Olympische Spiele
Der Teamchef erhält keine Akkreditierung: Ralph Näf darf nicht nach Tokio

Ralph, Näf, der Thurgauer Teammanager von Mountainbike-Medaillenhoffnung Mathias Flückiger muss die Rennen seines Schützlings zu Hause am Bildschirm verfolgen. Gecoacht wird nun via Telefon.

Urs Huwyler
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Ralph Näf hätte die Schweizer Olympiahoffnung Mathias Flückiger gerne vor Ort in Tokio betreut.

Ralph Näf hätte die Schweizer Olympiahoffnung Mathias Flückiger gerne vor Ort in Tokio betreut.

Donato Caspari (Happerswil, 20. August 2018)

Triathletin Nicola Spirig peilt an den Sommerspielen in Tokio nach Gold 2012 und Silber 2016 ihre dritte Olympiamedaille an. Ein sicherer Wert. Innerhalb der Schweizer Delegation stuft Spirig jedoch Mountainbiker Mathias Flückiger – zuletzt doppelter Weltcup-Doppelsieger – als sichersten Medaillentipp ein.

Spirig wird in Tokio durch ihren Trainer Brett Sutton gecoacht. Selbstverständlich? Bei Mountainbiker Mathias Flückiger nicht. Dessen Teammanager und Vertrauensperson Ralph Näf erhält für Olympia keine Akkreditierung durch Swiss Cycling – ebenso wie Physiotherapeut Tobias Hollenstein. Dies, weil die Zutrittsberechtigungen anzahlmässig beschränkt sind. Flückiger, im Biken die Nummer eins der Welt, wird damit in Tokio von Personen betreut, die ihn zwar schon einige Zeit kennen, aber nur noch am Rande mit ihm zu tun haben.

Olympia-Coaching via Telefon

Der Thurgauer Ralph Näf ist nicht nur Besitzer von Flückigers Team «Thömus RN Swiss Bike», sondern zugleich Technik- und Mental-Coach sowie väterlicher Freund des Weltcup-Seriensiegers. «Ralph ist die wichtigste Person für Mathias», sind sich vom Physio bis zu den Teamkollegen alle einig. Dass die Vertrauensperson dem Olympia-Kronfavoriten im wichtigsten Rennen unter den speziellen Coronabedingungen nicht zur Verfügung stehe, sei unverständlich.

Näf hält das Rad flach. «Vor Ort zu sein wäre bestimmt idealer. Aber es ist, wie es ist», sagt der Happerswiler, der sich einst ohne Verbandsunterstützung vom Maurer zum zweifachen Weltmeister und Teambesitzer hochgearbeitet hat. Mit Olympia verbinden ihn gemischte Gefühle: 2004 wurde Näf Sechster, 2008 als WM-Zweiter (2007) und WM-Dritter (2008) während der Selektionsphase nicht für Peking aufgeboten. Der Ersatzfahrer gewann eine Woche später die Olympiarevanche.

Diesmal wird er das Rennen am 26. Juli um 8 Uhr zwangsläufig vor dem Fernseher verfolgen müssen. «Fällt mir etwas auf, telefoniere ich Thomas Peter (CEO Swiss Cycling, Red.), der die Info ungefiltert an Mathias weitergibt», erklärt Näf die mit Flückiger abgesprochene rudimentäre Kommunikation.

Ralph Näf (links) unterwegs mit Mathias Flückiger (Mitte) und Nino Schurter.

Ralph Näf (links) unterwegs mit Mathias Flückiger (Mitte) und Nino Schurter.

Urs Huwyler

Schurters Teamchef auch dank SRF in Tokio dabei

Anders verhält sich die Situation bei Titelverteidiger Nino Schurter. Dessen Teamchef Thomas Frischknecht wird als Co-Kommentator von SRF vor Ort sein. Zudem erhielt er wegen Schurters Teamkollegin Kate Courtney eine Akkreditierung der Amerikaner. «Thomas Frischknecht hat keine offizielle Funktion bei Swiss Cycling», sagt Verbands-CEO Thomas Peter und fügt an, die Situation von Swiss Cycling lasse sich nicht mit jener von Swiss Triathlon vergleichen. «Wir sind mit 21 Athletinnen und Athleten am Start. Neun besitzen Medaillenpotenzial. Es gilt, optimale Bedingungen für alle zu schaffen.»

Nach einem mehrtägigen Event mit 65 Bikerinnen und Bikern im Catrina-Resort in Disentis versucht sich Ralph Näf noch etwas zu erholen und auf die kommenden olympischen Tage vorzubereiten. Der Austausch mit Mathias Flückiger und Mechaniker Gavin Beck, einer wichtigen Person für den Mitfavoriten, wird zum Alltag gehören.

Mehr Rummel, aber kein Kurswechsel im Erfolgsfall

Was änderte sich, sollte der Teamleader in Tokio eine Medaille gewinnen? «Nichts, unser Konzept bliebe dasselbe», sagt Teamchef Näf. «Das Interesse an unserem Team würde weiter steigen, der Rummel grösser werden, aber wir blieben unserer Linie treu.» Zu irgendwelchen Höhenflügen lässt sich Näf nicht verleiten.