Oberthurgau
Er haute ab, ohne zu bezahlen: Ein Sportverein bringt seinen Ex-Präsidenten wegen eines Weihnachtsgeschenks vor Gericht

Michael S. hatte im Nachbarland eine digitale Anzeigetafel für seinen Verein bestellt. Nicht bedacht hatte er allerdings die Zoll- und Montagekosten, die den jungen Verein teuer zu stehen kamen. Nach einem Streit machte er sich aus dem Staub. Vor dem Bezirksgericht Arbon sagt er nun: «Es war so lieb gemeint.»

Annina Flaig
Merken
Drucken
Teilen
Eine solche Anzeigetafel war der Zankapfel im Streit zwischen dem Präsidenten eines Ballsportvereins und seinem Vorstand.

Eine solche Anzeigetafel war der Zankapfel im Streit zwischen dem Präsidenten eines Ballsportvereins und seinem Vorstand.

Bild: Bjoern Reichert / Imago

Er sei ein sozialer Mensch. Was seine ehemaligen Vorstandskollegen jetzt mit ihm machen, würde er nie jemandem antun, erzählte Michael S.* dem Bezirksgericht Arbon.

«Ich wäre für sie durchs Feuer gegangen. Darum verstehe ich nicht, warum sie mich jetzt zerstören.»

Der Beklagte erscheint in Nike-Schuhen und Jeans vor dem Gericht. Er hat einen Rucksack dabei. Seine Jacke ist von der Stuhllehne gefallen. Im Verlaufe des Zivilverfahrens wird klar, dass er letztes Jahr als Präsident eines Ballsportvereins im Oberthurgau zurückgetreten war und diesen auf Kosten von fast 3000 Franken sitzen liess. «Für einen jungen Verein ist das extrem viel Geld», sagt die Finanzchefin des Vereins. Auch sie sitzt ohne Anwalt im Saal.

«Wir wollen, dass er uns endlich seine Schulden bezahlt.»

Im Zentrum der Geschichte stehen ein ballsportbegeisterter Mann und sein grosser Traum: «Ich habe mir schon immer eine elektronische Anzeigetafel gewünscht», sagt der Beklagte. Der Verein, den Michael S. selbst vor wenigen Jahren «am Küchentisch» gegründet hatte, kann sich die 3000 Franken teure digitale Tafel zum Anzeigen des Spielstandes aber nicht leisten. Deshalb suchte er Sponsoren und fand sie auch.

Einer, der sich mit dem Zoll nicht auskennt

Michael S. bestellte die Tafel, die er seinem Verein zu Weihnachten schenken wollte, ohne die Vorstandsmitglieder zu informieren. «Ich wollte allen eine Freude machen. Es war so lieb gemeint.» Seinen Vorstandskollegen sagte er, die Finanzierung sei geregelt. Nicht bedacht hatte er allerdings die happige Zollrechnung von 270 Franken, die später ins Haus flatterte, sowie die Montage, die den Verein nochmals fast 800 Franken gekostet hatte. «Ja sorry, ich war als Verkäufer in einem Sportgeschäft tätig. Beim Zoll kenne ich mich nicht aus», verteidigt er sich vor dem Richter. Die Montagekosten seien aber nicht auf seinem Mist gewachsen. Er habe mit dem Hauswart vereinbart gehabt, dass sie die Tafel gemeinsam montieren würden.

Die Finanzchefin des Vereins gab zu bedenken, dass eine 35 Kilo schwere Anlage nicht mit zwei Nägeln an der Decke der Sporthalle befestigt werden könne.

«Was ist, wenn das Ding einem Kind auf den Kopf fällt?»

Das müsse fachgerecht gemacht werden. Ausserdem habe man für die Anlage in der Sporthalle eine elektrische Leitung ziehen müssen. Dies dürfe in öffentlichen Gebäuden vorschriftsgemäss nicht von Laien vorgenommen werden.

Die Anzeigetafel wurde schliesslich am 31. Januar 2020 verschickt. Bis dahin war aber schon zu viel Geschirr zerschlagen. Am 3. Februar 2020 trat Michael S. aus dem Verein aus. Er habe sich geweigert, für die entstandenen Kosten aufzukommen. Und weil er Knall auf Fall weg gewesen war, habe der Verein ihm auch nichts mehr vom Lohn abziehen können.

Der Präsident eines Ballsportvereins im Oberthurgau brachte seinen Verein in finanzielle Schwierigkeiten.

Der Präsident eines Ballsportvereins im Oberthurgau brachte seinen Verein in finanzielle Schwierigkeiten.

Symbolbild: Claudio Thoma

Nebst dem Zivilverfahren hat Michael S. in dieser Angelegenheit auch ein Strafverfahren wegen mehrfacher Veruntreuung und eine Betreibung am Hals. Im Raum stehen weitere kleinere Beträge sowie ein Anerkennungspreis in der Höhe von 1000 Franken, den er im Namen des Vereins entgegengenommen, aber nie beim Verein abgeliefert hatte. Dazu sagt er:

«Die 1000 Franken waren in einem blöden Couvert.»

Dieses sei daheim im Büro, das gleichzeitig Spielzimmer seiner Kinder sei, leider verlogen gegangen. Er habe jede Woche auch als Trainer an fünf Tagen in der Halle gestanden. Er habe alles gegeben, was er konnte, und selten etwas in Rechnung gestellt. «Ich kann es nicht fassen, dass ich nun auf diese Weise persönlich fertiggemacht werde.» Der Beklagte wirkt emotional und sprunghaft. Während der Befragung verschüttet er sein Wasserglas auf dem Tisch und putzt es wieder auf.

Zoll- und Montagekosten teilen sich beide Parteien

Es sei nicht das Ziel, Michael S. fertigzumachen, betonte die Finanzchefin. Dem Vorstand gehe es explizit darum, aufzuzeigen, dass man dafür geradestehen muss, wenn man Mist gebaut habe. Das müsse er jetzt einfach einmal lernen. «Es gibt Dinge, die nicht okay sind, auch wenn sie gut gemeint sind.»

Das Gericht empfiehlt den beiden Parteien, ihren Streit in einem Vergleich zu lösen. «Die rechtliche Situation ist sehr klar und käme in einem Urteil wahrscheinlich ähnlich heraus». Daraufhin zeigt sich der Beklagte - nachdem er bisher sämtliche Schlichtungsversuche durch einen Mediator und beim Friedensrichter platzen liess - bereit, einer Forderung in der Höhe von insgesamt 2810 Franken nachzukommen. Der Verein seinerseits übernimmt die Hälfte der Montagekosten sowie einen Teil der Zollrechnung und stellt dem Beklagten in Aussicht, dass sie das Strafverfahren und die Betreibung zurückziehen, sobald er das Geld überwiesen hat.

* Name der Redaktion bekannt