Otto Raggenbass - der Retter von Konstanz?

Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich Bezirksstatthalter Otto Raggenbass für die friedliche Übernahme der Stadt Konstanz ein. Doch es gibt auch Kritiker, die Behaupten, sein Zutun sei nicht so entscheidend gewesen, wie seine Haltung gegenüber Flüchtlingen während der Kriegsjahre.

Sabrina Bächi
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Otto Raggenbass, Bezirksstatthalter von Kreuzlingen. (Bild: PD)

Otto Raggenbass, Bezirksstatthalter von Kreuzlingen. (Bild: PD)

Bei der Übernahme der Stadt Konstanz nach dem Ende des Krieges hat Otto Raggenbass seinen Teil dazu beigetragen, dass diese kampflose vonstatten ging. Das zumindest schreibt er in seinem eigenen Buch. Sein Handeln habe dazu beigetragen, unnötiges Blutvergiessen zu verhindern.

Raggenbass war 1945 Bezirksstatthalter in Kreuzlingen und versuchte gemeinsam mit dem Roten Kreuz, Verhandlungen mit den näherrückenden Franzosen einzuleiten. Schliesslich kam es im Restaurant Trompetenschlössle im Tägermoos zu den heute legendären Geheimverhandlungen zwischen französischen Offizieren, Vertretern der Stadt Konstanz und der Schweizer Armee.

Doch um die Stadt den Franzosen zu übergeben, mussten die deutschen Truppen abziehen. Das wollten sie anfangs nicht, schreibt Raggenbass in seinem Buch «Trotz Stacheldraht». Nach weiteren Verhandlungen konnten die französischen Truppen am 26. April 1945 die Stadt ohne Widerstand einnehmen.

Heldenepos bröckelt

Mittlerweile gibt es zu Raggenbass’ Heldenepos auch kritische Stimmen. Einige Historiker glauben, die Rolle des Bezirksstatthalters werde überschätzt. Die Verhandlungen im «Trompetenschlössle» seien nicht entscheidend gewesen. Des Weiteren kritisieren sie die Haltung von Otto Raggenbass, weil er während des Krieges etliche jüdische Flüchtlinge wieder nach Konstanz zurückschickte.

Als Bezirksstatthalter war er Chef des Kantonspolizeipostens und stützte dabei die restriktive Haltung der Thurgauer Fremdenpolizei. Es soll auch zu Streitigkeiten mit den Schulen gekommen sein, weil Raggenbass auch jüdische Schulkinder zurückschicken wollte.

Fakt ist, dass bis heute eine Strasse in Konstanz – vom Hauptzoll in Richtung Lago – existiert, die Otto-Raggenbass-Strasse heisst. In Gedenken an den Kreuzlinger Politiker, der sich für eine friedliche Übernahme der Stadt Konstanz einsetzte.