Peter Bär – er wohnt in Ermatingen und sportelt in Amriswil

Seit seiner Pensionierung als Chef des kantonalen Sportamtes gehört Peter Bär zum Führungsteam von Volley Amriswil – mit Erfolg.

Interview: Nicole D’Orazio
Drucken
Teilen
Der ehemalige Leiter des Sportamts Thurgau: Peter Bär

Der ehemalige Leiter des Sportamts Thurgau: Peter Bär

Donato Caspari

Anfang Dezember sind Sie ins «Who is Who 2019» der Thurgauer Zeitung aufgenommen worden und gehören zu den hundert wichtigsten Personen im Kanton. War das für Sie eine Überraschung?

Peter Bär: Ja total. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich war völlig baff, als ich die Einladung erhielt. Früher noch, als ich beim kantonalen Sportamt tätig war, hätte ich mir so eine Auszeichnung eher vorstellen können.

Wie waren die Reaktionen?

Die Wahl wurde beachtet und ich habe viele Gratulationen erhalten. Das hat mir natürlich geschmeichelt.

Sie haben die Geschäftsleitung des Volleyclubs Amriswil übernommen − eine zeitintensive Aufgabe?

Ich bin damit gut ausgelastet und setze meine Zeit gerne dafür ein. Ich übernehme viele organisatorische und administrative Aufgaben zum Spielbetrieb wie zum Beispiel die Reservation der Halle, die Planung der Trainings, der Wettkämpfe oder Verbandsarbeit.

Das klingt nach viel Arbeit.

Es ist für mich eine komische Vorstellung, nach der Pensionierung das Gefühl zu haben, man sei völlig frei. Okay, vielleicht in den ersten drei Monaten. Das kommt langen Ferien gleich. Doch danach will man wieder etwas zu tun haben. Ich schätze es sehr, dass ich nun eine neue Aufgabe, einen geregelten Tagesablauf und eine neue Herausforderung habe.

Haben Sie selber Volleyball gespielt?

Ja, ich bin noch immer aktiv. Bei Pallavolo Kreuzlingen, meinem zweiten Verein, bin ich Spielertrainer der 4.-Liga-Mannschaft. Die Spieler sind zwischen 17 und 67 Jahre alt. Das funktioniert super und macht Spass. Es geht nicht darum, aufzusteigen, sondern darum, die Jungen zu fördern.

Welchen Bezug haben Sie zu Volley Amriswil?

Ich bin in Amriswil aufgewachsen und habe hier begonnen, Volleyball zu spielen. Während zehn Jahren spielte ich in der ersten Mannschaft.

Der Verein darf seit September in der neuen Tellenfeldhalle spielen. Was bedeutet Ihnen diese Halle?

Sie ist eine Riesenchance, Volleyball der Bevölkerung als ein attraktives Event zu präsentieren. Wir verfügen nun auch über eine tolle VIP-Lounge sowie eine Tribüne fürs Publikum. Das sind tolle Rahmenbedingungen. Ausserdem ist der Hallenboden im Vergleich zum alten Boden deutlich gelenkschonender, was sich positiv auf die Trainings und die Spieler auswirkt.

Sind Sie an jedem Match präsent?

Nein, das ginge zeitlich nicht auf. Da meine Frau auswärts arbeitet, möchte ich am Wochenende Zeit mit ihr verbringen können. Ich schaue aber, dass ich an den Heimspielen mit dabei bin.

Ist Volleyball die einzige Sportart, die Sie ausüben?

Nein, ich bin polysportiv unterwegs. Ich fahre sehr gerne Ski und das auf einem guten Niveau. Als Junior bin ich sogar Rennen gefahren. Da sich die Volleyball- und Skisaison aber überschneiden, bin ich derzeit nicht so oft auf der Piste.

Zur Person

Donato Caspari

Peter Bär ist 67 Jahre alt und lebt mit seiner Frau in Ermatingen. Aus erster Ehe hat er zwei Söhne und ist auch schon Grossvater. Seine ganze Familie liebt Volleyball. Aufgewachsen ist er in Amriswil und zog später nach Kreuzlingen. Er liess sich zum Lehrer ausbilden und war als solcher in einer Abschlussklasse (Realschule) und später an der gewerblichen Berufsschule tätig. Später nahm er einen Job bei der Schweizer Sporthilfe in Bern an und wechselte daraufhin zum Sportamt des Kantons Thurgau. Seit April 2018 ist er pensioniert und ist Geschäftsführer von Volley Amriswil. Derzeit ist er auch Interimspräsident des Vereins. (ndo)

Wohnen Sie in Amriswil?

Nein, mit meiner Frau in Ermatingen. Das hat sich durch Zufall ergeben. Wir hatten das Glück, von einer Immobilie mit einer tollen Aussicht auf den Untersee und die Insel Reichenau zu erfahren und ergriffen die Chance. Es ist ein Geschenk, dort wohnen zu dürfen.

Wenn Sie den Thurgau verlassen müssten, wohin würden Sie gehen?

Das habe ich schon zweimal getan. Während des Studiums und meiner Tätigkeit bei der Schweizer Sporthilfe lebte ich in Bern. Ich denke, dass ich heute entweder wieder nach Bern oder Basel, dem Arbeitsort meiner Frau, ziehen würde.

Haben Sie eine zweite Heimat?

Nein, ich bin Thurgauer durch und durch. Das war der Grund, weshalb ich aus Bern wieder hierher gezogen bin.

Was tun Sie, um gesund zu bleiben?

Zu wenig. Neben Volleyball fahre ich zwar noch häufig Velo, doch von den Empfehlungen her müsste ich mehr machen. Zum Glück hat sich mein Körper noch nicht dafür gerächt.

Haben Sie ein Morgenritual?

Zuerst sind unsere beiden Katzen an der Reihe. Sie bekommen Futter und ich muss deren Dreck wegmachen. Die beiden sind sehr unterschiedliche Tiere. Ginger, der Kater, ist blitzgescheit. Ihn kann ich sogar dressieren. Mausi, die Kätzin, ist hingegen schon älter und strohdumm. Sie ist dafür sehr zutraulich und sehr lieb. Meine Frau sagt immer, dass Mausi abgöttisch in mich verliebt sei. Sie verfolgt mich auf Schritt und Tritt.

Peter Bär in der neuen Tellenfeldhalle in Amriswil.

Peter Bär in der neuen Tellenfeldhalle in Amriswil.

Bild: Donato Caspari

Können Sie kochen?

Nein, leider nicht. Ich würde aber gerne. Meine frühere und meine jetzige Frau kochen einfach zu gut.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?

Mayonnaise. Wenn die fehlt, wird es schwierig. Ich liebe sie zu Ei, Aufschnitt und zu allem, was man nicht sollte.

Welche Musik haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Meine Frau und ich haben uns kürzlich ein elektronisches Klavier angeschafft. Wir sind nun am Üben.

Was für Musik spielen Sie?

Querbeet, vor allem Pop. Klassik ist noch zu schwierig für mich.

Welches Buch lesen Sie zurzeit?

Zuoberst auf dem Stapel liegt «Am Arsch vorbei geht auch ein Weg» von Alexandra Reinwarth. An diesem Buch hat mich natürlich der Titel fasziniert.

Shoppen Sie gerne online?

Ja, das mache ich überraschend gerne. Man ist zeitlich unabhängig. Zuletzt habe ich mir online eine Skitasche bestellt.

Was ist ihr Traumberuf?

In der fünften Klasse wurde mir bewusst, dass ich Lehrer werden wollte. Ich hatte keine so tolle Lehrkraft und dachte, dass man das doch besser machen könne.

Und sind Sie Lehrer geworden?

Ja. Ich habe zuerst zehn Jahre eine Abschlussklasse betreut und später lehrte ich an der Berufsschule in Weinfelden.

Warum haben Sie damit aufgehört?

Es haben sich neue Möglichkeiten ergeben, die ich ausprobieren wollte.

Wie sahen diese anderen Möglichkeiten aus?

Bei der Schweizer Sporthilfe in Bern war ich Leiter Förderung. Ziel war es, Athleten zu unterstützen, damit diese an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften erfolgreich sind. Dann wechselte ich ins Sportamt des Kantons Thurgau.

Welche Sportler haben Sie gefördert?

Die zwei ersten Verträge habe ich mit Stéphane Lambiel und Sarah Meier abgeschlossen. Ich wurde dafür kritisiert und musste mich rechtfertigen, weil die beiden Eiskunstläufer und keine Skifahrer waren. Auch Triathletin Nicola Spirig, Veloprofi Fabian Cancellara oder Mountainbiker Nino Schurter gehörten dazu.

Zum Glück haben Sie sich durchgesetzt. Sie haben sich bestimmt gefreut zu sehen, wie erfolgreich diese Athleten wurden?

Ja, da bin ich schon stolz darauf. Das war allerdings nicht nur mein Verdienst. Ich hatte ein tolles Team, auf das ich zählen konnte.

Interview

Journalistin aus Leidenschaft

Sie kennt fast jede und jeden im Kanton: Margrith Pfister-Kübler liebt es, auch mit 78 noch als rasende Reporterin unterwegs zu sein.
Interview: Nicole D’Orazio