Pensenfrage spaltet die Kandidaten für das Kemmentaler Gemeindepräsidium

Der Beschäftigungsgrad wird zum Wahlkampfthema. Das zeigte die Podiumsdiskussion am Donnerstagabend. 

Martina Eggenberger Lenz
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Christina Pagnoncini, Nicole Stäheli, André Ess, Moderator Ueli Oswald, Christoph Forster und Christoph Zürcher. (Bild: Martina Eggenberger)

Christina Pagnoncini, Nicole Stäheli, André Ess, Moderator Ueli Oswald, Christoph Forster und Christoph Zürcher. (Bild: Martina Eggenberger)

Das Stelleninserat lautete auf 100 Prozent. Doch nicht alle fünf Kandidaten für das Kemmentaler Gemeindepräsidium halten das Vollamt für angebracht. So sagt André Ess, Inhaber einer eigenen Firma und Raiffeisen-Präsident, dass sich die Arbeit des Gemeindepräsidenten auf Strategisches beschränken solle. Somit reiche ein Pensum von 60 Prozent.

Auch Christoph Forster, Ingenieur, vertritt die Ansicht, dass das Präsidium effektiv nur ein Aufwand von 50 bis 60 Prozent wäre. Der Präsident sei nicht für Bürokram zuständig. Nicole Stäheli, Geschäftsführerin beim Berufsverband der Schreiner, glaubt, es gebe einen Grund, warum der Gemeinderat das Pensum auf 100 Prozent definiert habe. Der Direktkontakt zur Bevölkerung sei wichtig.

Auch Christoph Zürcher, Masseur, SVP, ist der Meinung, dass der Präsident über alles Wesentliche informiert und daher zwischen 80 und 100 Prozent anwesend sein sollte. Gemeindeschreiberin Christina Pagnoncini, GLP, betont, es sei wichtig, dass der Präsident auch auf der Verwaltung mitarbeite. Um diese erfolgreich zu führen, seien mindestens 80 Prozent notwendig.

Am Wahrzeichen will keiner der fünf rütteln

Unter der Leitung von Ueli Oswald, Berlinger Gemeindepräsident mit Kemmentaler Wurzeln, wurden die aktuellen Themen abgefragt. In manchen Punkten unterscheiden sich die Kandidaten nur wenig. Zum Beispiel überwiegt die Meinung, dass die Bommer Weiher in ihrer jetzigen Form «erhalten bleiben müssen», wie Stäheli betont. Pagnoncini, Zürcher und Ess wollen sich mit den Bauern an einen Tisch setzen, um eine Lösung zu finden, die Naturschutz und Landwirtschaft vereint. Forster ist dezidiert der Ansicht, dass «Kanton und Bund Sponsor spielen sollen.»

Zum Thema Ortsplanungsrevision meint Letzterer, diese müsse für den Bürger gemacht werden, nicht für den Kanton. André Ess will Bestehendes belassen und dafür eine «gescheite Nutzung» ermöglichen. Pagnoncini verweist auf ihr Wissen und ihr gutes Netzwerk. Dennoch würde sie Fachplaner beiziehen. Stäheli erklärt, die Ortsplanung müsse im Team erarbeitet werden, auch unter Einbezug der Bevölkerung. Zürcher schwebt vor, hierfür eine Kommission zu bilden, mit Vertretern aus dem Volk.

Nachholbedarf bei der Wirtschaftsförderung

Nicht ganz einig waren sich die Kandidaten über die finanzielle Situation der Gemeinde. Ess findet, man stehe sehr gut da und sei privilegiert. Pagnoncini relativiert, es fehle eine exakte Werkplanung und die Anlagebuchhaltung sei unter die Lupe zu nehmen. Forster ist die eher hohe Verschuldung ein Dorn im Auge. Stäheli würde in eine saubere Entsorgungsstelle investieren und Zürcher den kantonalen Werkhof in Siegershausen kaufen.

Ess stellte fest, dass im Kemmental wenig Betriebe angesiedelt werden. «Dabei könnten wir so Steuergelder generieren.» Auch Forster findet, es gebe zu wenig Möglichkeiten für das Gewerbe. Stäheli will deshalb «gute Bedingungen» schaffen. Zürcher denkt an eine Gewerbeausstellung. Pagnoncini unterstützt die Idee von Neujahrsapéros bei lokalen Firmen.

Widerstand gegen die Deponie angekündigt

Ein heisses Eisen ist die geplante Deponie in Altishausen. Stäheli will «alles dran setzen, dass sie nicht hier gebaut wird.» Auch Zürcher ist dagegen. Mit gutem Gewissen könne er die Deponie dem Volk nicht verkaufen. «Aber wenn der Gemeinderat dafür ist, mache ich das.» Ess betont, der Standort sei verkehrstechnisch «sehr schlecht». Forster findet die Diskussion darüber sinnlos, weil die Entscheidung beim Kanton liege. Und Pagnoncini fordert von eben diesem ein Konzept. «Der Bedarf ist gar nicht gegeben.»

Zum Schluss positionierten sich die zwei Frauen und drei Männer mit Eigenwerbung. «Ihr wählt schon den Richtigen», betonte Christoph Forster. André Ess verkaufte sich als Mann fürs Gewerbe. Nicole Stäheli versprach «Herzblut fürs Gögelland», Christina Pagnoncini würde gerne «gleich morgen loslassen» und Christoph Zürcher «zusammen mit Ihnen die Zukunft gestalten.» Nach diesem Abend ist klar: Es wird spannend am 15. September.