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Peter Schumacher verlässt das Wohnheim Sonnenrain in Zihlschlacht

Ende Juni hat Peter Schumacher seinen letzten Arbeitstag im Wohnheim Sonnenrain. Nach 20 spannenden, herausfordernden Jahren geht er in Pension und legt die Leitung in andere Hände.
Georg Stelzner
Peter Schumacher, von 1999 bis 2019 Leiter des Wohnheims Sonnenrain in Zihlschlacht. (Bild: Donato Caspari)

Peter Schumacher, von 1999 bis 2019 Leiter des Wohnheims Sonnenrain in Zihlschlacht. (Bild: Donato Caspari)

«Ich bin ein Dinosaurier, der ausstirbt», sagt Peter Schumacher. Er schmunzelt dabei, doch mit der selbstironischen Äusserung bringt der langjährige «Sonnenrain»-Leiter seine Skepsis gegenüber jener Entwicklung im Heimwesen zum Ausdruck, die er seit 1999 hautnah miterlebt hat.

Markante Veränderungen seit 1999

So sind etwa die Ausbildungsanforderungen markant gestiegen – zum Leidwesen Schumachers teilweise auf Kosten der Sozialkompetenz. Insbesondere mit dem Trend zur umfassenden Regulierung konnte sich Schumacher nie richtig anfreunden.

Regulierung habe Kontrolle zur Folge und diese verschlinge wiederum Geld, das man sinnvoller einsetzen könnte. «Nämlich für Menschen», sagt Schumacher mit Nachdruck und wünscht sich jene Zeiten zurück, als Pestalozzis pädagogische Maxime «Kopf, Herz und Hand» noch uneingeschränkt Gültigkeit hatte.

«Das Wohnheim ist mein Kind»

Das Wohnheim Sonnenrain stand auf wackligen Beinen, als Schuhmacher vor 20 Jahren die Leitung übernahm. Das Personal sei wegen nicht gehaltener Versprechen enttäuscht und die Belegung schlecht gewesen, ausserdem habe es Geldprobleme gegeben, schildert Schumacher die vorgefundene Situation.

Mit einem Konzept sei es gelungen, die Einrichtung auf Kurs zu bringen und den Ruf landesweit entscheidend zu verbessern. «Das Wohnheim Sonnenrain ist mein Kind», sagt Schumacher und vergleicht seine Rolle mit der eines Vaters, dem es gelungen ist, ein Problemkind zu einem Musterknaben zu erziehen.

Im Zentrum sollen die Menschen stehen

Als Leiter war Peter Schumacher für die operativen Belange verantwortlich. Er hatte dafür zu sorgen, dass der Betrieb «läuft» – im Idealfall reibungs- und geräuschlos.

Nicht minder wichtig war Schumacher jedoch auch seine Rolle als Ansprechpartner für Behörden, Ärzte, Angehörige und Angestellte, nicht zuletzt aber für die Heimbewohner, die für ihn ausnahmslos an erster Stelle kamen.

In den vier Jahrzehnten, in denen er beruflich im Sozialwesen tätig war, entwickelte Schumacher ein ganz feines Gespür dafür, wie mit Menschen in extrem schwierigen Lebensphasen umzugehen ist. «Man darf sich nie despektierlich verhalten und muss fähig und willens sein, Wertschätzung zu zeigen», führt Schumacher aus.

Zwischen Empathie und Selbstschutz

Sein Verhältnis zu den Heimbewohnern beschreibt er als «herzlich, aber nicht zu sehr ins Persönliche gehend». Man müsse in der Position des Leiters mitfühlend sein und wissen, dass man jeder Zeit einen ähnlichen Schicksalsschlag erleiden kann.

Zum eigenen Schutz sollte man aber auch darauf achten, von belastenden Situationen nicht vereinnahmt zu werden. Die Trübsal dürfe – auch aus Rücksicht auf die Heimbewohner – in einer solchen Institution nicht die Oberhand gewinnen.

Anderseits bestehe die Gefahr der emotionalen Abstumpfung. Ohne es auszusprechen, gibt Schumacher zu verstehen, dass es sich bisweilen um eine heikle Gratwanderung handelte. Kommt hinzu, dass er als Chef auch eine Vorbildfunktion innehatte. «Ich konnte Berufliches und Privates aber recht gut trennen», räumt er ein.

Keine offenen Wünsche

Obwohl Peter Schumacher erst im nächsten April 65 Jahre alt wird, beendet er seine Berufslaufbahn bereits diesen Sommer. Das Schicksal von vier verstorbenen Kollegen sei ihm eine Warnung, begründet er seine Entscheidung. «Die Monate bis zum Erreichen des Pensionsalters mache ich mir gewissermassen selber zum Geschenk», sagt Schumacher in der festen Überzeugung, richtig zu handeln.

Im Grossen und Ganzen habe er alles realisieren können, was ihm wichtig gewesen sei. «Es war eine ungemein interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit.» Was ihn fehlen wird, das sei die Verbundenheit mit den Heimbewohnern und ihren Angehörigen, vermutet er.

Mehr Zeit für die Hobbies

Angst vor Langeweile habe er jedoch überhaupt nicht, versichert Schumacher und verweist auf seine Steckenpferde. Der pensionierte Heimleiter wird seine Freizeit mit Lesen und Fotografieren verbringen, den Garten besorgen und auf seiner Harley Davidson unterwegs sein.

Seinem Nachfolger als Heimleiter, Marcel Jenni, mag Schumacher keine Ratschläge erteilen. Einen Wunsch hat Schumacher dennoch: «Der Heimbetrieb in Zihlschlacht soll noch lange Zeit aufrechterhalten bleiben.»

Das Wohnheim Sonnenrain in Zahlen

Das Wohnheim Sonnenrain wurde 1997 eröffnet. Es bietet 50 Menschen mit einer durch Krankheit oder Unfall erlittenen Hirnverletzung ein Zuhause. In Kreuzlingen existiert zudem eine externe Wohngruppe mit sieben Plätzen in zwei Wohnungen und einem Atelier. Die Sonnenrain-Bewohner stammen aus sieben Kantonen. Viele übersiedeln nach einem Aufenthalt in der Rehaklinik Zihlschlacht ins Wohnheim. Die Altersskala der Heimbewohner reicht von 18 bis 77 Jahre, das durchschnittliche Alter liegt bei 53 Jahren. Etwa zwei Drittel der Heimbewohner sind Männer. Das Wohnheim Sonnenrain beschäftigt derzeit 110 Personen. (st)

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