Oldtimer-Flugzeug «Tante Ju»: Der Amriswiler Alex Künzle hat einen neuen Flügel entwickelt

Für ihre Diplomarbeit an der Fachschule Teko Zürich haben der Amriswiler Alex Künzle und Iwo Wietlisbach eine neue Flügelstruktur für die Junker Ju 52 entworfen.

Barbara Langenegger
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Der Amriswiler Alex Künzle und Iwo Wietlisbach haben für das Oldtimer-Flugzeug Ju 52 ein neues, modernes Design der Flügelstruktur entworfen. (Bild: PD/Anett Köhler)

Der Amriswiler Alex Künzle und Iwo Wietlisbach haben für das Oldtimer-Flugzeug Ju 52 ein neues, modernes Design der Flügelstruktur entworfen. (Bild: PD/Anett Köhler)

Alex Künzle, Sie haben kürzlich Ihre Weiterbildung zum Techniker HF Flugzeugtechnik an der Teko Zürich abgeschlossen. Was war entscheidend bei der Wahl Ihrer Ausbildung?

Ausschlaggebend für meine Weiterbildung war das grosse Interesse an der unendlichen Technik von Flugzeugen und die Möglichkeit, einen Einblick in die Aviatik zu bekommen. Um den Einstieg in die Branche zu schaffen, sah ich die Ausbildung an der Teko als beste Option.

Wie schätzen Sie Ihre Studienzeit respektive Diplom- arbeit rückblickend ein?

Neben dem vielen Fachwissen, welches ich angeeignet habe, nahm die Teamarbeit eine zentrale Rolle ein. Iwo und ich haben gelernt, im Team zu gestalten, uns abzustimmen und auf die Stärken jedes einzelnen zu bauen. Die Diplomarbeit ist die Krönung von drei Jahren Studium.

Wie wollen Sie sich beruflich entwickeln?

Ziel ist es, in naher Zukunft einen geeigneten Arbeitgeber im Bereich der Flugzeugtechnik, bei dem ich das erlernte Wissen anwenden und mich in einem Bereich spezialisieren und weiterbilden kann, zu finden.

Wäre es auch eine Option, in die Fussstapfen Ihres Vaters, des Amriswiler Tüftlers Urs Künzle, zu treten?

Vielleicht werden wir mal zusammen Projekte entwickeln. Das wäre sicherlich für beide Seiten interessant.

Mein Vater widmet sich zurzeit der Frage, wie afrikanische Dörfer mit sauberem Wasser versorgt werden können.

Wie sind sie auf das Thema «Tante Ju» gekommen?

Im fünften Semester bekamen wir von unserem Lehrer, welcher bei der ZHAW tätig ist und mit der Ju-Air zusammenarbeitet, das Thema zur Auswahl. Die spannende Geschichte um die Ju 52 mit der Herstellung in den 1930-er Jahren und dem negativem Nutzen im Zweiten Weltkrieg sowie der Erhalt des Oldtimer-Erlebnisses bis heute haben uns zweifelsfrei zugesagt. Wir durften bereits bei der Semesterarbeit eine Festigkeitsanalyse der Flügelholme durchführen, welche mittels Strebenfachwerk konstruiert wurde.

Machten Sie schon einen Rundflug mit der «Tante Ju»?

Leider noch nicht. Dann würden Sie gerne in eine solche Maschine steigen?

Mit den Erfahrungen, welche wir anhand unserer Recherchen und Einblicke machen durften, habe ich keine Angst, einen Rundflug zu geniessen.

Was fasziniert Sie an diesem Oldtimer-Flugzeug?

Die Geschichte der Ju 52 ist sehr eindrücklich, angefangen mit dem Flugzeugbaupionier Hugo Junkers, über die forcierte Übernahme der Firma durch das Reichsluftfahrtministerium, bis hin zur heutigen Aufrechterhaltung der Legende durch die Ju-Air. Ebenfalls faszinierend für mich ist, dass Junkers in den 1920-er Jahren solch eine zuverlässiges Verkehrsflugzeug ohne die heutigen technischen Hilfsmittel entwerfen konnte.

Am 20. November wurde ein erneutes Flugverbot verhängt, da auch Strukturschäden in der Flügelstruktur entdeckt wurden. Wie sehen Sie die Zukunft der «Tante Ju»?

Ich denke, dass es durchaus einige Mängel gibt, welche dringend behoben werden müssen, bevor der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Für die Zukunft habe ich keine Bedenken, da die Ju-Air auf rund 180 ehrenamtliche Helfer, zahlreiche Gönner und Sponsoren sowie gut ausgebildete Fachleute zählen kann. Im Jahr 2014 sind mehr als 14000 Passagiere mit der Ju-Air geflogen.

Drei Junker Ju 52 im Flug. (Susanne Venditti)

Drei Junker Ju 52 im Flug. (Susanne Venditti)

Die Ju-Air will den Flugbetrieb Anfang März 2019 wieder aufnehmen. Ist das nicht sehr ambitioniert?

Ich kann mir vorstellen, dass das Flugverbot bis zum Abschlussbericht anhalten kann beziehungsweise bis die Unfallursache abschliessend geklärt ist.

Glauben Sie, dass Ihre neu entworfene Flügelstruktur bei der Ju-Air künftig ein Thema sein könnte?

Ich denke nicht, dass es eine Änderung der Flügelstruktur geben wird.

Die bisherige Struktur hat sich grundsätzlich bewährt und bei einer stetigen Wartung wird diese auch weiter bestehen.

Die Finanzierung einer solchen Investition ist auch fraglich, da ich nicht weiss, wer die Kosten tragen sollte.

Haben Sie mit der Ju-Air während Ihrer Diplomarbeit zusammengearbeitet?

Obwohl sich das Unglück kurz nach dem Start unserer Diplomarbeit ereignete, durften wir die Flieger im Hangar besichtigen und uns einen persönlichen Eindruck verschaffen.

Wie hat die Ju-Air auf Ihre Abschlussarbeit reagiert?

Aufgrund der aktuellen Ereignisse haben wir auf eine Präsentation unserer Diplomarbeit verzichtet.