Oberthurgau
Ihr Herz blutet: Nada Strasser aus Arbon sammelt nach dem Erdbeben in Kroatien Hilfsgüter für die notleidende Bevölkerung

Das Unglück geschah kurz vor Neujahr in einer der ärmsten Regionen des Landes. Getroffen habe es vor allem alte Menschen, sagt die 64-Jährige. Am dringendsten gebraucht würden unter anderem Gummistiefel.

Markus Schoch
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Das Erdbeben am 29. Dezember brachte in Petrinja Häuser zum Einsturz.

Das Erdbeben am 29. Dezember brachte in Petrinja Häuser zum Einsturz.

Bild: AP

«Die Ereignisse wühlen mich auf.» Schon wieder bebt die Erde in ihrer alten Heimat Kroatien und bringt viel Leid über das Land. Die Naturkatastrophe kurz vor Neujahr zerstört die Kleinstadt Petrinja und verursacht auch grosse Schäden in den umliegenden Dörfern. Sieben Menschen sterben, 20 werden verletzt. Und die Bevölkerung lebt weiter in Angst. Denn es kommt immer wieder zu kleineren oder grösseren Nachbeben in der Region, bis zu 60-mal pro Tag. Die 64-Jährige Arbonerin, die seit 40 Jahren in der Schweiz lebt, sagt:

«Es ist sehr schlimm und traurig.»

Die betroffene Region in 800 Kilometer Entfernung von Arbon sei eine der ärmsten Kroatiens und habe sich vom Krieg in den 1990er-Jahren nie erholt. Vielerorts gebe es nicht einmal fliessendes Wasser. Wer weg kann, der verlässt diesen vergessenen Ort. Geblieben sind die alten Menschen, die sich in den unwegsamen Gebieten grösstenteils selber versorgen müssen. Sie halten Kühe, Schweine wie auch Hühner und bauen ihr eigenes Gemüse an.

Vor sechs Jahren half sie bereits nach Überschwemmungen

Ihnen und allen anderen Notleidenden wollen das Kroatische Kulturzentrum Arbon und Nada Strasser in Zusammenarbeit mit der Kroatischen humanitären Vereinigung in der Schweiz helfen. So wie sie es bereits vor sechs Jahren gemacht haben, als es nach schweren Niederschlägen zu Überschwemmungen in Ostslawonien gekommen war, wo Nada Strasser ihre Kindheit verbrachte.

Nada StrasserHilfsgüter-Organisatorin

Nada Strasser
Hilfsgüter-Organisatorin

Bild: Markus Schoch

Damals wie heute sind es unter anderem Gummistiefel, die am dringendsten gebraucht werden. Nada Strasser sagt:

«Gummistiefel sind fast wichtiger als Brot und haben oberste Priorität. Alles andere hat Zeit.»

Damit meint sie Pflegematerial und Kleider wie Unterwäsche, Socken, Stützstrümpfe, Pullover, T-Shirts oder Hosen. Als Spender angesprochen seien in erster Linie Heime und Spitäler in der Ostschweiz, die am ehesten auch Gehilfen, Rollatoren, Rollstühle oder Bettwäsche für die Bedürftigen im Erdbebengebiet zur Verfügung stellen könnten, sagt Strasser.

Von Privaten erhofft sie sich vor allem finanzielle Unterstützung für den Transport und die Logistik. Die Kroatische humanitäre Vereinigung hat dafür extra ein Konto eingerichtet. Strasser hat nie vergessen, woher sie kommt. Nada Strasser sagt:

«Die Herkunft verbindet mich stark mit Kroatien.»

In Arbon engagierte sie sich im Ausländerrat und organisierte als Präsidentin zehn Jahre das Kulturenfest. Anderen Menschen geholfen hat sie ihr ganzes Leben lang: Zuerst bei den Sozialen Diensten in Arbon, dann im Pflegeheim und bis heute im Spital. In Gedanken ist sie in diesen Tagen aber vor allem bei ihren Landsleuten in Kroatien, die das Wenige verloren, das sie hatten.

Kontakt
Nada Strasser, 079 467 46 24, Ruža Studer, Präsidentin Kroatische humanitäre Vereinigung in der Schweiz, 079 636 32 53.
Infos und Spendenkonto
www.kroatienhilfe.ch