verruckt», flüstert eine Besucherin, fasziniert darüber, wie weit die Vergangenheit des Giessens und Weinfeldens zurückgeht.

Nach der Übergabe kündigt Stamm auf Schweizerdeutsch an, dass er seine Dankesrede auf Hochdeutsch halten werde. Sobald er wechselt, wähnt man sich gleich in einer Lesung. «Offiziell wird vom Bund empfohlen, die Benennung nach noch lebenden Personen zu vermeiden. Optimalerweise sollte man nach dem Tod der Person fünf Jahre damit warten.» Die Anwesenden müssen lachen über diesen trockenen Einstieg.

«Ich war erst einmal baff, als ich den Anruf erhalten habe. Danach habe ich mich gefreut.»

Und dann folgte die Angst. «Was, wenn die Weinfelder die Tafel sehen, und sich fragen, warum gerade ich diese Ehrung verdiene?» Bescheiden zählt Stamm die Namen von Leuten auf, denen diese Ehre ebenso zustehen würde.

Ein Stück Stamm bleibt immer in Weinfelden

Dann kommt er darauf zurück, was ihm diese Widmung bedeutet. «Sein Dorf erscheint einem Kind als die ganze Welt», sagt er. «Es ist mehr als nur die Summe der Einwohner. Es ist eine Gemeinschaft. In der Erde ist ein Stück von dir, egal, wohin es dich verschlägt.» Und genau das bedeutet dieser Weg für ihn. «Dieser Weg repräsentiert das Stück von mir, das immer hierbleiben wird, egal, wo ich gerade bin», sagt Peter Stamm.