Pastoralraum Nollen-Lauchetal-Thur
Jugendarbeiterin punktet mit Umfrage unter den Jugendlichen: Wie die katholische Kirche die Jugend besser erreichen will

Bianca Rehm ist Jugendarbeiterin im Pastoralraum Nollen-Lauchetal-Thur. Sie hat den Auftrag gefasst, ein Jugendkonzept zu verwirklichen. Dafür hat sie eine Umfrage unter den Jugendlichen lanciert – mit teils überraschenden Ergebnissen.

Sabrina Bächi
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Jugendarbeiterin Bianca Rehm hat für den Pastoralraum Nollen-Lauchetal-Thur eine Umfrage unter Jugendlichen für ihr Jugendkonzept gemacht.

Jugendarbeiterin Bianca Rehm hat für den Pastoralraum Nollen-Lauchetal-Thur eine Umfrage unter Jugendlichen für ihr Jugendkonzept gemacht.

Bild: Sabrina Bächi

Ein Jugendkonzept soll her. Das haben die katholischen Kirchgemeinden beim Zusammenschluss zum Pastoralraum Nollen-Lauchetal-Thur 2018 beschlossen. Denn im Gegensatz etwa zur Seniorenarbeit waren bis dahin nur wenige Ressourcen für die Jugendarbeit vorgesehen. Um das zu ändern, wurde vor drei Jahren Bianca Rehm als Jugendarbeiterin eingestellt.

Sie soll es nun richten mit dem Jugendkonzept. «Es gab auch davor schon eine Jugendarbeit. Das waren engagierte Frauen, die mit Jugendlichen Anlässe organisierten», sagt Bianca Rehm. Aus Ressourcengründen war damals nicht so viel möglich wie heute, doch auf dieser Grundlagenarbeit kann Rehm nun aufbauen. Sie stellt fest, dass im Bereich der Jugendarbeit ein Wandel stattfindet.

Die Jugend wird mehr gewichtet, denn sie sei die Kirche von Morgen, sagt Rehm. Die Kirchenaustritte liessen sich nicht wegdiskutieren, daher sei es umso wichtiger, den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, «dass Kirche eben Gemeinschaft bedeutet – nicht nur Gottesdienst».

Ein Konzept für die Jungen, nicht über sie

Nach einem Jahr, in dem sie vor allem beobachtete und alles kennen lernte, wollte sie das geforderte Jugendkonzept in Angriff nehmen.

Bianca Rehm, Jugendarbeiterin

Bianca Rehm, Jugendarbeiterin

Bild: Sabrina Bächi
«Ich sprach mit Erwachsenen, habe deren Meinung eingeholt. Aber eigentlich ist für ein Jugendkonzept doch vor allem eines wichtig, nämlich die Meinung der Jungen.»

Ein Konzept für die Jugend, nicht über sie soll es sein, findet Rehm. Deshalb hat sie angefangen, eine Umfrage zu erstellen. «Das Schwierigste war, die Fragen so zu formulieren, dass mir die Auswertung auch etwas nützt», sagt die 29-Jährige. Ursprünglich war die Befragung in einem Workshop geplant. Corona hat diesen Plan zunichtegemacht.

Also verschickte Rehm im März dieses Jahres an alle 330 Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren, die im Pastoralraum wohnhaft sind, eine Postkarte mit einem QR-Code, der direkt zur Umfrage führte. «128 Rückmeldungen habe ich erhalten – und zwar aus allen neun Pfarreien», sagt sie. Allerdings: Hauptsächlich unter 15-Jährige haben an der Umfrage teilgenommen.

Die Jugendlichen wollen basteln

Dennoch zeigen die Resultate, dass die Jugendlichen grossmehrheitlich zufrieden sind mit dem Angebot. «Das ist eine tolle Bestätigung für die rund 15 ehrenamtlichen Leiter, die für die Jugendarbeit tätig sind.» Einige Vorschläge gab es aber. So hat Rehm erst kürzlich auf vielseitigen in der Umfrage geäusserten Wunsch einen Bubble-Soccer-Anlass organisiert.

Ein Bild vom Bubble-Soccer-Anlass in Schönholzerswilen.

Ein Bild vom Bubble-Soccer-Anlass in Schönholzerswilen.

Bild: PD

«Überrascht hat mich, dass viele sagten, sie würden gerne mehr basteln. Das hatten wir überhaupt nicht auf dem Schirm», gesteht sie. Doch auch das liesse sich im neuen Jahresprogramm leicht umsetzen. Generell zeigt sich, dass den jungen Katholikinnen und Katholiken eben die Gemeinschaft sehr wichtig ist, dass gesellschaftliche Sportanlässe und Lager sehr beliebt sind.

Umfrage scheint neue Idee zu sein

Mit ihrer Umfrage hat Rehm in der katholischen Kirche im Thurgau fast ein bisschen für Aufregung gesorgt. «Die Idee, eine Umfrage mit den Kindern für das Jugendkonzept zu machen, ist offenbar nicht weit verbreitet», sagt Rehm. Sie hat diesbezüglich bereits Anfragen von Pfarrblättern erhalten, bei denen sie dieses Vorgehen vorstellen konnte. Mit dem Konzept will Rehm bis in einem Jahr fertig sein.

«Was jetzt kommt, ist die Fleissarbeit.» Danach geht es an die Umsetzung. Ideen hat Rehm genug. «Ich spüre den Aufbruch in der katholischen Jugendarbeit», sagt sie. Einige Herausforderungen gibt es dennoch: «Wir sind ein sehr ländliches und weites Gebiet. Da sind wir sehr auf die Unterstützung der Eltern angewiesen, etwa bei einem Fahrdienst zu den Jugendanlässen», sagt sie.

Doch auch wie sie den über 15-Jährigen das Angebot der katholischen Jugendarbeit schmackhaft machen kann, bleibt noch ungeklärt. Auf jeden Fall soll die Umfrage aber nicht einfach verstauben, sondern etwa alle drei Jahre wieder durchgeführt werden. «Ich finde es einfach wichtig, die Jugendlichen zu beteiligen», bekräftigt Rehm.

Hier geht es zur Umfrage.

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