Oberthurgauer Lebensmittelläden retten Mahlzeiten

Lokale Unternehmen sagen Lebensmittelverschwendung den Kampf an. Mit Hilfe einer App rettet etwa die Bäckerei Strassmann Birnenweggli und Cremeschnitten.

Pascal Moser
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Über die App "too good to go" kann man überschüssige Waren günstig kaufen (Bild: PD)

Über die App "too good to go" kann man überschüssige Waren günstig kaufen (Bild: PD)

Die Bäckerei Strassmann rettet Lebensmittel. Nicht verkaufte Backwaren, denen die Tonne droht, kann man beim Romanshorner Beck jetzt viel günstiger kaufen. Ermöglicht hat das die App der dänischen Firma «too good to go». Das Start Up träumt von einer Welt ohne Verschwendung. Konkret wollen die Gründer dem Problem «Foodwaste» entgegenwirken.

Kunden freuen sich über immer noch hochwertige Lebensmittel, obschon diese bald das Ablaufdatum erreichen. Stefan Bachmann, Inhaber der Bäckerei Strassmann, lobt die unkomplizierte Handhabung der App. «Im Verlauf des Nachmittags sehen wir, ob wir am Abend zu viele Lebensmittel haben werden und laden dann eine entsprechende Anzahl Pakete für den Verkauf hoch.» Es sei ein Vorteil, dass man die Pakete selbst zusammenstellt. «lediglich der Warenwert muss berücksichtigt werden», sagt Bachmann. Die Reaktionen auf die App sind durchweg positiv. Laut Bachmann gewöhne sich die Kundschaft sogar sehr schnell an Vorteile: «Wir dürfen uns keinesfalls unter Druck setzten lassen, sonst wird der Sinn und Zweck der Sache verfälscht.»

Essen aus der «Wundertüte»

Vor drei Jahren rief die App «too good to go» die sogenannte Foodwaste Revolution ins Leben. Denn strenge Bewertung der Produkte und hohe Erwartungen sorgen dafür, dass die Regale immer voll sein müssen, vieles aber nicht verkauft werden kann. Die App soll zwischen Konsumenten und Unternehmen mit Überschuss vermitteln. Was nicht verkauft wird, landet nun in der sogenannten «Wundertüte». Neun Millionen Menschen auf der ganzen Welt kaufen bereits Mahlzeiten über die App.

Daniel Büchel von der Leomat AG sieht die Vorteile bereits in der Grundhaltung. Die Firma will ebenfalls Abfälle reduzieren. «Alle Mitarbeiter werden auf das Problem sensibilisiert und so versuchen sie, vermehrt die Produkte rechtzeitig zu verarbeiten.» Auch die Konditorei Kölbener in Horn hat sich zum Ziel gesetzt keine Lebensmittel mehr wegzuwerfen. Und sie ermöglicht ihren Kunden über die App, gute Produkte zum kleinen Preis abzuholen. Inhaberin Manuela Kölbener sagt: «Wir machen damit Freude und gewinnen so sicher auch neue Kunden. Nachteile sehe ich keine»

«Wir sind ziemlich idealistisch»
Delila Kurtovic, Marketing Manager "too good to go Schweiz" (Bild: PD)

Delila Kurtovic, Marketing Manager "too good to go Schweiz" (Bild: PD)

Delila Kurtovic, Marketing Manager bei «too good to go Schweiz», sagt: «Wir sind eigentlich ziemlich idealistisch unterwegs. Unser Ziel ist sehr hoch – eine Welt ohne Verschwendung.» Das Start Up sehe sich selbst viel mehr als Bewegung und weniger als ein Unternehmen. «Wir zeigen Menschen in elf europäischen Ländern einen einfachen Weg, sich für die Umwelt einzusetzen.» Die App funktioniere so, dass User bei Betrieben die gewünschte Anzahl Portionen wählen könnten und direkt über die App bezahlen. «Am besten, man überzeugt sich selbst. Die App ist kostenlos und selbsterklärend», sagt Kurtovic.

Das Unternehmen wächst stetig und arbeitet nun sogar mit den ganz grossen Detailhändlern der Schweiz, namentlich Coop, Migros und Globus. Laut Kurtovic ein grosser Schritt. «Aber auch die Zusammenarbeit mit kleineren Betrieben zählt.» In der Schweiz sind etwa Tausend Unternehmen registriert.

Der ökologische Schaden jeder verschwendeten Mahlzeit berechnet sich aus den CO2 Ausstössen, die diese vor allem in der Produktion verursachen. «Wir haben in der Schweiz bereits fast 270000 Mahlzeiten gerettet, was etwa 600 Tonnen CO2 entspricht», sagt Kurtovic. International seien es bald 14 Millionen Mahlzeiten und damit 30000 Tonnen CO2.

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