Offene Jugendarbeit Sulgen/Kradolf-Schönenberg führte einen Babysitterkurs durch

17 Jugendliche wollen künftig auf fremde Kinder aufpassen. Sie besuchten deshalb kürzlich in Sulgen einen Kurs des Roten Kreuzes. Dadurch sind sie nun auf schwierige Situationen vorbereitet.

Christof Lampart
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Kinderkrankenschwester Daniela Guhl erklärt den Jugendlichen, worauf sie beim Babysitten achten müssen. (Bild: Christof Lampart)

Kinderkrankenschwester Daniela Guhl erklärt den Jugendlichen, worauf sie beim Babysitten achten müssen. (Bild: Christof Lampart)

Kinderkrankenschwester Daniela Guhl strahlte am Samstagvormittag im Untergeschoss des Sulger Begegnungshauses übers ganze Gesicht. «Normalerweise muss man zwischen den beiden Wochenenden am Anfang noch das zuvor Gelernte repetieren, doch heute durfte ich gleich feststellen, dass bei allen das Erlernte von letzter Woche noch sehr präsent war».

Nicht weniger als 17 Teenager, 14 Mädchen und drei Jungen, von denen die Jüngsten 13 Jahre alt waren, liessen sich von der Fachfrau während insgesamt zehn Lektionen in die kleinen Geheimnisse und grossen Gefahren einweihen, welche mit der professionellen Kleinkinderpflege einher gehen.

Wickeln, Verstehen und Kochen

Das Wickeln eines Babys, welches als «Königsdisziplin» am Ende des Kurses auf dem Programm stand, gehörte ebenso zum Lernstoff, wie auch das Verstehen der kleinkindlichen Psyche, das Eruieren von potenziellen Gefahren oder die Zubereitung eines schmackhaften Breis. Auch das Ablenken eines kleinen Kindes will gelernt sein.

«Das klappt sehr gut, indem man mit dem Kleinkind etwas unternimmt. Zum Beispiel durch gemeinsames Basteln», sagt die 14-jährige Emilia Nastasic aus Homburg. Dass sie sich für den Babysitterkurs angemeldet hat, ist für sie «eigentlich selbstverständlich, denn ich liebe Kinder».

Ähnlich klingt es bei der 13-jährigen Soraya Perreira-Iglesias aus Götighofen. Für sie soll dieser Kurs sogar nur der erste Schritt sein, denn «es wäre mein Traumberuf, Kleinkindererzieherin zu werden». «Damit nachher alles in Ordnung ist»

Ausbildung wird verlangt

Dass drei Jungs mit im Kurs sind, ist für Daniela Guhl «aussergewöhnlich und toll zugleich». Einer dieser drei ist der 13-jährige Luca Vogel aus Götighofen, der schon Erfahrung hat, muss er doch regelmässig auf den siebenjährigen Bruder aufpassen.

«Das haben Freunde meiner Eltern mitbekommen und mich deshalb gefragt, ob ich nicht auch ihre Kinder ab und zu hüten könnte. Damit ich das aber darf, muss ich den Roten-Kreuz-Kurs im Babysitten besuchen damit nachher alles in Ordnung ist.»

Und was war an diesem Kurs bis jetzt wirklich neu für ihn? «Ich habe schon einiges richtig gemacht, aber was man tun muss, um Babys wirklich zu beschäftigen, wusste ich bis jetzt nicht», sagt Luca Vogel.

Gefahren frühzeitig erkennen

An diesen Vormittag befassen sich die Jugendlichen mit den Gefahren, welche im Schwimmbad, im Garten, im Haushalt oder auf der Strasse lauern. Nicht überall sind die Risiken gleich gross, doch gibt es einige Orte wie die Strasse und das Schwimmbad, wo «ihr ständig aufpassen müsst».

Anfängern rät Guhl sogar davon ab, allein mit einem Kleinkind ins Schwimmbad zu gehen. Die Botschaft ist klar: Selbst im Kinderplanschbecken kann das Kleinkind ertrinken. Auch der gefährlichste Ort im Haus ist rasch ausgemacht: offene Fenster und die Küche. Auch sollten Steckdosen gesichert sein.

Als ein Mädchen erklärt, dass auch eine Jauchegrube ganz gefährlich sein kann, rümpft ein anderes die Nase. Doch es ist nicht der Gestank und der Dreck, welcher wirklich schlimm ist, sondern die giftigen Gase.

«Wenn jemand in ein Gülle-Loch fällt und nicht schnell herausgeholt wird, kann er schnell ohnmächtig werden und ertrinken – und ein Kleinkind umso schneller, zumal dieses normalerweise noch nicht schwimmen kann», erklärt Kursleiterin Daniela Guhl den interessierten Teenagern.