Ohne Direktflug kein Visum: Die nächste Europacup-Reise von Volley Amriswil nimmt groteske Züge an

Noch im November tritt der Thurgauer NLA-Volleyballklub im CEV-Cup gegen Zenit St. Petersburg an. Der Aufwand ist immens. Doch Vizepräsident Peter Bär ist überzeugt, dass sich die Investition unabhängig vom Resultat lohnen wird.

Matthias Hafen
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Trotz Umweg über Moskau: Amriswils Spieler können im November unbesorgt nach St.Petersburg reisen.

Trotz Umweg über Moskau: Amriswils Spieler können im November unbesorgt nach St.Petersburg reisen.

Bild: Mario Gaccioli (27. Oktober 2020)

Es gab einen Moment, da hing Amriswils Europacup-Glück am seidenen Faden. Denn der nächste Gegner, Zenit St.Petersburg, stellt in Zeiten von Corona eine schon fast groteske Hürde dar, was den administrativen Aufwand betrifft. Als Gruppendritter der Champions-League-­Qualifikation ist Volley Amriswil direkt für die Sechzehntelfinals im CEV-Cup qualifiziert. Doch der Wettbewerb eine Stufe unter der Königsklasse wird für den Thurgauer Provinzverein zu einem echten Hosenlupf.

Nicht nur investiert Volley Amriswil «einen netten fünfstelligen Betrag» alleine ins Auswärtsspiel vom 18. November in Russland, wie Vizepräsident Peter Bär sagt. Die sportlichen Aussichten gegen den ebenso starken Kontrahenten, wie es Dynamo Moskau in der Champions-League-Quali war, sind trüb. Und die Pandemielage in Europa legt den Ostschweizern zusätzlich Steine in den Weg.

Das Problem mit den ausgedünnten Flugplänen

Peter Bär, Vizepräsident von Volley Amriswil.

Peter Bär, Vizepräsident von Volley Amriswil.

Donato Caspari

So stellen die russischen Behörden in diesen Tagen angeblich nur noch Visa aus, wenn man, ohne umzusteigen, an seinen Zielort fliegt. Das Problem: Von Zürich nach St.Petersburg sind aufgrund des ausgedünnten Flugplans derzeit gar keine Direktflüge buchbar. Die Folge: kein Visum für die Delegation von Volley Amriswil in erster Instanz. Der Thurgauer Klub konnte jedoch plausibel darlegen, dass es schlicht unmöglich ist, für diesen sportlichen Zweck nach St.Petersburg zu reisen, ohne in Moskau umzusteigen. Und so genehmigten die russischen Behörden eine Spezialausnahme in diesem Ausnahmejahr. Der Rückflug aus St.Petersburg verkommt mit einem zusätzlichen Umsteigen in Wien gar zu einer kleinen Odyssee für die Volleyballprofis.

Amriswil hätte sich den ganzen Aufwand auch sparen und wie andere Schweizer Klubs (Schönenwerd, Aesch Pfeffingen, Düdingen) die Segel im Europacup streichen können. «Doch das war für uns keine Option», sagt Vizepräsident Bär. Man habe nach den zwei Champions-League-Turnieren im Tellenfeld sorgfältig abgewägt, ob man im CEV-Cup weiterspielen wolle. Und der Vorstand entschied noch vor der Partie gegen Trentino, dass Amriswil weitermachen wird. «Finanziell ist es zugegeben ein riesengrosser Aufwand für uns», sagt Bär. Doch es gebe gute Gründe für diesen Entscheid.

«Wir konnten uns mit den Partien gegen Soligorsk, Maaseik, Dynamo Moskau und Trentino europaweit einen hervorragenden Namen schaffen.»

Es sei nicht zu unterschätzen, wie das auch bei den Topspielern hängen bleibe. «Und deshalb ist diese Investition langfristig eben doch viel wert», sagt Peter Bär.

Volley Amriswil sei das aber auch seinem Fanionteam schuldig, das mit starken Auftritten in der Champions-League-Qualifikation eine ganze Region stolz gemacht habe. Das Hinspiel im Tellenfeld findet voraussichtlich am 11. November statt.

Schutzmassnahmen werden sehr ernst genommen

Bedenken bezüglich der Coronalage hat Vizepräsident Bär keine. «Wir betreiben einen grossen Aufwand, um uns und unser ganzes Umfeld zu schützen.» Es sei kein Zufall, dass das NLA-Team bislang noch keinen positiven Test zu beklagen hatte. Dass andere Klubs die Pandemielage als Grund nehmen, nicht im Europacup anzutreten, kann Bär nachvollziehen. «Nicht alle wollen einen solchen Aufwand betreiben wie wir.»