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«Mein starker Wille und mein grosses Ego helfen mir»: Der frühere Thurgauer SP-Politiker Peter Gubser kämpft sich nach einem schweren Unfall zurück ins Leben

Zur Zeit sitzt der Arboner Alt-Stadtrat und ehemalige Kantonsrat im Elektro-Rollstuhl. Ein Besuch bei ihm im Schweizer Paraplegikerzentrum in Nottwil LU.
Tanja von Arx
Peter Gubser kann unterdessen die Beine wieder übereinanderschlagen. (Bild: Colin Frei)

Peter Gubser kann unterdessen die Beine wieder übereinanderschlagen. (Bild: Colin Frei)

Peter Gubser steht in einem Wettstreit. Die entscheidende Frage: Wer kann zuerst gehen? Kontrahent ist sein achtmonatiger Enkel Jack. «Ich würde sagen, wir sind gleichauf. Er geht am ‹Stosschärreli›, ich an Barrenholmen», sagt der ehemalige Arboner Stadtrat und SP-Kantonsrat mit einigem Schalk.

Unglücklicherweise war dem vor einigen Wochen noch nicht so. Nach einen schweren Unfall funktionierten beim 69-Jährigen nur noch Hirn und Mund, er ist Tetraplegiker und befindet sich im Schweizer Paraplegikerzentrum in Nottwil LU, der Einrichtung für Querschnittgelähmte.

Frontal mit Töff kollidiert

Das folgenschwere Ereignis: Am 28. August fuhr der ehemalige Lehrer vormittags mit dem Velo auf dem Seeradweg Richtung Konstanz. Er wollte eine Ausstellung über künstliche Intelligenz besuchen. Da kam es beim Bahnübergang Güttingen zur seitlichen Frontalkollision. «Was tut ein Töfffahrer, wenn er die Abschrankung blinken sieht? Genau, er gibt Gas», sagt Gubser. Mehr will er dazu nicht sagen. «Nur das:

Ich habe mein Schicksal akzeptiert und hege keinen Groll.»

An die schätzungsweise drei Sekunden vom Crash bis zum Aufprall kann sich der regional bekannte Alt-Politiker nicht mehr erinnern. Den Rest hat er laut eigenen Angaben bei vollem Bewusstsein erlebt. «Dem Rettungsdienst sagte ich meinen Namen. Bewegen ging aber nicht.» Ausserdem habe er gesagt: «In der rechten Hosentasche ist mein Handy, in der linken mein Portemonnaie.» Er bat die Männer, seine Frau Annemarie anzurufen. «Soviel ich weiss, war mein Helm ziemlich kaputt.»

Ein Helikopter brachte Gubser ins Kantonsspital St.Gallen. Dort operierte man ihn und fixierte zwei seiner Halswirbel, indem man sie mit einer Titanplatte versteifte. Der Durchgang für die Nervenbahn wurde freigelegt, die Bandscheibe rekonstruiert. Danach ging es für ihn von der Intensivstation in die Rehaklinik des Paraplegikerzentrums.

Der sportliche Pensionär erholte sich rasch von der Operation. Bald schon konnte er Arme und Beine wieder etwas bewegen. Nach gut einer Woche bemerkte er jedoch Rückschritte, gewisse Bewegungen gingen nicht mehr. Seine Hände schwollen an. Wie sich herausstellte, waren die Nerven nach dem Aufprall entzündet und aufgequollen. In Nottwil operierte man ihn ein zweites Mal: Die Ärzte sägten sein Rückgrat auf und gaben den Nervenbahnen bei den versteiften Wirbeln mehr Platz.

Kämpfernatur macht stetige Fortschritte

Seither macht Gubser stetig Fortschritte, er ist eine Kämpfernatur.

«Ein Highlight war, als ich per Stift mit der rechten Hand das Handy wieder bedienen konnte.»

Der Kontakt zur Aussenwelt war wiederhergestellt. Heute telefoniert er am liebsten. «Ich schicke aber auch Bilder oder schreibe auf Whatsapp.» Mittlerweile kann er auch die Beine übereinanderschlagen, sowohl die Grobmotorik seiner Arme als auch seiner Beine funktioniert. Sein Ziel ist es, wieder gehen zu können. «Das erreiche ich auch. Ausserdem will ich schwimmen.»

Psychisch hat ihm die Situation nicht allzu sehr zugesetzt.

«Ich hatte Glück im Unglück.»

Zugute komme ihm vor allem seine körperliche Fitness. Gubser ist ehemaliger Marathonläufer. «Auch mein starker Wille und mein grosses Ego sind eine Stütze», sagt er schelmisch. Am wichtigsten ist wohl aber die Unterstützung seiner Frau. Die ausgebildete Krankenschwester hat sich im Paraplegikerzentrum ein Appartement genommen und betreut ihn fünf Tage die Woche. Kinder und Enkel bringen ihm ausserdem Schoggi, Blumen oder Bastelarbeiten vorbei.

Schliesslich ist Gubser verblüfft ob all der Post. «Mit einem Roland Schöni als SVP-Fraktionspräsident habe ich eigentlich nicht viel am Hut, aber siehe da.» Auch der Horner Gemeinderat habe ihm einen Brief geschickt. Und SVP-Kantonsrat Urs Martin sei einer der ersten gewesen, die ihn besucht hätten. «Das stellt einen noch auf.»

Für Peter Gubser ist im Paraplegikerzentrum ein Platz während neun Monaten reserviert. «Ich hoffe aber, dass ich früher gehen kann.» Er möchte dann in Arbon zur Therapie.

«Wer mich kennt, weiss, dass Geduld nicht so meine Stärke ist.»

Jeder Tag ist gefüllt mit Krafttraining, Ausdauersport, Elektrostimulation sowie Ergo- und Physiotherapie. «Besuch kann ich deshalb erst ab 17 Uhr und am Wochenende empfangen», sagt er mit gewohntem Ehrgeiz.

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