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Patrik Fink sass zwölf Jahre im Stadtrat: «Mir fehlt der konstruktive Geist in Romanshorn»

Der Freisinnige hat viel erreicht. Und trotzdem ist er nicht ganz zufrieden. Vor allem im Kampf gegen das Littering sei er nicht vorwärts gekommen. Es sei sogar schlimmer geworden.
Markus Schoch
Patrik Fink vor der Kantonsschule, wo er als Lehrer arbeitet. (Bild: Andrea Stalder)

Patrik Fink vor der Kantonsschule, wo er als Lehrer arbeitet. (Bild: Andrea Stalder)

Herr Fink, sind Sie zurückgetreten, weil es Ihnen sonst langweilig werden könnte?

Patrik Fink: Nein, das ist nicht so (lacht).

Sie haben in den letzten zwölf Jahren vieles erreicht. Die Zusammenarbeit der Stadt mit dem EW steht endlich wieder auf einer vertraglichen Basis, die Behörde hat eine Eigentümerstrategie für die Gasversorgung verabschiedet, der Energierichtplan ist auf dem neuesten Stand und die Abwasserreinigungsanlage ist zu einem Vorzeigebetrieb geworden. Gibt es in Ihrem Ressort noch irgendwo eine grössere Baustelle?

Es gibt Baustellen im Sinne von Daueraufgaben.
Und die wären? Ich denke vor allem an den Bereich Abfall/Littering. Da ist die Ampel nicht auf grün, sondern auf rot, würde ich sagen. Insbesondere wenn es um die Sauberkeit im öffentlichen Raum geht. Es wird nicht besser, obwohl die Stadt diverse Massnahmen ergriffen hat. Angefangen von Aufklärungskampagnen über Clean-up-days und zusätzlichen Kübeln, die wir aufgestellt haben. Trotzdem wird es immer schlimmer.

Und woran liegt das?

Gute Frage. Ich kenne die Antwort nicht. Vielleicht ist es ähnlich wie beim eigenen Klima-Verhalten, das bei der Klimadebatte thematisiert wird. Man sagt sich möglicherweise, alles, was ausserhalb meines Blickfeldes ist, betrifft mich nicht. Und mein Abfall, den ich irgendwo liegen lasse, nimmt dann schon irgendjemand auf.

Vielleicht hat die Stadt auch einfach noch nicht die richtige Antwort auf das Problem gefunden.

Vielleicht. Aber wir haben versucht, uns an guten Beispielen zu orientieren. Tatsache ist, dass letztlich noch niemand das Geheimrezept gefunden hat. Denn wie soll man das Verhalten der Bevölkerung oder zumindest Teilen davon ändern?

Indem man Fehlbare büsst?

Das ist nicht so einfach. Man müsste jemanden in flagranti erwischen. Mit einem Überwachungsstaat nach dem Beispiel von China oder Singapur wäre es möglich, aber das wollen wir nicht.

Aber in Romanshorn werden der Bahnhof, die Schulanlagen und einzelne Entsorgungsstellen mit Kameras überwacht.

Es sind nur einzelne Areale. Dort hat man die Sache im Griff, den Abfall hat man dann einfach an anderen Orten. Aber ich würde gerne zur Ausgangsfrage zurück kehren. Zu den Daueraufgaben? Ja, dazu gehören auch die Verpflichtungen, die wir als Energiestadt haben.

Tüpfelchen auf dem i für Sie wäre gewesen, wenn Romanshorn bei der letzten Rezertifizierung im Jahr 2018 das Gold-Label geholt hätte. Wie viel hat dazu gefehlt?

Wir konnten die Punktzahl stetig erhöhen und sind jetzt bei 68 Prozent des Potenzials, das wir ausgeschöpft haben. Darauf bin ich stolz, auch wenn sieben Prozentpunkte zum Gold-Label fehlen. Dieses zu erreichen, kann aber nicht das primäre Ziel sein, zumal man dafür massiv mehr personelle Ressourcen zur Verfügung stellen müsste mit den entsprechenden Kostenfolgen. Es kann nicht sein, dass Stadträte oder Mitglieder der Energiekommission diese Aufgabe übernehmen.

Welches ist das primäre Ziel?

Es muss gelingen, die Bevölkerung und die Industrie ins Boot zu holen.

Und das ist bis jetzt nicht gelungen?

Zu wenig. Es braucht sehr viel, bis sich die Bevölkerung bewegt. Was wir festgestellt haben: Wenn der Einzelne einen finanziellen Vorteil für sich sieht, zieht er mit. Das haben wir beim Energie-Förderprogramm gesehen, das wir vor ein paar Jahren aus Spargründen einstellen mussten. Damit hatten wir einen gewissen Hebel.

Junge sammeln in Romanshorn Unterschriften mit dem Ziel, den Stadtrat zu bewegen, den Klimanotstand auszurufen. Was halten Sie davon?

Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Initianten erreichen wollen. Den Notstand auszurufen, ist das eine. Konkrete Massnahmen zu beschliessen, das andere. Ich wüsste nicht, welche das sein sollen hier in Romanshorn. Man kann den Bürgern nicht einfach ohne gesetzliche Grundlage vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Zudem sind wir bereits unterwegs. Insofern rennen die Jugendlichen offene Türen bei der Stadt ein.

Zum Schluss Ihrer Amtszeit standen Sie beziehungsweise der Stadtrat wegen des Brunnens im Löffelpark in der Kritik. Man hatte das Gefühl, die Auseinandersetzung würde Sie ziemlich nerven. Täuscht der Eindruck?

Ich konnte jeweils nicht Auskunft geben über laufende Verhandlungen. Was ich festgestellt habe: Die Meinungen gingen in der Bevölkerung weit auseinander. Betonen möchte ich, dass die Stadt den Brunnen nicht in böser Absicht entfernen liess, sondern dass dies eine Folge aus den von der Gemeindeversammlung beschlossenen Sparmassnahmen war. Erstaunlich finde ich: Jetzt steht der Brunnen wieder am alten Ort und ein Verein kümmert sich um den Unterhalt. Trotz Werbung ist es den Verantwortlichen nicht gelungen, mehr als ein halbes Dutzend Mitglieder zu finden. Wo sind all die über 300 Personen, die seinerzeit den Stadtrat in einer Petition aufforderten, den alten Zustand wieder herzustellen?

Sie haben sich schon vor Jahren darüber beklagt, dass viele Romanshorner immer nur das Schlechte sehen. Hat sich das geändert?

Nein. Vor vier Jahren mit den Workshops hatte man das Gefühl, die Bevölkerung merke, dass das Glas halb voll statt halb leer ist. Heute haben wir keine gute Stimmung mehr. Man ist nicht mehr offen für Veränderungen. Der konstruktive Geist fehlt mir.

War das der Grund, warum Sie im Stadtrat aufgehört haben?

Nein, die zwölf Jahre haben angehängt wegen der zeitlichen, psychischen und physischen Belastung. Das Körpergefühl hat nicht mehr gestimmt. Es ist auch Zeit geworden, wieder etwas anderes zu machen.

Wie gross war Ihr Pensum als Lehrer bei der Kanti?

Zwischen 80 und 90 Prozent. Das Stadtrats-Mandat war zu einem Teil Hobby. Mit einem Vollzeitpensum wäre es aber nicht machbar gewesen. Ich hatte schon manchmal das Gefühl, 24 Stunden während sieben Tagen in der Woche zu arbeiten.

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